Kloster Reichenstein in der Eifel neu besiedelt

18 Oktober, 2017
Quelle: Distrikt Deutschland

Am 14. Oktober 2017 wurde die historische Klosteranlage Reichenstein in der Eifel von fünf Mönchen des Benediktinerklosters Notre Dame de Bellaigue (Auvergne) wiederbesiedelt.

Das Festhochamt zu Ehren des Unbeflecken Herzens Mariens, dem Patrozinium der Neugründung, wurde vom Prior des Klosters Bellaigue, Dom Placide, zelebriert.
 
Pater Firmin Udressy, Obere des deutschen Distrikts der Priesterbruderschaft St. Pius X., Vertreter der Stadt Monschau und ca. 250 Gläubige begrüßten die fünf neuen Mönche.
 
Das ehemalige Prämonstratenser-Kloster Reichenstein, errichtet im 12. Jahrhundert, liegt in der herben Eifellandschaft, mitten im Naturpark des „Hohen Venn“, unmittelbar an der deutsch-belgischen Grenze.
 
Die denkmalgeschützte Anlage, zu der über 32 Hektar Wald und ein Fischteich gehören, liegt auf einem Felsplateau im Mündungswinkel des Flüsschens Rur. Bis zum malerischen Städtchen Monschau sind es 7 km.
 
Kloster Reichenstein liegt im Tal zwischen Eschweide und Kalterherberg, an der Strassenverzweigung „Leyloch“/ „Richeelsleyer Weg“.
 
Das Kloster, das 750 Jahre ununterbrochenes Klosterleben durch die Chorherren des hl. Norbert (Prämonstratenser) gesehen hatte, wurde in der napoleonischen Zeit aufgelöst und ging in Privatbesitz über. Die ehrwürdige Klosterkirche, die so viele Jahrhunderte der Feier des hl. Messopfers und des Chorgebetes gedient hatte, wurde zum Stall eines landwirtschaftlichen Betriebs. Im Jahre 1970 wurde die Anlage von der Rechtsanwaltsfamilie Dr. Handschumacher erworben und in großen Teilen liebevoll restauriert. Vor allem wurde die alte Kirche wieder ein Ort der Andacht, den viele Wanderer durch das „Hohe Venn“ liebgewonnen haben.
 
Vor acht Jahren erwarb der Verein Sankt Benedikt e.V. die Anlage und bereitete sie mit den Spenden vieler Wohltäter, sowohl aus der unmittelbaren Umgebung, aber auch aus ganz Deutschland, für die Wiederbesiedlung durch Benediktiner ein. Mit Unterstützung des Denkmalschutzes und vieler eifriger Helfer konnten erhebliche Fortschritte in der Erhaltung der Bausubstanz erreicht werden.
 
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. konnte in den letzten Jahren dem Verein St. Benedikt e.V. helfen, daß die Anlage in Versorgung (z.B. eigene Blockkraftheizung, Nutz- und Abwasser, Stromversorgung, Fenster, Dächer, Böden) neu strukturiert wurde.
 
Das Kloster Reichenstein bleibt kirchenrechtlich vorerst abhängig von dem Benediktinerklosters Bellaigue (bei Clermont-Ferrand), das 1998 in einer der ältesten Abteianlagen Burgunds gegründet wurde und heute ca. 40 Mönche zählt.
Die Mönche von Bellaigue gehören historische zur sog. „primitiven Observanz“, die in Frankreich von Pater Jean-Baptiste Muard (1809-1854) aus im Kloster Saint-Pierre-qui-Vire (Burgund) ihren Ursprung nahm.
 
„Dom Muard wollte keine neue Form des Benediktinerordens gründen, sondern er hat die Regel des hl. Benedikt so genommen, wie sie ist, und sie, soweit möglich, in ihrer ursprünglichen Strenge befolgen wollen.“ (Dom Banquet)
 
Die „ursprüngliche Observanz“ ist gekennzeichnet durch das Nachtoffizium, die Abstinenz von Fleisch, das Stillschweigen und die umfassende Beachtung der anderen überlieferten klösterlichen Observanzen. Es ist ein kontemplatives Leben. Die Mönche übernehmen nur sehr wenige seelsorgliche Aufgaben und leben ganz zurückgezogen.
 
Die heilige Messe wird nach den überlieferten liturgischen Büchern gefeiert. Das Offizium wird sieben Mal am Tag und einmal in der Nacht gehalten.
 
Der Obere des Klosters Reichenstein ist Dom Bernhard Huber, einem gebürtigem Allgäuer. Er wurde 2007 zum Priester geweiht.