Ich bin ein Christ - Der hl. Florian (gest. 4. Mai 304)

04. Mai 2022
Quelle: Distrikt Österreich

Der heilige Florian zählt zu den beliebtesten Heiligen unseres Landes, in unzähligen Kirchen finden wir seine Statue, meist wird er abgebildet als römischer Legionär mit einer Lanze, einen Wasserkrug oder –kübel tragend, mit einer Fahne und einem brennenden Haus, manchmal auch mit einem Mühlstein um den Hals. Wir kennen ihn als den Schutzheiligen der Feuerwehr, als den Helfer, der in Feuersnöten oder auch bei Bedrohungen durch Wasser angerufen wird.

Was aber wissen wir über diesen Mann, der am Ende des dritten, Anfang des vierten Jahrhunderts in der römischen Provinz Noricum in Aelium Cetium (dem heutigen St. Pölten) lebte und zu einem Heiligen wurde und der einen so breiten Platz in der Volksfrömmigkeit erhielt?

Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian

Der römische Kaiser Diokletian erließ am 23. Februar des Jahres 303 n. Chr. ein Verfolgungsedikt gegen die Christen und damit begann die größte und weitreichendste Christenverfolgung im gesamten römischen Reich, das erklärte Ziel war die endgültige Zerschlagung der Kirche. Die christlichen Gottesdienste wurden verboten, Kirchen zerstört, christliche Schriften verbrannt, christliche Beamte wurden inhaftiert, die Christen verloren ihre Bürgerrechte. Bischöfe und Priester wurden inhaftiert und gefoltert und die Todesstrafe drohte allen, die das Kaiseropfer (zur göttlichen Verehrung des Kaisers) verweigerten.

Während der Zeit dieser Verfolgung kam der Statthalter Aquilinus nach Lauriacum (das heutige Lorch an der Enns), um auch in der Provinz Ufer-Noricum das Verfolgungsedikt umzusetzen und die Christen aufzuspüren. Daraufhin flohen viele Christen in die Berge, wo sie sich in den Höhlen versteckten. Die Christen aber, die in den Städten blieben, gerieten in die Hände ihrer römischen Verfolger. Diese Rahmenbedinungen kennen wir aus vielen uns überlieferten spätantiken Quellen. Über das nun folgende Martyrium des hl. Florian lesen wir in der „Passio“, ein Text, der am Ende des 8.  bzw.  zu Beginn des 9. Jahrhunderts entstanden ist und dessen handschriftliche Ausgabe aus dem 9. Jahrhundert uns erhalten geblieben ist.  Im Text dieser Passio finden sich einige Angaben, die auf eine viel ältere Quelle schließen lassen, es werden Fachausdrücke verwendet, die im 8. und 9. Jahrhundert nicht mehr verwendet wurden. Florian wird als „Ex principe officii praesidis“, als ehemaliger Vorstand der zivilen Statthalterkanzlei in Lauriacum bezeichnet. Ob er zu diesem Zeitpunkt bereits im Ruhestand war oder ob er vielleicht wegen seines christlichen Glaubens aus dem Dienst entlassen worden war, entzieht sich unserer Erkenntnis, genauso wie die näheren Daten seiner Herkunft. 

Der „Passio“ entnehmen wir, dass Florian davon erfuhr, dass vierzig Christen in Lauriacum in den Kerker geworfen wurden, sie hatten sich geweigert, dem Glauben abzuschwören und das Kaiseropfer zu bringen. Nach ihrer Folterung erwarteten sie im Kerker ihre Hinrichtung. Als Florianus, so sein römischer Name, das an seinem Wohnort Aelium Cetum (das heutige St. Pölten) hörte, machte er sich auf den Weg nach Lauriacum, um ihnen in ihrer Not beizustehen.

Lesen wir nun weiter im uns überlieferten Text der „Passio“:

„Als Florian in die Nähe von Lauriacum gekommen war, betrat er die Brücke, die dort über den Fluss (Enns, Anm.) führt. Da begegnete er ehemaligen Militärkameraden, die auf Befehl des Statthalters unterwegs waren. Als er sie fragte, was sie vorhätten, antworteten sie ihm: "Hast du nicht von den Erlässen des Kaisers gehört, die an den Statthalter gelangt sind und die befehlen, dass alle Leute den Göttern Opfer darbringen müssen. Wer das nicht tun will, soll durch verschiedene Quälereien umkommen". Als der heilige Florian dies hörte, sagte er: ‚Brüder und Kameraden, was sucht ihr noch nach anderen? Auch ich bin ein Christ. Geht zum Statthalter und meldet ihm, dass ich Christ bin und dass ich hier bin‘.

Die Soldaten nahmen ihn fest und führten ihn zum Statthalter. Dabei sagten sie: ‚Warum sollen wir nach anderen Christen suchen, wenn sich unser Kanzleivorstand Florianus als Christ bekennt?‘

Der Statthalter sagte: ‚Florianus, was erzählt man da von dir? Komm, opfere den Göttern, wie dies ich und deine Kameraden tun und du wirst mit uns am Leben bleiben und nicht wie die Verächter der Götter nach den Befehlen des Kaisers bestraft.‘ Der heilige Florian gab zur Antwort: ‚Das werde ich nicht tun. Du aber handle nach deiner Vorschrift‘.

Da wurde der Statthalter zornig und befahl, Gewalt gegen Florianus anzuwenden, damit er, wenn auch widerwillig, den Göttern opfere. Der heilige Florian aber erhob seine Stimme zum Herrn und sprach: ‚Herr, mein Gott, auf dich habe ich gehofft und dich kann ich nicht verleugnen, sondern dir diene ich und dir bringe ich das Lobopfer dar. Deine Rechte beschütze mich, denn dein Name wird gepriesen im Himmel und auf der Erde. Herr, gib mir Kraft durchzuhalten und nimm mich unter deine heiligen Streiter auf, die schon vor mir deinen heiligen Namen bekannt haben. Bekleide mich, Herr, mit dem glänzenden Gewand deiner Macht und stärke mich in deinem heiligen Geist. Lass nicht zu, dass ich vom Teufel überwältigt werde, sondern sei mir Führer auf dem Weg deiner machtvollen Gerechtigkeit, dass ich dich preisen und dir ein Loblied singen kann. Du bist gepriesen in Ewigkeit. Amen.‘

Als aber der Statthalter Aquilinus dies hörte, verhöhnte er ihn und sprach: ‚Was redest du da für törichtes Zeug und verspottest die Befehle der Herrscher? Opfere den Göttern!‘

Der heilige Florian erwiderte: ‚Als ich noch irdischen Kriegsdienst versah, habe ich schon im Geheimen meinen Gott verehrt. Schon dort konnte der Teufel von mir nicht Besitz ergreifen. Du hast zwar Gewalt über meinen Körper, aber meine Seele kannst du nicht anrühren. Herr über sie ist nur Gott. Bis heute habe ich den Befehlen der Richter Folge geleistet. Ich habe gehorcht, wie es sich für einen Soldaten gehört. Zu einem Opfer an die Dämonen aber kann mich niemand überreden. Das hilft ihnen ohnedies nichts. Wahngebilde bete ich nicht an.‘

Da geriet der Statthalter in Wut und befahl, ihn mit Prügeln zu schlagen. Der heilige Florian aber sagte: ‚Tobe nur, soweit du Macht über meinen Körper hast. Das habe ich dir schon zugestanden. Wenn du aber wissen willst, dass ich deine Folter nicht fürchte, so zünde einen Scheiterhaufen an und im Namen meines Gottes steige ich hinauf‘. Die Soldaten aber begannen, ihn wieder zu schlagen. Der Statthalter aber redete weiterhin auf ihn ein: ‚Opfere, Florian, und kaufe dich los von der Folter.‘ Der heilige Florian erwiderte: ‚Ich bringe bald meinem Herrn Jesus Christus ein wahres Opfer dar. Er hat mich gewürdigt, dass ich diese Stunde erleben darf und er hat mich in jene Hochstimmung versetzt, in der ich mich nun befinde.‘ Während dieser Worte ließ der Statthalter den heiligen Mann nochmals schlagen. Florian aber sang mit froher Miene Loblieder so, als ob er sich in einem Zustand von Freude und großer Fröhlichkeit befände. Da befahl der Statthalter, mit spitzen Eisen seine Schulterblätter zu brechen. Daraufhin lobte der heilige Florian Gott noch mehr und bekannte, dass er immer Christ sein werde.

Der Statthalter geriet völlig außer Fassung, fühlte sich in allen Punkten besiegt und sprach über Florian das Todesurteil. Er befahl, ihn zum Ennsfluss zu führen und dort von der Brücke hinabzustürzen. Es war der 4. Mai (des Jahres 304, Anm.) Nachdem der heilige Florian den Urteilsspruch vernommen hatte, ging er voll Freude zum ewigen Leben, das der Herr denen verheißen hat, die ihn lieben. Mit heiterer Miene schritt er dahin, als ob er zum Bad geführt würde. Sie kamen zu der Stelle, wo sie ihn hinunterstürzen sollten. Dort banden sie einen großen Stein um seinen Hals. Florian aber bat die Soldaten der Eskorte, sie möchten ihm ein Gebet zu Gott erlauben. Aufrecht stehend wandte sich der heilige Florian nach Osten, streckte seine Hände zum Himmel aus und begann zu sprechen: "Herr Jesus Christus, nimm meine Seele entgegen ....‘ Er betete ungefähr eine Stunde lang. Die Soldaten erfasste Ehrfurcht und sie scheuten sich, ihn anzurühren. Da kam ein wütender junger Mann herbei und schrie sie an: ‚Was steht ihr da und führt den Befehl des Statthalters nicht aus?‘ Während er dies sagte, stieß er Florian von der Brücke in den Fluss.“

Wunder an der Begräbnisstätte

Soweit das Zitat aus der „Passio“. Sein Leichnam soll in einiger Entfernung an einem Felsen an Land gespült worden sein, was die Absicht des Statthalters zunichte machte, denn durch das Ertrinken mit Hilfe eines Steins sollte ein Kult um den Toten verhindert werden. Unweit vom Auffindungsort wurde er begraben und an seiner Begräbnisstätte sollen viele Wunder geschehen sein. Im 8. Jahrhundert bauten die Bischöfe von Passau über dem Grab eine Kirche, hier entstand im 11. Jahrhundert das spätere Augustiner Chorherrenstift Sankt Forian. Die vierzig Christen, die im Gefängnis waren, starben ebenfalls den Märtyrertod (gemäß der „Passio“). Ihre Gebeine wurden bei Renovierungsarbeiten zu Anfang des 20. Jahrhunderts in der Basilika in Lorch aufgefunden und in der weiteren Folge wiederholt auf ihre Echtheit untersucht. Die Tücher, die sich bei den Gebeinen befunden hatten, wurden in das 4. Jahrhundert datiert. Im Jahr 1962 stellte man nach neuerlichen archäologischen Untersuchungen fest, dass es sich um die Gebeine von mindestens 31, möglicherweise von 40 Menschen handelte. Sie wurden danach im Altar der Basilika erneut beigesetzt.

Der erste namentlich bekannte Märtyrer Österreichs

Der hl. Florian ist der erste Märtyrer Österreichs. Acht Jahre nach seiner Hinrichtung bereitete Kaiser Konstantin den Christenverfolgungen im römischen Reich ein Ende. Seit 1971 ist der hl. Florian der erste Patron der Diözese Linz und neben dem hl. Leopold auch seit 2004 Schutzpatron von Oberösterreich. Seine Verehrung verbreitete sich auch in Bayern, Südtirol, Böhmen, Polen und Ungarn. Sein Gedenktag und auch der seiner 40 Gefährten im Martyrium ist der 4. Mai.

Sein kompromissloses Bekenntnis zu unserem Herrn Jesus Christus sollte auch uns, den Menschen des 21. Jahrhunderts, die so oft wankelmütig und schwach in ihren Überzeugungen sind, ein großes Vorbild sein. Sicher wäre es ein Leichtes für ihn gewesen, vor seinem Vorgesetzten, der ihm offenbar anfangs durchaus freundschaftlich gesinnt war, ein Pseudobekenntnis zur Verehrung des römischen Kaisers als Gott abzulegen und dabei für sich selbst im Herzen an Christus festzuhalten. Er hätte sein Leben gerettet und hätte weiter für seine Familie sorgen können. Vermutlich gab es damals auch etliche, die sich für einen solchen Weg entschieden haben.  Aber was wäre eine solche Überzeugung wert? Wieviel ist ein solcher Glaube wert? Der Heiland hat uns gesagt: „Wer mich vor den Menschen bekennt, den werde auch ich vor Meinem Vater im Himmel bekennen!“ Diesen Satz hatte der hl. Florian sicher vor Augen, als er mutig am Bekenntnis festhielt, als er den Tod schon vor Augen hatte. Sein Lohn war die Herrlichkeit des Himmels und sein Märtyrertod wurde zum Samen zur Ausbreitung des Christentums.  So sollten wir den hl. Florian nicht nur bitten, er möge Feuer- und Wasserschäden von unseren Häusern fernhalten, wir sollten ihn auch um Mut und Entschiedenheit im Bekenntnis zu unserem Herrn und Heiland bitten, inmitten einer Welt, in der Christen wieder zunehmend zum Ziel der Verfolgung werden.

Quelle: Webseite des Stiftes St. Florian