Primiz von Pater Petr Kajer in Brünn

08. August 2022
Quelle: Distrikt Österreich

Hochwürdiger Herr Pater Superior und Pater Regens, lieber Primiziant, liebe Mitbrüder in Christus, liebe Gläubige,

das katholische Priestertum ist ein „Zeichen, dem man widerstehen wird“, ein Zeichen gegen die Revolution, gegen den Aufstand wider Gott und der schöpferischen Ordnung. Der Slogan der Revolution – der freimaurerischen und liberalen Revolution, der sogenannten Großen Französischen Revolution – lautet: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – liberté, égalité, fraternité“.

Die Freiheit – frei zu sein – wird im freidenkerischen Geist verstanden als absolute Befreiung von allem, was verpflichtet, außer von der Verpflichtung zum Bekenntnis dieser absoluten liberalen Freiheit im revolutionären Sinn. Hier ist nicht an die Freiheit der menschlichen Seele für den Dienst Gottes und für die Freundschaft mit Gott gedacht, die Freiheit von der Sklaverei des Teufels, Freiheit, welche das erhabenste Geschenk Gottes ist, wie Papst Leo XIII. lehrt, sondern es geht um eigene Freimachung von Gott als Ziel unseres Lebens.

Der Priester steht dieser falschen Freiheit entgegen als Symbol, als eine Personifizierung der Lehre der Kirche – des geoffenbarten Gesetzes und der geoffenbarten Wahrheiten. Der Priester ist nicht frei in dem, was er lehrt, gemäß dem, was er die Seelen im Sakrament der Buße unterrichtet, wie er die anvertraute Herde leitet. Jeder Priester lernt und empfängt das, was er tut, von der Kirche in seinen Vorfahren, in seinen Vorgesetzten. Auf dem Grabmal unseres Gründers steht nach seinem Wunsch geschrieben: „Tradidi, quod et accepi. – Ich habe weitergegeben, was ich empfangen habe.“ Diese Worte müssen das Wirken jedes Priesters charakterisieren, der der Kirche treu geblieben ist, der nicht den teuflischen Verführungen der Revolution unterlegen ist. Das Priestertum ist keine Gelegenheit zu einer dogmatischen, moraltheologischen oder liturgischen Kreativität.  Unser Herr Jesus Christus sagt klar: „Wenn du mir nachfolgen willst, verleugne dich selbst.“ Wer Priester Christi sein will, muss sich selbst ändern, sich unterwerfen, immer mehr Priester nach der Ordnung der Kirche sein und weniger er selber. In diesem besteht die Seminarausbildung, aber sie wird auch nachher fortgesetzt, durch das ganze priesterliche Leben. Wenn wir heute sehen, dass bei der Versetzung eines Priesters in den Diözesen die Lehre, Liturgie, Ortsgebräuche in den Pfarreien geändert werden, dann ist das Zeugnis dafür, dass die modernen Priester ihre priesterliche Identität verloren haben. Das katholische Priestertum ist in Demut vor Gott und vor der Kirche, die durch ihre Vorgesetzten vertreten ist, ein Zeugnis gegen den revolutionären Aufstand.

Die Gleichheit – égalité – und Brüderlichkeit – fraternité – heißen nicht, dass wir als Menschen vor Gott die gleiche menschliche Natur haben - wie es die Kirche lehrt - sondern sie bedeuten im revolutionären Sinn eine Verneinung der Gottesordnung und der Ordnung in der Schöpfung.

Gott hat alles in Hierarchie und in Ordnung geschaffen. Verschiedenen Menschen und Nationen hat er verschiedene Aufgaben und Sendungen zugeteilt. Das, dass jeder Mensch eine unsterbliche Seele hat und dass wir alle zur ewigen Seligkeit berufen sind, bedeutet nicht, dass wir auf Erden alle gleichgestellt sind. Zum menschlichen Leben gehören Hochachtung und Respekt. Diese leiten sich von der Stellung des Mannes und der Frau bereits in der ersten menschlichen Familie ab und übertragen sich auf das Leben der ganzen menschlichen Gesellschaft. Von der väterlichen Autorität werden alle Autoritäten in der Gesellschaft abgeleitet, aus der Auserwählung Gottes auch die priesterliche Autorität – die ist Autorität der geistlichen Vaterschaft, sie ist also erhabener als die Autorität der natürlichen Vaterschaft und schließt andere Bereiche des menschlichen Lebens ein. Der Priester ist hier ein Beispiel des Respekts und Gehorsams eines Sohnes, den er gegenüber Gott und gegenüber dem, aus dem Ratschluss Gottes ihm gegebenen Vorgesetzten ausübt. Allerdings ist er und muss er sein ein Träger der väterlichen Autorität gegenüber den Untergebenen und Gläubigen. Diese priesterliche Autorität greift man sehr vehement an, bereits durch die Zerrüttung der Menschennatur und durch das, was dieser Zerfall in der Gesellschaft bewirkt. Es wird dann in den Angriffen auf das Priestertum selbst konkretisiert.

Die Vaterschaft, jede Vaterschaft, steht auf männlichen Tugenden. Der frontale Angriff der Revolution und des Feminismus hat bewirkt, dass das, was typisch männlich ist für schlecht gehalten wird, und man erwartet sogar, dass die Männer sich dafür entschuldigen. Von den Autoritäten verlangt man dann anstatt Vaterschaft eine Kameradenschaft, anstatt Achtung und Respekt eine Gleichmacherei. Diesem Geist, der nicht nur die Gesellschaft, sondern auch schon die Familien zersetzt, verfallen auch manche Priester.

Eine typische männliche Eigenschaft ist eine rationale Verteidigung des objektiven Gutes. Der Vater ist dann ein Trost, wenn er die Sicherheit, eine Verteidigung der Familie darstellt, wenn er fest in Prinzipien, starkmütig ist, keinen Sentiments oder Intrigen unterliegt. Er ist nicht verweichlicht, besonders in der Erziehung seiner Söhne kann er fest sein und sie auf den harten Kampf des diesseitigen Lebens vorbereitet. Er verneigt sich vor den legitimen Autoritäten, aber gegenüber anderen Menschen steht er fest. Dadurch ist er nicht nur Quelle des Trostes, sondern erweckt auch gerechte Ehrfurcht.

Das ist und muss sichtbar sein auch in der geistlichen Vaterschaft. Der Priester verteidigt das Gut der Kirche, das Gut der anvertrauten Gläubigen. Das bedeutet, dass er die Pflicht hat, ihnen bei falschen Lehren auch zu widerstehen und sie zur objektiven Ordnung zu führen. Es ist ein Missstand, wenn der Priester, noch mehr ein hoher kirchlicher Würdenträger, mit den Untergebenen oder Gläubigen wegen persönlicher Sympathien irgendwelche partikuläre Freundschaften hegt, einem offensichtlich mehr geneigt ist als den anderen und dies öffentlich zu erkennen ist. So etwas hat immer in der Kirche große Schäden bewirkt. Ein geistlicher Vater ist Vater aller, die ihm anvertraut sind, das gehört zur priesterlichen Sendung.

Auch darf der Priester nicht seine eigene Beliebtheit suchen, sich schön zeigen und gefällig sein wollen. Der Priester muss sich um das Gute bemühen, in diesem muss er rügen und ermahnen, aber auch stärken und loben.

Der Priester muss gegenüber den kirchlichen Autoritäten eine entsprechende Achtung erweisen und sie respektieren. Als Grund für die Verweigerung des Gehorsams gegenüber der Entscheidungen der Vorgesetzten ist nur ihre evidente Abweichung von der Katholizität oder evidente Schäden, die sie der Kirche antun, zu akzeptieren. Diese müssen beweisbar und klar sein, keine bloße Meinung eines Einzelnen. Dies, zum Beispiel, führt uns heutzutage zu einer weiteren Pflicht des Ungehorsams gegenüber den Autoritäten in der Kirche, aber trotzdem ist es nicht legitim, sie in allem zurückzuweisen. So zum Beispiel verhandeln wir über die ordentliche Jurisdiktion für die Eheschließungen und respektieren auch andere Entscheidungen, vor allem diejenigen, wo es sich um die Gültigkeit der kirchenrechtlichen Akten handelt. Persönliche Fehler und Schwächen der Vorgesetzten entbinden aber niemandem vom Gehorsam.

Die verpflichtende Ehre gegenüber den kirchlichen Vorgesetzten müssen wir immer erweisen und das gilt natürlich nicht nur in Bezug auf die Vorgesetzten unserer Priesterbruderschaft. Aber der Priester muss auch Respekt verlangen. Das gehört zu seinem Amt. Wenn sich die Gläubigen in der gegenwärtigen Situation unserer Priesterbruderschaft angeschossen haben, so haben sie die kirchliche Not dadurch überwinden, dass sie einen außerordentlichen Weg bei unserer Priesterbruderschaft gefunden haben, und das verpflichtet sie zum normalen kirchlichen Verhalten. Wir zwingen niemanden, dass er unser pastorales Wirken annimmt, aber falls er es für sich selbst und für seine Familie annimmt, dann hat es auch seine Folgen. Der Notstand in der Kirche bedeutet weder für den Priester noch für die Gläubigen Anarchie, es heißt nicht, dass jeder machen kann, was er will. Das ist ein völlig unkirchliches Verhalten.  

Das katholische Priestertum dadurch, dass es Zeichen gegen die Revolution ist, ist ein Zeichen für die Erneuerung der Kirche in Christus. Liberale Lehren zu ändern, das Zweite Vatikanische Konzil zu revidieren, die Kodifizierung der Liturgie und die kirchlichen Gesetze zu ändern, das kann nur der Papst. Wir aber müssen die Zeugen der Tradition sein, das liberale Sektenwesen durch das authentische Priesterleben, durch das priesterliche Wirken verurteilen. Das Priestertum, nach der kirchlichen Ordnung durch Christus eingesetzt, verurteilt schon in seinem Wesen den religiösen Liberalismus, es verurteilt alles, was der Lehre der Kirche widersteht. Ein solches Priestertum ist ein Segen für alle katholischen Christen, Priester und Gläubige, weil es eine Mittlerschaft aller Gnaden, die nötig sind für das christliche Leben und einmal für die Erreichung des Hauptzieles unseres Lebens, des ewigen Heiles ist. Es ist ein Segen auch für die ganze Gesellschaft, da es zur Bekehrung, zur Rückkehr auf den Weg des Heiles, zur Wiederherstellung der Ordnung in der Gesellschaft durch die Erneuerung des geistlichen Lebens führt, das die notwendige Voraussetzung zur Erhaltung des gesunden Menschenverstandes ist. Ein Volkssprichwort sagt, dass ohne den Segen Gottes jedes Bemühen umsonst ist, aber ohne das katholische Priestertum kein Segen Gottes kommt.

Amen.

Gelobt sei Jesus Christus und Seine göttliche Mutter Maria!