Predigt: Die Freude gründet auf dem Glauben

13 Dezember, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Predigt zum 3. Adventsonntag 2019.

Meine lieben Gläubigen!

Wochenlang fast immer ein grauer Himmel, hängender Nebel, nasse Wolkenfetzen, die ersten Schneeflocken, es ist bitterkalt. Der Winter hat begonnen. So ist es zur Zeit draußen in der Natur, aber mehr noch in so vielen unserer Mitmenschen, in so vielen Seelen. Die Menschen tun ihre Arbeit, leben dahin, Tag für Tag. Verdrossen sind sie oder wie man heute auf neudeutsch sagt: frustriert. Die Kälte in der Seele ist etwas ganz Furchtbares!

Stellen sie sich vor – wie wir es hier in Kärnten oft auch erleben dürfen – einen strahlenden Morgen, ein unwahrscheinlich tiefes Blau am Himmel. Die Sonne des menschlichen Lebens heißt Freude! Und die Freude macht uns erst zu ganzen Menschen, so wie es Gott auch möchte. Schon am 2. Adventsonntag klangen die Worte des hl. Paulus wie ein tiefer, beglückender Glockenschlag: „Der Gott der Hoffnung gebe euch tiefen Frieden und tiefe Freude, auf dass Ihr überreich seid an Hoffnung durch die Kraft des Hl. Geistes.“ (Röm 15,13). Und heute am 3. Adventsonntag, dem sogenannten Sonntag Gaudete, schenkt uns der hl. Paulus eine weitere Steigerung. „Freuet euch allezeit im Herrn, noch einmal sage ich euch, freuet euch! Gaudete!“ (Phil 4,4)

Auch gottferne Menschen - die Mehrheit unserer Zeitgenossen - suchen die Freude. Aber sie finden bloß „Unterhaltung“ und „Vergnügen“. Freude ist es nicht, ganz bestimmt nicht! Einer der ganz großen unter den Gottfernen (F. Nietzsche) hat das Wort gesagt: „Lust will tiefe, tiefe Ewigkeit.“ Aber das bleibt unerreichbar. Ein altes Sprichwort sagt schon: Ein „lustiger Abend gebiert einen traurigen Morgen.“ Den Gottfernen fehlt zur Freude die Fundierung in der Ewigkeit. Wie leicht wäre unseren Zeitgenossen geholfen, wenn sie nur an den ewigen Gott glauben könnten. Der Glaube ist aber eine Gnade Gottes. Er lässt sich nicht herbeidiskutieren und auch nicht verdienen. Sooft haben wir in unserem Apostolat auch die Erfahrung gemacht, dass wir bei solchen Leuten bald einmal anstehen. Wo liegt hier das Problem? Ihre Seelen sind verschlossen! Sie müssen eines tun: Die Seele aufschließen, empfangsbereit machen, offenhalten dem lieben Gott. Nur dies eine. Mehr bedarf es auch nicht. Alles übrige macht Gott selbst. Er nimmt Besitz von der aufgeschlossenen Seele. Und die strömende Gnade bringt eine überirdische Pracht hinein. Und das gehört ja wesentlich zum Advent. Der hl. Johannes der Täufer spricht in seiner Bußpredigt gerade davon: Seid Wegbereiter des Herrn! Pfade sollen sich ebnen, Berge und Hügel abtragen, Täler ausfüllen, Krummes geradebiegen, Rauheiten wegpolieren. Die Seelen sind wie Festungen, deren Zugang für den lieben Gott durch uns verrammelt wird. Wenn wir aber Gott die Pforten unserer Seelen öffnen, dann sind sie wirklich frei geworden, frei um den lieben Gott selbst aufzunehmen.

Wie tief hat der hl. Paulus die Gesetze der menschlichen Natur durchschaut. Nur durch diese Offenheit für die Gnade, nur durch die gläubige Hingabe an Gott und sein Gnadenreich werden wir wirklich das, wozu wir bestimmt sind. Nichts ist menschennaher als die Übernatur, das geistliche Leben!

Aus dem mit der Freude verbundenen Frieden reift als köstliche Frucht die Hoffnung in unserem Leben. Darum wird Gott immer ein Gott der Hoffnung genannt. Weg, fort mit der Grübelei und Verdrossenheit im christlichen Leben! Das hat keinen Platz in unseren Seelen.

Ich stelle gerne einen ganz großen Heiligen als leuchtendes Beispiel den Gläubigen vor Augen, den hl. Philipp Neri, den Apostel Roms im 16. Jahrhundert. Bei ihm leuchtet diese übernatürliche Freude ganz besonders!

Saure Donnerpredigten und ein bitteres, abstraktes Moralisieren werden die Christenheit gewiss nicht retten, sondern eine zähe Milde und die himmlische Freude, wie es beim hl. Philipp der Fall war. Milde und eine herzliche Sanftmut sind Ausstrahlung eines in Gott befriedeten Gemütes. Milde und Sanftmut sind keine Schwäche, sondern Höchstleistungen eines heroischen christlichen Lebens! Und so ruft uns der hl. Paulus in der heutigen Epistel zu: Lasst alle Menschen eure Güte erfahren, denn der Herr ist nahe! Friede und Freude im tiefsten christlichen Sinne sind die beste Formel für ein gelungenes Leben schon hier auf Erden! Für die Gottfernen völlig unerreichbar. Nur dem Glaubenden wird sich das eröffnen. Die Gottfernen lächeln zu solchen Gedanken!

Wie oft haben wir das auch in unserer Umgebung erfahren, bei Freunden und Arbeitskollegen, einige müssen es selbst in der eigenen Familie erfahren. Sie schütteln die Köpfe und meinen: Entweder meint es dieser Katholik nicht ernst oder er ist verrückt. Meine lieben Gläubigen: Das ist eben der wunde Punkt. Diese Leute können es einfach nicht fassen, dass es ein höheres Leben geben könnte als ihr eigenes irdisches Leben, in dem sie scheinbar völlig aufgehen und so ihre Seele verrammeln und verbauen. Darum schütteln sie die Köpfe und lächeln manchmal in irdisch verdorbener Weise. Und doch! Die Wahrheit ist eine andere. Wir dürfen sie erfahren, gerade am heutigen Sonntag! Gaudete in Domino. Freut Euch, Freut euch im Herrn! Dies ist die selige Freude mit der man allein richtig Weihnachten feiern kann!

Der hl. Philipp Neri war im letzten Geheimnis des Glaubens verankert, in der alles überragenden Freude des Himmels, die den meisten Menschen verschlossen bleibt. Er war von dieser gewaltigen himmlischen Freude ergriffen, die die verlotterte Stadt Rom schließlich bekehrt hat. Wie notwendig wäre das auch heute! Es ist mittlerweile ja wesentlich schlimmer als damals!

Ungetrübte Quelle der Freude kann also nur Gott selbst, kann nur der Himmel sein. Das lernen wir vom großen hl. Philipp und darum sollten wir Gott heute und in diesen letzten Tagen vor Weihnachten in besonderer Weise bitten. Wie wunderbar ist unser Glaube an Gottes Vaterherz, dessen Güte selbst dann nicht zu Ende ist, wenn unser Auge keine Liebe mehr sieht und dessen Weisheit da einzugreifen anfängt, wo unser Verstand aufhört. Dieser Vater sendet seinen eigenen Sohn in die Welt, um uns zu retten.

Beten wir oft zur allerseligsten Jungfrau Maria, die wir in der lauretanischen Litanei ganz recht auch als causa nostae laetitae, als Ursache unserer Freude anrufen, weil sie uns am besten den Weg zu diesem Geheimnis zeigt, gerade in dieser Gnadenzeit des Advents. Amen.

Gelobt sei Jesus Christus!

Quelle: P. Johannes Regele, Priorat St. Klemens Maria Hofbauer Wien