Predigt über die letzten Dinge

2018
Quelle: Distrikt Österreich

Liebe Gläubige!

Wir sind am Ende des Kirchenjahres angelangt. Unsere gute Mutter die heilige Kirche lässt uns in diesen Tagen mit aller Deutlichkeit die Letzten Dinge betrachten. Tod, Gericht, Himmel und Hölle.

Nach Ablauf der Zeit, die Gott für die Dauer dieser Welt bestimmt hat, nach Vorzeichen, die so furchtbar sein werden, dass die Menschen vor Entsetzen vergehen, wird nichts von all dem, was wir hier sehen, verschont bleiben. Diese Welt wird ein Ende haben.

„Unsere Tage gehen dahin, der Tod steht vor der Tür. Die Trompete bläst zur Heimkehr, das Gericht ist nahe!“ (hl. Franz von Sales). Die letzten Dinge betreffen uns zunächst persönlich, vielleicht schon sehr bald. Wir werden sterben. Unerwartet oder vorhergesehen, durch einen Unfall oder nach langer Krankheit, während des Tages oder in der Nacht, in 50 Jahren oder vielleicht auch schon heute. Nur das eine ist sicher, dass wir sterben werden und so mancher vielleicht früher als er denkt. Unsere Seele wird dann, ob sie will oder nicht, von allen Dingen dieser Welt Abschied nehmen müssen, von den Verwandten, von der eigenen Familie, von den guten Freunden, von allen Geschöpfen und schließlich auch vom eigenen Leib, auch ihn lassen wir zurück und schon bald wird nichts mehr von ihm übrig sein. Das Todesurteil ist, wie der hl. Alphons einmal sagt, für alle Menschen schon gefällt: Du bist ein Mensch, du musst sterben! Es ist gut und heilsam, wenn wir öfter daran denken. Machen wir uns den Vorsatz, uns gut auf diese entscheidende Stunde vorzubereiten.

Wir haben unser irdisches Leben, unser Ansehen, unsere Arbeit, Haus und Heim zu unserer vollen Zufriedenheit aufgebaut. Bedenken wir aber, dass wir bald alles verlassen müssen. Der Tod wird uns Alle dem – irdisch betrachtet – geringsten und ärmsten Menschen dieser Welt gleich machen.

Meine lieben Gläubigen: Die beste Vorbereitung auf den Tod besteht darin, uns unser ganzes Leben lang von allem Irdischen loszureißen und Herz und Geist auf die himmlischen Dinge zu lenken. Den Sinnen nach betrachtet ist der Tod gewiss etwas schreckliches und fürchterliches. Aber dem Glauben nach ist er tröstlich, der Gläubige freut sich. Furchtbar erscheint er den Sündern, liebenswürdig und kostbar zeigt er sich den Heiligen. Für letztere ist er ja die Vollendung des Sieges, die Tür des ewigen Lebens. Der große Kirchenhistoriker des 16. Jahrhunderts Kardinal Cesare Baronius brach in seiner Todesstunde in frohen Jubel und heitere Fröhlichkeit aus, nachdem er zuvor immer von großer Furcht beim Gedanken an den Tod erfüllt war: „Ecce nunc tempus exultationis et laetitae, moriamur!“ – so sprach er – „Siehe nun kommt die Zeit des Jubels und der Freude; lasset uns sterben!“ Wenn wir in Liebe zu Gott sterben, so brauchen wir uns nicht zu beunruhigen wegen der Schmerzen, die der Tod mit sich bringt, nein, wir sind glücklich, für Gott leiden zu dürfen. Mit Liebe und Freude opfern wir die letzten Überreste dieses irdischen Lebens auf. Und schließlich wollen wir das Opfer unseres eigenen Todes mit dem Opfer vereinen, welches Christus einst am Kreuze seinem ewigen Vater dargebracht hat. In welchem Frieden und in welcher Ergebenheit dürfen wir als gläubige Katholiken aus diesem Leben scheiden!

Erzbischof Lefebvre machte die Priester mit Nachdruck darauf aufmerksam, wie wichtig es für sie ist, „das Jenseits gut zu kennen und damit zu leben und so die Sterbenden oder die Verwandten und Freunde derer, die sterben, genau unterrichten zu können. Es ist ja eine seiner hauptsächlichsten Pflichten, bei den Gläubigen während ihrer letzten Stunden hier auf Erden zu wachen, sie aufzuklären, sie zu ermutigen, sie durch die Sterbesakramente, durch die Sterbegebete vorzubereiten, dann ihre sterbliche Hülle zum Altar des Heiligen Opfers und schließlich auf den Friedhof zu geleiten. Wie viele kostbare Unterweisungen können bei diesen Gelegenheiten denen erteilt werden, die den Verstorbenen umgeben.“ Es ergibt sich „die dringende Notwendigkeit, in unseren Predigten ständig auf diese letzten Dinge zurückzukommen.“ (Aus: Geistlicher Wegweiser, 10. Kap.)

Liebe Gläubige, wie wichtig ist es, rechtzeitig den Priester zu holen! Das ist eine große Verantwortung! Bedenken Sie das bitte und legen sie das auch ihren Verwandten und Freunde nahe! Der Priester ist nicht zuerst dazu da, um die Hinterbliebenen zu trösten, sondern um dem Sterbenden zu helfen, in den Himmel zu kommen. Dazu müssen alle Mittel eingesetzt werden, auch von Seiten der Angehörigen und Freunde. Bedenken Sie das bitte immer wieder. Wie viele Katholiken sterben heute ohne priesterlichen Beistand. Ein furchtbarer Gedanke!

Das Evangelium des heutigen Sonntags lässt uns mit geheimnisvollen und dramatischen Worten das Ende betrachten. Doch warum spricht Christus so oft vom Gericht und vom Ende der Welt? Warum will er, dass wir in Furcht leben, fragt der hl. Franz von Sales. Und die Antwort? Damit wir lieben, denn die Furcht ist der Anfang der Weisheit (Ps 110,10). Die Furcht macht die Seele für die Liebe bereit, die Furcht ist Dienerin der Liebe. Und Maria selbst ist es, die im Magnifikat sagt: Und sein Erbarmen gilt von Geschlecht zu Geschlecht allen, die ihn fürchten.

Die meisten Menschen leben so dahin, als ob alles immer so bleiben würde wie jetzt. Trotz all den dramatischen Ereignissen in Kirche und Welt, die wir Tag für Tag erleben - zum Teil schlimmer als je zuvor - ist eine unfassbar große Zahl unserer Mitmenschen wie betäubt. Sie genießen, was zu genießen ist, sie leben dahin von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr.

Die Erinnerung an das bevorstehende Weltende und das Weltgericht soll erschüttern. Der hl. Paulus ist es, der nicht müde wird, uns zur wahren christlichen Furcht zu erziehen: Wirkt Euer Heil in Furcht und Zittern. (Phil 2,12) Lasst uns Gott wohlgefällig dienen mit Furcht und Ehrerbietung, denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer. (Hebr 12,29) In diesen Zeiten, in denen alle Dogmen in Frage gestellt werden, sogar innerhalb der Kirche, ist es wichtig, die Lehre der Kirche gut zu kennen, auch jene über die letzten Dinge. Es könnte gut sein, wieder einmal den alten Katechismus zur Hand zu nehmen und selber jene Punkte zu studieren, die davon handeln. Es ist gut, uns besonders auch den Ernst der Todsünde bezüglich ihrer Folgen immer wieder vor Augen zu halten. Die letzten Dinge müssen uns Alle „in höchstem Grad interessieren und das umso mehr, als alle unsere Handlungen hier auf Erden diese künftige Ewigkeit vorbereiten. Hinsichtlich dieser Letzten Dinge gleichgültig oder leichtfertig zu leben, ist töricht.“ (Geistlicher Wegweiser, 10. Kap.)

Liebe Gläubige, auch am kommenden 1. Adventsonntag wird das Sonntagsevangelium vom Ende der Welt handeln. Aber da – mitten in diese Weltuntergangsstimmung hinein bricht das neue Kirchenjahr an: Das soll unser großer Vorsatz sein in den kommenden Tagen, eben gerade auch eine Frucht aus der Betrachtung der letzten Dinge: Ich kann wieder anfangen, ich darf wieder anfangen, ja ich will wieder anfangen! Anfangen und alle Mittel ergreifen die zu unserem übernatürlichen Ziel führen. Wenn wir nicht in den Himmel kommen, wenn wir nicht heilig werden, dann war alles umsonst. Gott hat es gewollt, aber wir haben nein gesagt. Es kommt der Tag, an dem wir Rechenschaft ablegen müssen. Dann ist es zu spät.

Wie ist es um unser geistliches Leben bestellt? Haben wir Fortschritte gemacht im vergangenen Kirchenjahr? Wie ist es um unsere Übungen des geistlichen Lebens bestellt? Wieviel Zeit widmen wir dem Gebet? Gehen wir regelmäßig zur Beichte? Verrichten wir täglich eine kurze Gewissenserforschung? Wann haben wir zuletzt an Exerzitien teilgenommen? Wie ist es um unsere Liebe zum Herrn im Allerheiligsten Altarsakrament bestellt? Wie verrichten wir unsere Danksagung nach der Hl. Messe? Steht Gott wirklich an erster Stelle in unserem Leben?

Die Christenheit liegt derart darnieder, dass es schon schwerwiegender als je zuvor ist, wenn wir lau sind, wenn wir nicht vor Liebe zu Christus und seiner Kirche glühen. Denn wie reich sind wir von Gott mit Gnaden beschenkt worden! Bedenken wir das. Und bitten wir ihn, die kommenden Tage des Advents als große Gnadenzeit wirklich ausnutzen zu können. Bemühen wir uns um unser inneres Leben! Das sollte das wichtigste Geschäft unseres Lebens sein. Bereiten wir uns auf eine gute Beichte in den kommenden Tagen und Wochen vor! Nehmen wir uns alle auch fest vor, zum Einkehrtag im Advent zu kommen.

Nützen wir sodann diese Tage unbedingt gut aus für das persönliche Apostolat: Die Leute sind in diesen Tagen doch zum Teil ansprechbarer als sonst. Es können sich entsprechende Gelegenheiten ergeben: Vielleicht können wir jemanden zur Beichte einladen, der schon sehr lange oder noch nie bei der Beichte war. Vielleicht können wir jemandem beibringen, den Rosenkranz zu beten. Eventuell können wir jemanden zum Katechismusunterricht oder zu Erwachsenenbildung einladen? Vielleicht können wir jemanden zu den nächsten Exerzitien oder zum Einkehrtag mitnehmen. All dies muss aber gut vorbereitet sein, vorbereitet im Gebet und auch in unserer Opfergesinnung. Advent, das ist auch eine Zeit der Buße. Der katholische Glaube ist kämpferisch eingestellt. Das sollte in unserem Leben auch spürbar werden. Opfern wir die Mühen und Anstrengungen des täglichen Lebens in der Familie, in unseren Arbeiten und Pflichten gut auf. Wenn sie uns erschöpfen, so ist das gut, wenn wir am Abend nicht müde sind, so machen wir wahrscheinlich etwas falsch. Der irdische Mensch muss sich emporringen zum Heiligen. Dazu dient die Askese mit all ihren bewährten Mitteln. Es geht nicht darum, eine weichgespülte Wohlfühlgesellschaft aufzubauen, sondern den Willen Gottes zu erfüllen, die Seele zu retten und die Kirche wieder aufzubauen. Machen wir uns am Ende den Vorsatz, wirklich entschieden neu zu beginnen und die kommende Adventzeit zu einer Gnadenzeit für uns und die anderen werden zu lassen.

Denken wir an den Rat des hl. Paulus: „Solange wir Zeit haben, lasst uns Gutes wirken.“ (Gal 6,10) Verlieren wir die kostbare Zeit nicht, auch nicht einen Augenblick. Liebe Gläubige, der Himmel ist nahe. Noch ein paar Jahre und wir dürfen mit der Gnade Gottes wirklich dort sein. Der Himmel ist nahe, dieser Gedanke hat alle Heiligen des Himmels bewogen auf die kurzen irdischen Freunden und die vergänglichen Güter der Welt zu verzichten. Dieser Gedanke hat so viele Heilige mit Feuereifer beseelt, um die kurze Zeit gut auszunutzen und sich Schätze für das Jenseits zu sammeln. Mögen uns die kommenden Gnadentage wieder reichlich mit heiligem Eifer erfüllen, sei es im eigenen inneren Leben und auch in unserem Apostolat und möge uns die allerseligste Jungfrau Maria hier besonders beistehen. Amen.

Quelle: Pater Johannes Regele