Predigt anlässlich der Heimatprimiz von Pater Jakub Eliáš in Brünn CZ

15. Juli 2021
Quelle: Distrikt Österreich

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lieber Neupriester, liebe Mitbrüder in Christus, liebe Gläubige,

der katholische Priester ist Arbeiter im Weinberg des Herrn; in einem Weinberg, dessen Herr unser Herr Jesus Christus ist – und nach Seinem Willen und dank Seiner Gnade sind wir keine bloßen Knechte im Weinberg, sondern auch Miterben davon. Trotzdem bleibt unser Herr der Herr des Weinbergs, diesen Weinberg hat Er erworben, durch Sein Kreuzesopfer bearbeitet und Er begießt ihn mit Seinen Gnaden und wir als Miterben haben an diesem Weinberg teil; wir sind aber nicht seine Herren. Wir dürfen an ihm arbeiten, von seinen Früchten genießen und einen Sohneslohn erhalten.

Arbeiten müssen wir im Geiste des Grundsatzes des hl. Benedikt, welcher zur bestimmenden Grundlage der westlichen Zivilisation geworden ist: Ora et labora – Bete und arbeite.

Ora – bete – ist Voraussetzung jedes fruchtbaren und gesegneten Apostolats. Ohne Gebet, ohne Erbitten des Segens vom Himmel bleibt das Apostolat unfruchtbar, auch wenn man die Menschenmengen bewegen würde und noch so großen Einfluß hätte. Dauernde Früchte in den Seelen kann nur Gott reifen lassen. Deswegen kann man das Apostolat nicht mit Propaganda, Manipulation von Menschen, kirchlicher Politisieren und ähnlichem verwechseln. Die Grundlage jeglichen Apostolats ist das Gebet, das heilige Meßopfer, das geistliche Leben. Sodann bleibt man auch offen für das Erkennen des Willens Gottes, den Gott uns durch Umstände zeigt, in welche Er uns stellt. Ein wirklich geistlicher Mensch drängt nicht auf die Verwirklichung seiner Ideen, sondern er ist bereit sich zu beugen, wenn Gott einen anderen Weg zeigt. Wen der Priester nicht lernen würde, seinen eigenen Willen zugunsten des erkannten Willens Gottes zu unterdrücken, und seinen Eigensinn als Gotteswillen präsentieren würde, dann würde hinter ihm nur eine Sammlung von Katastrophen bleiben.

Allerding reicht es nicht, nur zu beten, es ist auch notwendig zu arbeiten, und zwar sowohl geistig als auch manuell. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß eine wahre Frömmigkeit sich nicht durch Apathie und Trägheit auszeichnet, sondern durch Arbeit für die Ehre und Herrlichkeit Gottes, und nicht durch irgendwelche fromme Übertreibungen im Gebetsleben, die manchmal eine Flucht aus der Realität in die Welt des Irrsinns sind.

Die geistige Arbeit bedeutet vor allem zu lehren, zu bilden, zu predigen, Katechismus zu unterrichten, am Presseapostolat zu arbeiten, Mittler der Gnade in Sakramenten und Sakramentalien zu sein und auch die anvertrauten Seelen zu leiten – mit Festigkeit und Entschlossenheit, verbunden mit Barmherzigkeit und Liebe. Die Kirche ist kein Taubenschlag, deshalb muss der Priester für die Ordnung und Disziplin in der anvertrauten kirchlichen Gemeinschaft sorgen.

Zu unserem Leben, wie gesagt, gehört auch die manuelle Arbeit, die uns in der Wirklichkeit des Lebens erhält, uns hilft, unsere Bedürfnisse und Bedürfnisse unseres Apostolates zu gewährleisten. Großherrische und neureiche Manieren passen zum Priester nicht. Unser Herr verdiente Seinen Lebensunterhalt als Zimmermann, der hl. Paulus machte Zelte auf seinen Reisen, er war ein skenopoios, ein Zeltweber. Andere Apostel fingen Fische und machten sicher auch andere Arbeiten, die nicht im Neuen Testament beschrieben sind. So müssen auch wir öfters an Bauarbeiten und der Erhaltung unserer Häuser teilnehmen und andere nötige Dinge tun – und es ist gut so, das haben ganze Generationen der Hirten vor uns gemacht, als sie Kirchen und Pfarrhäuser unterhielten und ihren Nachfolgern übergaben. Den Priestern wurden zusammen mit der Herde Christi auch materielle Güter anvertraut, die das Leben der Kirche unterhalten. Auch das ist die Tradition der Kirche.

Immer und in allem priesterlichen Apostolat gilt der Grundsatz: „Mensch, bemühe dich, und Gott wird dir helfen.“ Man kann nicht fromm warten, bis alles uns vom Himmel herunterfällt, sondern wenn wir als Priester uns bemühen, wird Gott uns immer zu Hilfe kommen. „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern dass er diene“ – deshalb ist auch der Priester von Gott erwählt und geheiligt, um zu dienen, und nicht um bedient zu werden. Man muss Gott dienen, dazu muss der Priester die Gläubigen führen, erziehen und daran muss er arbeiten. Darin besteht die Heiligung des Priesters. Im Gegensatz dazu ist ein pharisäischer Klerikalismus, der will, daß man der Priesterschaft dient, der tiefste Verfall in den teuflischen Stolz.

Es gibt im priesterlichen Leben auch Augenblicke der Prüfungen, wo es trotz aller Mühe und Anstrengung so scheint, dass alles in Finsternis sinkt und es keinen Ausgang mehr gibt. Aber wenn unsere Hoffnung bei Gott bleibt, und nicht bei den Mitteln dieser Welt, erkennen wir manchmal: „Gott läßt sinken, aber nicht ertrinken“, wie ein schönes deutsches Sprichwort sagt.

Auf diese Weise lebten Generationen von Priestern ihr priesterliches Leben schon vor uns und seit zweitausend Jahren, das wird das Priesterleben bis ins Ende der Welt sein. Ein solches Priestertum hat unser Herr Jesus Christus gestiftet, ein solches Priestertum hat unser Gründer Msgr. Marcel Lefebvre uns übergeben. Ja, „tradidi, quod et accepi“, er hat uns das übergeben, was er selbst empfangen hatte und was wir weitergeben müssen – den katholischen Glauben, das katholische Priestertum, die Treue zur Kirche Christi. Wir sind Priester der Priesterbruderschaft St. Pius X., damit wir katholisch bleiben, und nicht, und irgendwelche Traditionalisten werden. Damit wir mit den katholischen Vorfahren in unserem Vaterland und mit der katholischen Tradition in der ganzen Welt verbunden bleiben. Das ist die Kirche Christi.

Die katholische Tradition ist kein sektiererischer Uniformismus, sie ist keine neue „Tradi-Ideologie“, sie ist eine Fortsetzung des Lebens der Kirche. Besonders in der Gegenwart ist es für uns wichtig, ein katholisches Gleichgewicht und das Sentire cum Ecclesia zu bewahren, und zwar nicht nur mit der Kirche vor zweitausend, zweihundert und hundert Jahren, sondern auch mit der Kirche von heute, mit der durch die Konzilskrise leidenden Kirche, in der viele desorientiert irregehen. Die Tatsache, daß es uns gegeben ist, in der Fülle katholisch zu sein, in der Fülle der Einheit mit der katholischen Kirche, verpflichtet uns.

Amen.

Gelobt sei Jesus Christus und Seine göttliche Mutter Maria!

Quelle: Pater Tomáš Stritzko, Dekan