Predigt: „Heilige Maria, sei du uns immer vor Augen, wenn unsere Treue wanken will“

22 Juli, 2018
Quelle: Distrikt Österreich

Predigt anläßlich des Patroziniums der Prioratskapelle Maria Hilf (und der Abschiedsfeier von Pater Jaromír Kučírek).

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Liebe Gläubige! Wie könnte einem der Abschied von Tirol/Innsbruck leicht fallen?! Doch wollen wir auch die damit verbunden Gnaden gut nützen. Jeder Abschied erinnert eine gläubige Seele daran, daß wir hier auf Erden keine bleibende Stätte haben, unsere Heimat ist im Himmel, erst dort können wir uns gemeinsam freuen, der nie endenden Seligkeit teilhaftig sein.

Daß wir unseren Abschied unter dem Zeichen und Schutz der Mutter Gottes feiern können, ist eine besonders zarte Fügung der göttlichen Vorsehung, die uns mit Freude und Dank erfüllt.

In Innsbruck gibt es viel Schönes und Bewundernswertes, in ganz Tirol findet man viel Beeindruckendes, doch das Wichtigste und Anziehendste im ganzen Land bleibt für mich dieser marianische Altar unserer Prioratskapelle. Das bekenne ich ohne Übertreibung, im einfachen Glauben. Und ich danke Gott und Seiner jungfräulichen Mutter, daß ich auf ihm das heilige Meßopfer ganze zwölf Jahre darbringen durfte.

Sei du uns vor Augen …

Liebe Gläubige! Es wird in dieser Kapelle – während der Kreuzwegandacht – der Mutter des Herrn zugewandt auch das folgende Gebet regelmäßig gesprochen: „Sei du uns immer vor Augen, wenn unsere Treue wanken will.“ Das ist eine sehr tiefe und sinnvolle Bitte, die wir auch beim Betreten unserer Kapelle mit dem Blick auf unser Altarbild wiederholen sollten: „Maria, sei du uns immer vor Augen, damit unsere Treue nicht wankt und fest bleibt.“ Sie ist doch die „Virgo fidelis – die getreue Jungfrau“, Maria ist gleichsam die Verkörperung der Treue.

Treue ist auch das Thema, das sich für die heutige Abschiedsfeier ergibt: Ein gewisses Kapitel in unserem Leben wird abgeschlossen, worauf es aber ankommt, ist, weiterhin treu zu bleiben.

Treue im Glauben

Das wollen wir ganz besonders im Sinne unseres verehrten Erzbischofs Marcel Lefebvre verstehen, der uns ans Herz legt: „Eine der hauptsächlichsten Eigenschaften der Katholiken, die den Glauben bewahrt haben, ist die Treue. Seien Sie treu! … Unser Herr und Seine Mutter erwarten von uns, daß wir treu seien.“

Und unser Gründer ermutigt uns: „Ich zweifle nicht, daß besonders Sie, die Sie vom lieben Gott auserwählt worden sind, dem katholischen Glauben treu zu bleiben, auch wirklich treu sind, daß Sie dem Glaubensbekenntnis treu bleiben, in dem Sie Ihre Eltern unterwiesen haben … dem überlieferten katholischen Katechismus.“ – Treue im unverfälschten und unverkürzten katholischen Glauben ist also unsere erste Aufgabe und zugleich unser wichtigstes Apostolat! Seien wir wahre Apostel der Treue!

Auch der Heiligkeit der Kirche treu sein

Allerdings geht Erzbischof Marcel Lefebvre noch tiefer, indem er folgendes erklärt (29. X. 1981): „Aber es scheint mir nicht zu genügen, nur im Glauben treu zu sein. Es genügt nicht, nur der Überlieferung treu zu sein. Wenn wir wirklich dem Geist Jesu Christi und Seiner Mutter in jeder Hinsicht treu sein wollen … dann müssen wir auch der Heiligkeit der Kirche treu sein, treu nicht nur ihrem Glauben, nicht nur ihrer Hoffnung, sondern auch ihrer Liebe, also der Heiligkeit der Kirche. Denn wenn es ein Merkmal der Kirche gibt, der überlieferungstreuen Kirche … dann ist dieses Merkmal ihre Heiligkeit.“

Das ist, liebe Gläubige, unsere ganze Aufgabe: Wir müssen eine treue Gläubigengemeinde, eine entschlossene Kampftruppe für den Herrn Jesus Christus und die allerseligste Jungfrau Maria sein. Es ist unsere Sendung, es ist auch der Sinn und Daseinsgrund dieser Kapelle Maria Hilf: durch die übernatürliche Treue die Heiligkeit der Kirche zu bekunden.

Katholische Familie – Vorbild der Heiligkeit

Dieses Vorbild der Heiligkeit zeigt sich nicht nur an Einzelnen, die der katholischen Überlieferung treu bleiben, sondern ganz besonders an den wahrhaft christlichen Familien, an den guten katholischen Ehen.

Welche Freude und welche Genugtuung ist es, auch in der heutigen geistlichen und moralischen Verwüstung zu sehen, daß es gute Familien, daß es junge Ehepaare gibt, die ihre Kinder im katholischen Glauben erziehen und glücklich sind, die christlichen Tugenden in einer traditionstreuen Familie, in einer wahrhaft katholischen Ehe zu üben. – Das sind ermutigende Zeichen der Heiligkeit der Kirche.

Deshalb ist es für uns alle, liebe Gläubige, wichtig, der katholischen Tradition und somit der Heiligkeit der Kirche treu zu sein. Und dann gerade durch diese Heiligkeit und ihre Wirkungen denjenigen, die in unserer Umgebung den Glauben nicht kennen oder aufgegeben haben, konkret und sichtbar zu beweisen, daß da, wo die Treue im Glauben ist, sich auch die Treue in der Heiligkeit zeigt. – Das ist unsere erhabene Aufgabe, wie sie uns Erzbischof Lefebvre erklärt.

Die Bedeutung des Gebetes

Ein zweiter Hinweis auf die Heiligkeit derer, die die Treue zum katholischen Glauben aufrechterhalten, ist das Gebet.

Es ist nicht schwierig einzusehen, daß diejenigen, die die Überlieferung der Kirche treu bewahren, die den katholischen Glauben unversehrt bewahren wollen, die die Heiligkeit der Kirche aufrechterhalten möchten, echte Beter sein müssen. Sie müssen innige Andacht zum heiligen Meßopfer üben und eine tiefe Andacht zur unbefleckten Mutter Gottes haben, zur „Virgo fidelis – zur getreuen Jungfrau“.

Bei uns, liebe Gläubige, wird – durch die Gnade Gottes – wirklich gebetet. Möge es weiterhin so sein! Wir beten täglich den Rosenkranz in dieser Kapelle und viele beten ihn zu Hause, in der Familie. Wir vereinigen uns im Rosenkranzgebet, um die allerseligste Jungfrau Maria um ihre Fürbitte anzuflehen. – Auch dadurch wird die Flamme der Treue und Heiligkeit lebendig erhalten!

„Kommen Sie täglich in Ihre Kapelle“

Liebe Gläubige, wir müssen also unbedingt im Glauben, in der wahren Lehre treu sein. Das ist wichtig und unerläßlich, aber wir müssen auch treu sein im Beweisen des Glaubens, in den Folgerungen, die sich aus unserem heiligen Glauben ergeben, in den Schlußfolgerungen der Heiligkeit.

Nehmen wir uns zum Herzen, was Erzbischof Marcel Lefebvre in diesem Zusammenhang sagt: „Deshalb ermutige ich Sie ganz besonders, daß Sie [nach Möglichkeit] täglich in ihre Kapelle kommen, selbst wenn es nur eine bescheidene Kapelle ist. Ja, es ist notwendig, daß Sie in ihre Kapelle kommen, weil Sie in ihr Unseren Herrn Jesus Christus wahrhaft gegenwärtig finden, weil Sie in ihr das wahre heilige Meßopfer finden. Sie finden in ihr die Hochschätzung der wahren Sakramente und die innige Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria. Wie sehr möchte ich Sie ermutigen dabei zu bleiben, dabei zu verharren!“

Unter Mariens Schutz weiter kämpfen

Liebe Gläubige, hören wir auf die Stimme unseres Gründers und haben wir festes Vertrauen auf die Vorsehung Gottes! Übergeben wir uns vor allem dem Schutz der allerseligsten Jungfrau Maria und kämpfen wir unverdrossen den gerechten Glaubenskampf weiter bis zu dem Tag, an dem der liebe Gott der katholischen Tradition wieder den Sieg verleiht.

Wir müssen kämpfen, denn – wie Erzbischof Lefebvre warnte (5. VI. 1970) – „nicht kämpfen heißt sich vergiften lassen“. Haben wir also Vertrauen und erbitten wir uns die Gnade der heiligen Treue. Immer wenn wir diese Kapelle betreten, schauen wir zum Altarbild und sprechen wir in Andacht: „Heilige Maria, du Hilfe der Christen, sei du uns immer vor Augen, damit unsere Treue nicht wankt, damit sie fest bleibt.“ Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gelobt sei Jesus Christus – in Ewigkeit. Amen.

Predigt anläßlich des Patroziniums der Prioratskapelle Maria Hilf (und der Abschiedsfeier von Pater Jaromír Kučírek), Innsbruck, 8. 7. 2018