FSSPX Nachrichten & Veranstaltungen

Papst Pius XII. und Österreich

08. Oktober, 2018

Zum 60. Todestag von Papst Pius XII. (9. Oktober 2018) publizieren wir einige Texte des großen Papstes mit Bezug zu Österreich.

An die katholische Jugend Österreichs

„Sucht euren katholischen Glauben mit neuer Klarheit, ganz tief und mit voller Überzeugung zu erfassen! Setzt alles daran, ihn immer mehr Wirklichkeit werden zu lassen in Gebet und inniger Verbindung mit Christus, dem Urquell aller Gnade, in eurem innersten Denken und Wollen, in eurem persönlichen Tun, in eurem Familienleben, in eurem öffentlichen Wirken und Handeln.“ (Botschaft zum Katholikentag in Wien 1952)

Wichtigkeit der katholischen Schule

„In der Sorge um euren Glauben besteht darauf, dass euren Kindern die katholische Schule gesichert und erhalten bleibe. Was nützt die christliche Erziehung im Elternhaus, wenn die Schule wieder abbaut, was jene sorgsam aufgebaut hat! Aus schwersten Erfahrungen, welche die Kirche allenthalben und immer wieder macht, besteht sie hier bis zum letzten auf dem Recht ihrer Gläubigen und mahnt euch, auch eurerseits bis zum letzten euer Recht zu beanspruchen.“ (Botschaft zum Katholikentag in Wien 1952)

Ehe und Familie

„In der Sorge um euren Glauben haltet die Ehe heilig! Heilig sei euch die Eheschließung. Der Katholik kann nur in religiöser Weihe, nicht rein standesamtlich, eine wahre Ehe eingehen. Wenn im staatlichen Leben der «Volkswille» irgend einen Sinn hat, so besteht darauf, dass hier dem Wollen der überwältigenden Mehrheit eures Volkes gebührend Rechnung getragen werde.

Heilig sei euch das Eheleben. Was Unser hochseliger Vorgänger Papst Pius XI. in seiner Eheenzyklika, und was Wir selbst vergangenen Herbst in einer grundsätzlichen Ansprache über die sittlichen Forderungen des Ehelebens, den gegenwärtigen Verhältnissen so viel wie möglich Rechnung tragend, dargelegt haben, sei euch Richtschnur. Ihr wisst, geliebte Söhne und Töchter, dass die elementarste Sorge um Bestand und Zukunft eures Volkes hier mit den Forderungen des Naturgesetzes und der Kirche zusammenfällt.

Heilig sei euch das Familienleben: Euch Eltern die christliche Erziehung der Kinder; euch Kindern das Vierte Gebot, Ehrfurcht und Gehorsam den Eltern gegenüber. Euch allen das Familiengebet und der christliche Sonntag. Er sei und er soll bleiben der Tag des Herrn, der Tag leiblicher und seelischer Erholung, der Tag der Familie. Die beglückende Atmosphäre christlichen Sonntagsfriedens und christlicher Sonntagsfreude vermag bei gutem Willen immer noch zu ersetzen, was die heute nur zu sehr trennende Arbeit des Alltags an Zusammenhalt der Familie nicht mehr geben kann. Macht Front dagegen, dass ein geradezu heidnisch anmutendes Übermaß von Körperkultur und Vergnügen den Sonntag ganz verweltliche und die Familie zerreiße!“ (Botschaft zum Katholikentag in Wien 1952)

Katholischer Politiker in Österreich

„Ihr Amt umfasst einen Aufgabenkreis, groß und vielgestaltig wie nur bei wenigen hohen Verwaltungsstellen. Wir wissen darum auch um die schwere Verantwortung, die auf jedem von Ihnen ruht, und Sie dürfen versichert sein, dass Unsere väterliche Teilnahme und Unser Gebet Ihre Handlungen und Schritte begleitet. Wir wissen auch, wie viel Umsicht, reifliches Überlegen und Abwägen von einem Mann in Ihrer Stellung verlangt wird, auf dass er mit seinem Rat durch alle Widerstände und sich befehdenden Wünsche immer das herausfinde und durchsetze, was jeweils dem Gesamtwohl der Gemeinde am meisten entspricht. Wir erhoffen Ihnen von Herzen ein Doppeltes : dass Sie immer Ihre Entschließungen nicht nur vor Ihrer Regierung, sondern erst recht vor dem alles überschauenden Auge Gottes voll vertreten können - und dass die Armen, Witwen und Waisen, dass alle, die in Not sind, in Ihnen immer einen gütigen Vater, alle Anstalten und Unternehmungen aber, die jenen helfen wollen, einen wirksamen Förderer finden.“ (Ansprache an eine Gruppe von Bürgermeistern aus Niederösterreich, Rom 1952)

An Professoren und Studenten des Kirchenrechtes in Wien

„Das Kirchenrecht ist nicht Selbstzweck. Es ist immer Mittel zu einem über ihm liegenden Ziel. Wie alles in der Kirche, steht es im Dienst der «salus animarum», und damit der Seelsorge. Es soll mithelfen, der Wahrheit und Gnade Jesu Christi die Wege in die Herzen der Menschen zu öffnen und zu ebnen.

Es ist aber deshalb nicht etwas zum inneren Gefüge, zum Wesen der Kirche nur von außen Hinzutretendes und nur Menschenwerk. Gewiss sind viele Canones nur Schutznormen, so etwa um den Glaubensbesitz vor Zersetzung, die Würde der Gnade und der Sakramente vor Entweihung zu hüten. Aber daneben gibt es Rechtsnormen, die in das kirchliche Gefüge selbst eingebaut sind, und zwar ihrer Substanz nach unmittelbar vom göttlichen Stifter der Kirche: Formen der Gliederung des mystischen Leibes Christi, wie im kirchlichen Verfassungsrecht, in den Bestimmungen über die Gewalt des Papstes und der Bischöfe. Christus hat seine Kirche gestiftet nicht als ungeformte Geistesbewegung, sondern als festgefügte Gemeinschaft.

Gewiss darf das Kirchenrecht die seelischen und übernatürlichen Werte, in deren Dienst es steht, nicht überwuchern. Man hat ihm wohl den Vorwurf gemacht, dass es das tue, und von "Verrechtlichung" der Kirche gesprochen. Aber einmal wird der Vorwurf zu oft erhoben gegen die Unbeugsamkeit, mit der die Kirche an der Unauflöslichkeit der gültig geschlossenen und vollzogenen christlichen Ehe festhält. Und doch handelt sie gerade in diesem Falle nicht aus juristischer Gefühllosigkeit und Härte, als ob sie die Tragik, die jenen Fällen oft innewohnt, nicht empfände, sondern einfach in treuer Handhabung des Eherechts, das ihr göttlicher Stifter selbst gesetzt hat und über das zu befinden die Kirche nicht zuständig ist. …  Kirchenleben und Kirchenrecht gehören zusammen. Sinnbild dessen sei Ihnen der hl. Papst Pius X. Er war der Schöpfer des neuen kirchlichen Rechtsbuches, wie er die Quellen und Schleusen jenes sakramentalen Lebens geöffnet hat.

Wir wünschen Ihnen, geehrte Herren, wissenschaftlichen Erfolg und innere Bereicherung aus Ihrem Rechtsstudium und erteilen Ihnen in väterlichem Wohlwollen den Apostolischen Segen.“ (Ansprache an Wiener Studenten und Professoren, 3. Juni 1956)

Quelle: www.vatican.va