Regeln des geistlichen Kampfes

05. April 2020
Quelle: Distrikt Österreich

Nach dem hl. Ignatius von Loyola.

Der hl. Paulus gibt am ersten Vorfastensonntag das Losungswort für die bis Ostern dauernde Zeit der Geisteserneuerung an: Durch Kampf zum Sieg! Er vergleicht das menschliche Leben mit einem Wettkampf in der Rennbahn. Da muss jeder sein Bestes geben, sonst braucht er gar nicht anzutreten.

Paulus drückt sich ziemlich mysteriös aus:

  • „Ich laufe, aber nicht ins Ungewisse …“
  • „Ich kämpfe, aber nicht wie einer, der Luftstreiche ausführt.“

Wir sind versucht zu fragen: Paulus bitte kläre uns doch auf, wovon Du spricht, von welcher Art von Wettkampf, wofür kämpfen wir, gegen welche Gegner oder Feinde?

In seinen Briefen gibt uns der hl. Paulus klare Antworten. Es handelt sich um den edelsten, wichtigsten Kampf, der überhaupt vorstellbar ist, jenen in der Nachfolge Christi, der Kampf, den unser Heiland selber ausgefochten hat:

  • Kampf zur Erringung des ewigen Heils, des eigenen, aber auch jenes der anderen.
  • Kampf gegen die Feinde des Heils: v. a. gegen den Teufel.

Paulus erläutert letzteres unmissverständlich im 6. Kapitel des Epheserbriefs, wo er die Christen auffordert: „Legt die Waffenrüstung Gottes an, damit ihr den Ränken des Teufels widerstehen könnt. Unser Kampf gilt ja nicht Fleisch und Blut, sondern den finsteren Weltherrschern und den bösen Geistern in den Himmelshöhen. Leget darum die Waffenrüstung Gottes an. Nur so könnt ihr am bösen Tag Widerstand leisten, alles niederkämpfen und das Feld behaupten.“

Die Aufforderung ist klar und deutlich. Wir müssen aber dennoch nachfragen: Was ist mit der Waffenrüstung Gottes gemeint, welchen Ränken des Teufels müssen wir widerstehen, um ihn zu besiegen? – Für uns ganz wichtige Fragen! Wer im Krieg steht, muss den Feind kennen, ebenso seine Strategie, aber auch die Waffen, mit welchen er siegen kann. Das gilt ganz besonders vom geistigen Kampf gegen den Teufel. Denn beachten wir:

  • Da haben wir einen Feind, der uns weit überlegen ist. Der Teufel ist ein abgefallener Engel, verfügt über überirdische Intelligenz und Schärfe des Geistes, von ungeahnter Verschlagenheit.
  • Zudem ist er unsichtbar! Wir sehen ihn nicht, wenn er uns angreift!

Welches ist also die Strategie des Teufels? Wie können wir ihn durchschauen und erkennen, wenn er uns angreift? – Wie müssen wir uns verhalten? Welches ist unsere Strategie? Und nochmals gefragt: Was versteht man unter der Waffenrüstung Gottes?

Der hl. Ignatius gibt uns in seinem Exerzitienbüchlein diesbezüglich großartige Erklärungen, Hinweise und Regeln. Daraus seien einige wichtige Punkte entnommen:

Strategie des Teufels, seine Kriegskunst

Satan will uns verderben. Dazu wendet er eine vielschichtige Strategie an. Er agiert in der Politik, in der Gesellschaft, in der Kirche. Aber er greift auch die einzelnen Seelen direkt an. Wir sprechen jetzt hier nur von letzterem.

Er greift unsere Seele in zwei Bereichen an:

  • Er versucht uns, in die Sünde zu stürzen, zum Bösen zu verführen.
  • Er versucht uns, vom Guten abzuhalten.

Im ersten Bereich bringt der Teufel das ganze Arsenal seiner Verführungskünste zum Einsatz. Er fängt die Seelen, indem er die Sünde als verlockend, schön und ergötzlich darstellt. Ganz typisch dafür ist heutzutage die Verführung zur Unkeuschheit. Denken Sie an den perversen Aufklärungsunterricht an den Schulen oder an die sintflutartige Schmutzflut der Pornographie. – Das Böse wird als verlockend dargestellt, um die Seelen in die Sünde zu stürzen.

Im zweiten Bereich – das Abhalten vom Guten – ist die teuflische Taktik schwieriger durchschaubar. Der Teufel will die Eifrigen um jeden Preis daran hindern, im Guten voranzuschreiten und heilig zu werden. Da geht er noch viel raffinierter und grausamer vor. Er hasst nichts erbitterter als Seelen, die sich wahrhaft heiligen wollen. Darum setzt er ihnen zuweilen sehr hart zu.

Der hl. Ephräm der Syrer, Kirchenvater des 4. Jahrhunderts, Eremit und Vorbild zahlreicher Mönche, hatte diesbezüglich ein aufschlussreiches Traumgesicht:

Es war ihm, als gehe er in eine sittenverdorbene Großstadt. Da sah er über dem Stadtor einen Teufel sitzen, der gelangweilt vor sich hinstierte. Dies erschreckte ihn trotzdem dermaßen, daß er die Stadt gar nicht betrat, sondern eine einsame Wüste aufsuchte.

Hier fand er einen Einsiedler und um ihn herum einen ganzen Schwarm Teufel. Da wunderte sich Ephräm und sprach: «Schämt ihr euch nicht? Hier machen sich eurer so viele über einen her, und dort in der großen Stadt ist nur ein einziger - und der schläft noch!» Darauf erwiderte der Anführer der Teufel: «In jener Stadt brauchen wir uns keine Mühe mehr zu geben; dort sind wir nahezu überflüssig. Hier aber sind unser noch viel zu wenige: dieser hartgesottene Büßer stellt unsere Geduld auf eine harte Probe.»

Wie stellt es nun der Teufel an, die Eifrigen vom Guten abzuhalten?

Die „5-Punkte-Strategie“

Der Teufel versucht mit allen Mitteln, gute Seelen in die Trostlosigkeit zu stürzen. Er weiß genau, wer völlig trostlos ist, verliert leicht den Mut, ist wie gelähmt und somit in Gefahr aufzugeben oder zumindest im Eifer zu erlahmen…

Dazu wendet er seine „5-Punkte-Strategie“ an. Für uns beinhaltet sie gleichzeitig fünf Zeichen, woran man erkennen kann, dass der Teufel in unserer Seele wirkt.

1) Traurigkeit

Natürlich ist es normal, dass jeder mal traurig wird, wenn es ihm schlecht geht (Misserfolg, Hiobsbotschaft, berufliche Problem). Aber hier setzt der Teufel ein und intensiviert, verstärkt sie ins Ungeahnte und Unermessliche. Oder die Traurigkeit kommt wie angeworfen, ohne erkennbaren Grund.

Beispiel: Eine Familie – nennen wir sie „Stirnhuber“ – hat die wahre hl. Messe entdeckt, ist dankbar und ganz glücklich. Einer ist nicht glücklich, im Gegenteil, wütend: „Schon wieder eine Familie, die mir entrissen wurde!“ – Er hetzt Nachbarn, Verwandte auf, die nun die Familie mit Vorwürfen überschütten, verspotten etc. Dann stürzt er sie in Traurigkeit!

2) Gewissensbisse, falsche Skrupel

„Du hast schlecht gebeichtet, deine Beichte war ungültig, die Kommunionen Sakrilegien…“

Lieblingsbeschäftigung des Teufels besteht darin, Seelen zu quälen, mit unhaltbaren Vorwürfen zu beißen.

3) Auftürmen von Hindernissen

Familie Stirnhuber musste erleben, dass immer am Sonntag in der Früh, bevor man zur hl. Messe aufbrechen wollte, mit den Kindern was los war: Durchfall, Kopfschmerzen, Fieber etc. – „Das darf ja nicht wahr sein…“ – bis sie begriffen: Da ist der Teufel im Spiel!

Nicht selten gelingt es dem Widersacher, bloß in der Phantasie Hindernisse aufzutürmen. Er stellt reale Schwierigkeiten als riesengroß vor, macht aus einem Sandkorn ein Gebirge! Um die Seelen zu ängstigen. „Das schaffen wir nie, den Spott der Nachbarn zu ertragen!“ – Der Teufel hält gleichsam eine Lupe vor die Schwierigkeiten! Dies tut er auch zwischen Mitmenschen: Er übertreibt die Schwächen der anderen, um die Menschen gegeneinander aufzuhetzen: „Diese Frechheit meines Arbeitskollegen lass ich mir nicht bieten! Was für eine Gemeinheit!“– Dabei hat jener sich vielleicht nur unglücklich ausgedrückt, oder ein bisschen die Nerven verloren.

4) Verwirrung:

Er verwirrt die Seelen durch lügnerische Einflüsterungen: „Alles ist mir unklar, nebulös, widersprüchlich, ich weiß nicht, woran ich bin, was ich tun soll!“

Hl. Johannes Berchmans: „Alle Verwirrung kommt vom Teufel!“

5) Aggressivität und Aufregung

Die Leidenschaften werden vom Teufel geschürt und aufgepeitscht, so dass man alle ruhige Überlegung verliert, irrational reagiert oder falsche Entscheidungen trifft.

Diese fünf Angriffsweisen sind für uns klare Kennzeichen, dass der Teufel in uns arbeitet und wütet. – Was können wir dagegen tun, wie müssen wir uns verhalten?

Die Kampfregeln des Christen

Der hl. Ignatius sagt: Auch wir haben unsere Strategie! Klare Regeln! In Zeiten der Trostlosigkeit ist folgendes zu beachten:

1. Regel: Keine Vorsätze oder Entscheidungen ändern!

Familie Stirnhuber angesichts aller aufgetretenen Schwierigkeiten: „Nein wir lassen uns nicht abbringen. Erst recht werden wir treu die wahre Messe besuchen!“

Warum soll man nichts ändern? Weil in der Trostlosigkeit der Teufel in uns wirkt, und er uns falsche Ratschläge eingibt. Wenn wir unsere Entscheidungen ändern, tun wir gerade das, was ihm passt! Darum heißt es: Ausharren in der Prüfung! Treu bleiben!

2. Regel: Nicht nur ausharren und nichts ändern, sondern Gegenangriff!

Zu den Waffen Gottes greifen!

  • Gebet: „Ist jemand von euch traurig, so bete er!“ (Jakobus 1) – Intensiver und vertrauensvoller als sonst.
  • Betrachtung: Sie bringt Licht in die Seele, insbesondere die Betrachtung des Leidens Christi stärkt uns.
  • Gewissenerforschung: sie hilft uns, die Ursachen der Trostlosigkeit zu erkennen und zu eliminieren. Wer zu viel isst, Cocktails trinkt, braucht sich nicht zu verwundern, wenn er nachher Versuchungen ausgesetzt ist, sich schlecht und leer fühlt etc.
    Die Gewissenserforschung hilft uns aber auch, u. U. die Grundlosigkeit von eingeflüsterten Skrupeln zu erkennen. Zudem führt sie uns zur Reue und Verzeihung der Sünden.
  • Buße: „Ich züchtige meinen Leib und bringe ihn in Dienstbarkeit.“ – Wer zur Sinnlichkeit versucht wird, muss sich abtöten! Vgl. St. Franziskus, der sich bei lästigen unreinen Versuchungen in den kalten Bach wirft.
    Vorschläge: kalt duschen, Rosenkranz mit ausgestreckten Armen beten.

3. Regel: Energisch widerstehen und geradewegs das Gegenteil dessen tun, was der Teufel einflüstert!

Der hl. Ignatius sprach zum hl. Pater Peter Faber, der durch verschiedenste Versuchungen gequält wurde: „Ich will Sie ein Geheimnis lehren, wie Sie sich befreien können… Sobald sie versucht werden, vermehren Sie die Akte der entgegengesetzten Tugend! – Bei Esslust: Fasten Sie! bei Zorn: Schweigen Sie! Bei Hassgefühlen: Beten Sie für Ihre Feinde! Beim Stolz: Demütigen Sie sich! bei Sinnlichkeit: tun Sie Buße!“

Sind Sie von Traurigkeit niedergedrückt, tun Sie das Gegenteil! Versuchen Sie Ihre Trostlosigkeit freudig aufzuopfern. „Ja ich freue mich, dies aufopfern zu können, um Jesus zu trösten und zur Rettung der Seelen beizutragen!“

Dies ist eine sehr wichtige Verhaltensregel im Kampf. Der Teufel wird schrecklich, wenn er sieht, dass man zögert und zaudert, feige nachgibt!

Wenn man sich z.B. einredet (bzw. eingeredet bekommt): „Ah, 100%ig der Tradition folgen, das kann ich nicht, das ist unmöglich, man muss mal nachgeben können, Kompromisse machen, die anderen machen es sich im Leben ja auch einfacher…“

Den Feigen und Unentschlossenen gegenüber ist der Teufel entfesselt, vergleichbar mit einem freilebenden Hund auf dem Land, der plötzlich wild bellend auf Sie zu rennt, um sich auf Sie zu stürzen. Was müssen Sie tun? – Wenn Sie von der Angst ergriffen, umdrehen und davonlaufen, dann wirft der Hund sich auf Sie und beißt. Wenn Sie ihm hingegen die Stirn bieten, furchtlos, in Ruhe, dann verliert er den Mut, zieht den Schwanz ein und läuft davon.

Vom hl. Augustinus gibt es einen berühmten Ausspruch, der das Spiel des Teufels zusammenfasst: „Bellen kann er, beißen aber kann er nicht, es sei denn, wir wollen es!“

Wir haben also eine klare Kampftaktik, die wir bei teuflischen Angriffen anwenden müssen:

  • Ruhig bleiben!
  • Nicht zurückweichen, nicht nachgeben oder seine Entschlüsse nicht in Frage stellen!
  • Geradewegs das Gegenteil dessen tun, wozu uns der Teufel verleiten will!

Hier das Beispiel eines großen Heiligen, der durch diese Regel von härtesten Versuchungen gegen den Glauben befreit wurde. Der hl. Vinzenz von Paul wurde nach dem 30-jährigen Krieg als die „Seele Frankreichs“ bezeichnet, weil er im 17. Jahrhundert einen so heilsamen Einfluss auf die Erneuerung der zerrütteten Sitten und des absterbenden Glaubens ausgeübt hat. In Paris kannte er einen Philosophieprofessor, der drauf und dran war, den Glauben zu verlieren. Aus Mitleid zu ihm bat er Gott, diesen Professor von seinen Versuchungen zu befreien und sie ihm zu übertragen.

Von da an stürmten die schrecklichsten Versuchungen und Glaubenszweifel auf ihn ein, u. z. bei jeder Gelegenheit; beim Predigen: „Du lügst deine Zuhörer an und erzählst ihnen Märchen“; bei der hl. Messe: „Mach dir nicht vor, es gibt keine Wandlung, du spielst Theater, du Brotanbeter“; beim Beten war es ihm, es gäbe keinen Gott etc. Es war zum Verrücktwerden. Da wandte er nun diese Regel an: Er schrieb mit glühenden Worten ein Glaubensbekenntnis auf ein Papier, in dem er Gott bat, ihn als Märtyrer für den Glauben sterben zu lassen, und befestigte das Papier in seiner Brusttasche über seinem Herzen. Bei jeder Versuchung des Teufels klopfte er nun auf sein Herz und seinen Glaubensakt und sprach: „O Gott, dies glaube ich unerschütterlich und gebe dafür mein Leben hin!“ – Dem Teufel widerstehen und geradewegs das Gegenteil tun.

4. Regel: In der Prüfung ausharren und auf Gott vertrauen – selbst wenn alles hoffnungslos erscheint, man glaubt, von Gott verlassen zu sein

Der Teufel will uns quälen und uns Angst einjagen, soweit es ihm von Gott erlaubt wird. Wir müssen darum tapfer auf Gott vertrauen. Wer auf Gott vertraut, wird von Ihm niemals im Stich gelassen. Gott stärkt ihn und führt ihn sicher durch die Prüfung.

Und wir dürfen uns trösten, denn die Prüfung dauert keine Sekunde länger als Gott es erlaubt, und wir werden bald wieder getröstet sein.

Berühmtes Beispiel: Die hl. Katharina von Siena musste eines Tages die schrecklichste Prüfung ihres bisherigen Lebens erdulden. Gott hatte zugelassen, dass die bösen Geister über sie herfielen, sie mit den schlimmsten Versuchungen quälten. Die schrecklichsten Gedanken und Gefühle folterten sie ohne Unterbruch, und das Ganze nahm kein Ende.

Katharina betete inständig, flehte Gott an, sie nicht zu verlassen. Sie versicherte Ihm, sie wolle lieber sterben, als in eine Sünde einwilligen.

Doch die Dämonen sagten ihr: „Es ist zwecklos, du wirst nicht widerstehen können… Übrigens hast du ja bereits schon gesündigt. Darum hat dich Gott verlassen.“ Etc.

„O Herr komm mir zu Hilfe! Ob ich sterbe oder leide, ist mir egal, wenn ich nur nicht sündige.“

Im wahrsten Sinn des Wortes war die Hölle los! – Doch plötzlich, in einem Augenblick, war der teuflische Spuk zu Ende. Und der Heiland erschien ihr. Da machte Katharina ihm sanfte Verwürfe, sie war gewohnt, ganz vertraut mit ihm zu sprechen:

„O guter Meister, Du hast mich im schlimmsten Moment meines Lebens im Stich gelassen!“

„Aber Katharina, ich habe dich nicht im Stich gelassen!“

„Aber wo warst Du denn, o Heiland?“

„Ich war mitten in deinem Herzen!“

„In meinem Herzen? Mit all dem Bösen, das in ihm war?“

„Hast du ins Böse eingewilligt?“
„O nein, nein, mein Herr! Du weißt, dass ich lieber alles möglich erduldet hätte als dich zu beleidigen.“

„Siehst du? Wisse, dass ich dich gehalten und gestärkt habe und Freude daran hatte, wie du angesichts aller Dämonen treu geblieben bist. – Glaubst Du, dass ich dich je verlassen würde?“

(Gott hat die hl. Katharina durch solche Prüfungen zu hoher Heiligkeit emporgeführt, da er ihr die hohe Mission anvertraut hatte, das „Exil von Avignon“ zu beenden und den Papst wieder nach Rom zurückzuführen.)

In allen Prüfungen des Lebens, die wir erdulden müssen, vergessen wir nie dieses Beispiel aus dem Leben der hl. Katharina! Gott kann auch sehr schreckliche Versuchungen zulassen, aber immer nur zu unserem Besten. Er weiß, was für uns gut ist. Und er gibt immer die genügende Gnade, damit wir treu bleiben und siegen. Auch wenn wir die Gnade überhaupt nicht spüren.

Wiederholen wir: In der Prüfung ausharren und auf Gott vertrauen – selbst wenn alles hoffnungslos erscheint, man glaubt, von Gott verlassen zu sein.

Üben wir das Gottvertrauen gerade in den schwierigsten Situationen! Wir sehr machen wir so Gott Freude und geben ihm Gelegenheit, unser Vertrauen zu belohnen. Ja Gott gefiel es, seine Heiligen zu verherrlichen, die in Zeiten höchster Not durch ihr Vertrauen Gott zu wunderbarem Eingreifen „provozierten“.

Als Beispiel sei das berühmte Brotvermehrungswunder des hl. Don Bosco im Jahre 1860 genannt. Eines Morgens während der hl. Messe wurde Don Bosco beim Beichthören unterbrochen. Man brachte ihm die Hiobsbotschaft, dass für das Frühstück der 300 Jugendlichen nichts zu Essen vorhanden sei, da der Bäcker wegen unbezahlter Rechnungen die Brotlieferung verweigert hätte. Don Bosco sammelte sich kurz und ordnet in aller Ruhe an, die Knaben sollten sich wie gewohnt nach der hl. Messe vor der Sakristeitüre aufstellen, um ihr Brot entgegenzunehmen, und man möge bitte in einem Korb die allenfalls restlichen Brote mitbringen. Tatsächlich begann der heilige Priester dann von diesem Korb an alle Knaben auszuteilen, wobei scharfe Beobachter feststellten, dass der Brote nicht weniger wurden.

5. Regel: Achtung vor dem „schwachen Punkt“!

Wie jeder Mensch einen eigenen Schutzengel hat, der von Gott für ihn persönlich zu dessen Schutz gesandt worden ist, so sendet der Teufel auch einen speziellen Dämon, der ihn zu Fall bringen soll. Wie stellt dieser es an? Er fragt sich: „Wie schaffe ich es, in die Seele einzudringen?“ – wie einer, der eine Burg erobern will. Ein Feldherr späht die Burg aus, umschleicht sie, um sie dann an der schwächsten Stelle anzugreifen.

Genau so tut es der Dämon: Er sucht die schwächste Stelle, und da führt er seinen Schlag gegen uns aus und versucht die Seelenburg einzunehmen.

Darum: „Wo ist mein schwacher Punkt?!“ – Da bin ich besonders leicht angreifbar, verwundbar. Das nützt der Teufel aus, grausam und raffiniert. Also muss ich mich gerade hier, beim schwachen Punkt stärken und mich bessern durch die ernsthafte Übung der entsprechenden Tugend.

Beispiele:

Jeder Mensch hat einen Hauptfehler (eben seine schwache Stelle). Der Choleriker neigt zum Jähzorn. Wenn er nicht energisch dagegen kämpft, wird er zum Spielball des Teufels, und der Teufel hat mit ihm ein leichtes Spiel: Er muss ihn nur zum Zorn reizen, unser Choleriker explodiert, zerschlägt Porzellan, zum Schaden für die Mitmenschen und für sich selbst. Und das immer wieder von neuem!

Was muss unser armer Choleriker tun? Völlig klar: Er muss den Jähzorn bekämpfen, indem er um die Tugend der Sanftmut ringt. Er muss den Heiland flehentlich anrufen, der zu uns gesagt hat: „Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen!“

Er muss immer wieder das Beispiel des Heilandes betrachten, wie unendlich geduldig Jesus seine Verfolger und Verleumder ertragen hat, und dann wird mit der Zeit der Choleriker durch die Kraft der Sanftmut Christi innerlich gestärkt und selber sanftmütig werden.

Das gilt nun bei jedem Hauptfehler, ob das der Geiz, die Trägheit, die Sinnlichkeit, der Stolz ist, oder sonst eine Schwäche.

Beispiel: Ich hatte vor vielen Jahren unter den Gläubigen einen eifrigen Mitarbeiter, der sich für die Kapelle richtig aufgeopfert, ungemein viel getan hat, ein Mann von großen Qualitäten. Aber er hatte einen Fehler: Er war sehr empfindlich. Wegen seiner Empfindlichkeit musste man immer gut überlegen, was man ihm sagte, er war schnell beleidigt. Eines Tages musste ich ihn rügen, weil er sich in eine liturgische Angelegenheit fordernd eingemischt hatte, was ihm nicht zustand. Ich versuchte ihm dies in aller Freundlichkeit klar zu machen. Aber er war so eingeschnappt und beleidigt, dass er all seine Ämter niederlegte, nicht mehr in die hl. Messe kam, sich nie mehr zeigen ließ, und – wie ich erfuhr – den Glauben nicht mehr praktizierte. - Die Grausamkeit des Teufels! Der schwache Punkt der Seele wurde nicht durch die Demut gestärkt, der Teufel hat zugeschlagen und die Seele ruiniert!

Wo ist mein schwacher Punkt? Pater Valet, ein heiligmäßiger Priester in Spanien, von dem die FSSPX die ignatianischen Exerzitien übernehmen durfte, predigte jahrzehntelang mit größtem Erfolg diese Exerzitien. Er pflegte immer wieder zu sagen: „Ich beschwöre euch zu prüfen, welches eure Gewohnheitssünden sind! An diesen hält euch der Teufel fest!“

Das können auch Kleinigkeiten sein, lässliche Sünden, z.B. die Unmäßigkeit. Man isst einfach immer ein bisschen zu viel, praktisch bei jeder Mahlzeit, ein bisschen über das Maß – man wird zum Sklaven des Essens. Das ist noch keine Todsünde. Aber auf diese Weise verhindert der Teufel den Fortschritt auf dem Weg der Heiligkeit.

Fassen wir die 5. Regel zusammen: Um den Teufel zu besiegen, müssen wir mutig, beharrlich und energisch unsere Hauptschwächen bekämpfen. Es braucht Beharrlichkeit! Der Kampf ist nicht von heute auf morgen gewonnen. Der hl. Franz von Sales musste 20 Jahre gegen seinen starken Jähzorn kämpfen, bis er ihn überwunden hat. Durch beharrlichen Kampf gelangte er zum Sieg. Er wurde zu einem bewundernswerten Vorbild liebenswürdigster Sanftmut, Milde und Geduld, für so viele Menschen bis heute.

O ja, seien uns die Heiligen Vorbilder in unserem geistlichen Kampf! Mögen sie und die hl. Engel uns helfen, ihrem Beispiel nachzueifern, damit für unter dem Banner der Immaculata tapfer und treu kämpfen und eines Tages für würdige befunden werden, an der großen Siegerehrung im Himmel teilzunehmen!

In allem muss sich der Streiter Christi ein kindliches und unerschütterliches Vertrauen auf die Muttergottes setzen! Geborgen in ihrem unbefleckten Herzen, werden wir von den Ränken Satans nichts zu fürchten haben, sondern „am bösen Tag Widerstand leisten, alles niederkämpfen und das Feld behaupten.“

Quelle: Pater Stefan Frey

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