Predigt des hl. Franz von Sales zur Vorfastenzeit

2019
Quelle: Distrikt Österreich

„Wartet nicht, bis die Fastenzeit euch drängt! Wißt ihr denn, ob ihr sie erleben werdet? Sie verbringen ihre Tage in Freude; in einem Augenblick steigen sie zur Unterwelt hinab (Ijob 21,13). Schmerzen des Todes umgeben mich. Wir sind nur dann befreit, wenn uns ein Fuß fehlt. Wie lange willst du schlafen, Faulenzer? Du willst ein wenig schlafen, ein wenig schlummern, und die Armut wird über dich kommen wie ein Bewaffneter (Spr 6,9-11); das heißt, du kannst ihr nicht entgehen. Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle in gleicher Weise zugrunde gehen (Lk 13,3.5). Oder wißt ihr nicht, sagt der hl. Paulus, daß die Langmut Gottes erwartet, daß du Buße tust? Du aber mit deinem unbußfertigen Herzen... (Röm 2,4f). Fang heute an, aus Furcht, daß du überrascht werden könntest. Ich rief, und ihr habt euch geweigert. So lache ich über euren Untergang (Spr 1,24.26). Laßt uns das Gute tun, solange wir Zeit haben (Gal 6,10). Abner fragte Davids Feldherrn Joab: Wie lange noch soll denn dein Schwert wüten? Joab sagte: So wahr der Herr lebt, wenn du heute morgen gesprochen hättest, dann hätte das Volk schon von der Verfolgung abgelassen (2 Sam 2,26f). Pharao wollte den Rückzug aus der Mitte des Roten Meeres antreten, aber er konnte nicht mehr. „Er hat den Bußfertigen Verzeihung verheißen, aber er hat nicht die Zeit zur Buße versprochen“ (Augustinus).


Welche Gelegenheiten haben wir doch, um unsere Trägheit abzulegen! Soviel Leid, das wir jeden Tag sehen ... Unser Herr macht es wie der Vater, der die Rute in der Hand hält und zu seinen Kindern, die er züchtigt, sagt: Werdet ihr denn nie vernünftig? – Gebete, Reue, Beichte, gute Werke.

Die Welt ruft: Deficio (ich vergehe: 1 Joh 2,17); das Fleisch ruft: Inficio (ich töte: Röm 8,13); der Dämon ruft: Decipio (ich täusche: Gen 3,13); Christus ruft: Reficio (ich erquicke: Mt 11,28).


Geht auch ihr in den Weinberg des Herrn; er wird euch geben, was euch zusteht. Es ist gerecht, daß jene, die er gerufen hat und die ihm in dieser Welt gefolgt sind, ihm auch in die andere folgen werden: Wo immer ich bin, soll auch mein Diener sein und er wird seinen Lohn empfangen (Joh 12,26; 4,36). Ich bin dein überreicher Lohn (Gen 15,1). Mut, meine Brüder! Alle sind berufen, doch nicht alle sind auserwählt (Mt 20,16). Von uns hängt es ab, ob wir hingehen, um in seinem Weinberg zu arbeiten. Es macht Mühe, aber die Leiden dieser Zeit sind nicht zu vergleichen mit der künftigen Herrlichkeit (Röm 8,18). Einen Tag der Arbeit vergilt er mit dem ewigen Tag. Für die Mühe eines Tages gibt er ewige Ruhe im Paradies dort oben. Das sei in Ewigkeit der Ort unserer Ruhe; hier werden wir wohnen, wenn wir ihn erwählt haben (Ps 132,14). Dort werden wir dich loben in alle Ewigkeit, wenn wir dir den kurzen Tag dieser Welt gedient haben. Daher bitten wir dich, Herr, gib uns dazu die Gnade, denn du bist ja der Gott des Erbarmens, Vater, Sohn und Heiliger Geist.“

(Predigt vom hl. Franz von Sales zum Sonntag Septuagesima)