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Papst Pius XII. und Mariazell – Zum 60. Todestag des Papstes

02. Oktober, 2018

In wenigen Tagen werden es genau 60 Jahr her sein, dass Papst Pius XII. am 9. Oktober 1958 in Castel Gandolfo verstarb. Ein gutes Jahr vor seinem Tod hielt er eine Radioansprache über Mariazell.
 

"Aufklärung und die liberalen Strömungen der letzten 200 Jahre gegen den katholischen Glauben - Vielleicht ist in Mariazell ob keiner Not und Gefahr so viel gebetet worden wie ob dieser.“

AUS DER RADIOBOTSCHAFT VON PAPST PIUS XII.ZUR 800-JAHR-FEIER  DES ÖSTERREICHISCHEN NATIONALHEILIGTUMS MARIAZELL* (15. September 1957)

Mit väterlicher Freude und in tiefer Ergriffenheit richten Wir Unser Wort an euch, geliebte Söhne und Töchter der österreichischen Lande, die ihr, geschart um eure Oberhirten, Unsere ehrwürdigen Brüder, heute dem 800. Jahrestag eures Nationalheiligtums Mariazell und all der Verehrung und Liebe, die Maria, der "Magna Mater Austriae" dort erwiesen wurde, feierlich gedenken wollt.

Mariazell ist die älteste und größte Gnadenstätte der Gottesmutter in Österreich, die wichtigste des Donauraumes: wie viel ist im Laufe der Jahrhunderte hier zur Gottesmutter gebetet und gefleht worden! Schon um das Jahr 1400 strömten die Pilgerscharen - wie uns berichtet wird -  von der Ostsee bis Italien und von Frankreich bis Rumänien hier zusammen. Wie viele junge Menschen, wie viele Brautpaare, haben ihr Lebensglück in eurem Heiligtum der Liebe Marias anvertraut, in welch großer Not und Gefahr, Unglück und Drangsal, wurden dort ihr mütterlicher Schutz, ihre mächtige Hilfe angerufen! Wie oft haben eure Landesherren seit den Tagen Ludwigs des Großen von Ungarn die Rettung und das Wohl Österreichs der Gnadenmutter von Mariazell anempfohlen! Wir denken an die katholische Erneuerung nach den Stürmen der Glaubensspaltung im 16. Jahrhundert, an den frommen Kaiser Ferdinand II., den Dreißigjährigen Krieg, an den verheerenden Einfall der Türken im Jahr 1683: damals haben eure Vorfahren in Mariazell und Unser Vorgänger - der von Uns seliggesprochene Papst Innozenz XI. - in Rom die heilige Jungfrau um Hilfe angefleht. Innozenz XI. war nicht nur ein Mann des Gebetes, sondern auch der Tat. Vorausschauend hat er in langjährigen zähen Verhandlungen durch seine Unterstützung des Bündnisses zwischen Kaiser Leopold und dem Polenkönig Johann III. Sobieski die Bedingungen für die Rettung der Kaiserstadt Wien und des christlichen Abendlands geschaffen. Das Fest Mariä Namen, das er selber zur Erinnerung an den Sieg vor den Stadtmauern Wiens einsetzte, und der Name "Patrona Viennensis", den das gerettete Wien dankerfüllt der Gottesmutter gab, beides möge euch immer an die wunderbare Hilfe erinnern, die eurem Land damals in tödlicher Gefahr durch Maria zuteil wurde.

Wir denken schließlich an die schlimmen Schlachten, die eine kirchen- wie volksfremde Aufklärung und die liberalen Strömungen der letzten 200 Jahre auch in euren Landen gegen den katholischen Glauben geführt haben. Vielleicht ist in Mariazell ob keiner Not und Gefahr so viel gebetet worden wie ob dieser.

Was jedoch die Zahl der Pilger angeht, bleiben die vergangenen Zeiten weit zurück hinter der Gegenwart, wo Jahr für Jahr Hunderttausende von Gläubigen zur Gnadenmutter von Mariazell wallfahren. An dieser Tatsache haben ganz gewiss die modernen Verkehrsmöglichkeiten ihren Anteil. Sie bleibt aber immer ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass die letzten 50 Jahre, in denen euer Volk nicht nur zwei Weltkriege, sondern auch schwerste politische und wirtschaftliche Erschütterungen überstehen musste, seinen katholischen Glauben nicht gebrochen, sondern seine Hingabe an Maria nur noch verstärkt haben. Wir erblicken in dem Glanz, in dem die Basilika von Mariazell nach ihrer baulichen Erneuerung erstrahlt, ein Sinnbild eurer unverminderten Treue und Liebe zur Himmelskönigin.

Wie könnten Wir daran zweifeln, wenn Wir die zu Unserer Kenntnis gelangten Mariazeller Jubiläumsfeiern an Unserem geistigen Auge vorbeiziehen lassen sowie die Pilgerfahrten, die in diesen Monaten ihren Weg dorthin nahmen und noch nehmen werden? Wir können Uns die Freude nicht versagen, sie einzeln oder in Gruppen namentlich aufzuführen:

Tag der Steirischen Landesmutter. Wallfahrten des Burgenlandes und Oberösterreichs. Tag der österreichischen Frauen. Wallfahrt der gewerblichen Wirtschaft Österreichs, der katholischen Landesjugend der Steiermark, der St. Pöltener Landesjugend, der Burgenländischen Jugend, der Österreichischen Pfadfinder und der Kolpingssöhne. Große Wiener Stadtwallfahrt. Wiener Männerwallfahrt wie zu den Zeiten eures Männerapostels Heinrich Abel. Bayernwallfahrt und Tag der "Patrona Bavariae". Stuttgarter Wallfahrten mit den Ungarn- und Sudetendeutschen. Tag der  "Magna Hungarorum Domina". Tag der "Mater Gentium Slavorum". Tag des III. Weltkongresses der Weltunion Katholischer Lehrer. Tag des hl. Benedictus. Internationaler Pax Christi-Kongress. Tag der Catholica Unio. Tag der Völkerverständigung. Tag der Völkermutter. Tag der Sühne.

Wie viel guten Willen, wie viel heiligen Eifer, wie viel Sorge und Not, Hoffen und Vertrauen, und wie viel Hingabe an Maria umfassen diese Aufschriften!

Im Jahre 1952, anlässlich eures großen Katholikentags, ermahnten Wir euch : "Vertraut ihr (Maria) euer Geschick an, an erster Stelle aber euren Willen zu neuem heiligen Leben. Dann braucht ihr nicht zu fürchten; dann dürft ihr zuversichtlich hoffen" (Acta Ap. Sedis a. 44., 1952, S. 793). Gewiss kann euch die Kirche im Bereich des Diesseitigen, und wenn es um noch so hohe Werte geht, keine bindenden Zusicherungen machen. Aber "Wille zu heiligem Leben" - dem gilt immer vorbehaltlose Verheißung, da verpfändet Gott sein Wort, dass nämlich denen, die Ihn lieben, alles zum Besten gereicht (cfr. Rom. 8, 28). Wir können deshalb nur wiederholen, was Wir euch damals, vor fünf Jahren, ans Herz legten, wollen aber drei ergänzende Hinweise anfügen:

Erstens: Ihr hört immer und immer wieder : die Stunde des Laienapostolats hat geschlagen, und jeder ist zu ihm berufen. - Ja wenigstens zum Apostolat des Gebets und des guten Beispiels. Und dieses Apostolat ist heute das vordringlichste, weil die Welt, von so vielen Botschaften, die sich als trügerisch erwiesen, ernüchtert und enttäuscht, euerem Wort nur noch glaubt, wenn sie an euerem Tun sieht, dass ihr mit dem "Gott dienen und seine Gebote in die Tat umsetzen" bei euch selbst vollen Ernst macht. Dabei betrifft dieses "Gott dienen" nicht nur euer eigenes Leben, sondern ebenso euer Leben in der Gemeinschaft, den Beruf, euere Pflichten im öffentlichen Leben, euer ganzes Dasein bis hin in seine letzten Verästelungen. Männer und Frauen, die einflussreiche Berufe ausüben und in allem als vollgültige Christen und Katholik handeln, können heute Wunder wirken für die Sache Christi und seiner Kirche. Solches "Gott dienen" ist echteste "Marienminne".

Zweitens: Seid euch eurer Verantwortung bewusst für die umliegenden Länder und Völker! Nicht als ob Österreich nicht große Opfer gebracht hätte, als im vergangenen Herbst und Winter ungarische Flüchtlinge Rettung suchend auf sein Gebiet flohen. Wir denken jetzt an das Gesamtschicksal jener Länder und Völker, und Wir denken gerade jetzt an an sie, wo ihr zur Verherrlichung der Gottesmutter im Heiligtum Mariazell vereint seid : Mariazell war auch ihre Gnadenstätte; auch sie sind dorthin gewallfahrtet, und zählt die Tausenden, die den Tag herbeisehnen, da sie wieder frei der Himmelskönigin ihren Dank und ihre Hingabe bezeugen können. Jetzt ist es an euch, für sie einzustehen vor Maria und ihrem göttlichen Sohn. Bittet für sie um das hohe Gut der Freiheit, der Freiheit zu allem, was menschenwürdig und gottgefällig ist, und fleht mit der Kirche:  "Gott, unser Schirmherr, schau auf uns und verteidige uns gegen die Gefahren, die von seiten der Feinde uns drohen, dass wir, nach Behebung aller Unruhen, freien Sinnes Dir dienen mögen" (Missale, Orationes diversae nr. II - Postcomm.).

Drittens: Betet an der Stätte der Gnadenmutter für die großen Anliegen der Weltkirche! Das ist das Besondere der gegenwärtigen Stunde, dass schwer zu entscheiden bleibt, was größer ist: die Beklemmung wegen der ganze Erdteile umfassenden Nöte und Gefahren, in denen die Kirche steht, oder die Hoffnung ob der gewaltigen, auch weltweiten Möglichkeiten, die sich uns bieten können. Hier gilt für alle Kinder der Kirche jedenfalls das eine: beten und opfern!

Wir empfehlen die zur Festfeier erschienenen Oberhirten und Priester, die Vertreter der staatlichen Einrichtungen, euch alle, geliebte Söhne und Töchter, ganz Österreich und sein Volk der Unbefleckt-Empfangenen, dass sich durch ihre mächtige Fürbitte die erbarmende Vorsehung Gottes sowie die Gnade und Liebe Jesu Christi, ihres göttlichen Sohnes, in reicher Fülle auf euch ergießen mag. Als Unterpfand dessen erteilen Wir euch aus der Fülle Unseres Herzens den Apostolischen Segen.

Quelle: *Discorsi e Radiomessaggi di Sua Santità Pio XII, XIX, 19. Pontifikatsjahr, 2. März 1957-1. März 1958, SS. 393-396