Rundbrief des Kuraten Nr. 4 - KPJ - Stamm St. Notburga

30. August 2021
Quelle: Distrikt Österreich
Detail aus Die Kardinal- und Gottestugenden von Raffael, Fresko in den Stanzen des Raffael

+ Gelobt sei Jesus Christus!

Gut Pfad! Liebe Pfadfinderinnen des Stammes der hl. Notburga!

Am kommenden 13. September ist wiederum der Festtag der hl. Notburga, der Patronin unseres Stammes. Bitte merkt Euch diesen Tag in Eurem Kalender gut vor, ein großer geistlicher Festtag für uns alle!

Die hl. Notburga von Eben, auch Notburga von Rattenberg, geboren um 1265 in Rattenberg, gestorben am 14. September 1313 auf Schloss Rottenburg in Tirol, war eine Dienstmagd. Sie ist Vorbild für den Arbeitseifer, die Treue, die opferbereite Nächstenliebe und die echte, tiefe Frömmigkeit.

Die Heiligenverehrung ist für uns Katholiken etwas sehr wesentliches, sie stärkt die Hoffnung auf unser letztes Ziel, auf den eigentlichen Sinn des Lebens, wir haben wunderbare Vorbilder, die wir nachahmen können. Daher hat die unfehlbare Kirche zu allen Zeiten die Heiligenverehrung nicht nur gestattet, sondern als gut und heilsam empfohlen. Die Heiligenverehrung gehört zu unserem christlichen Leben, zu unserem Alltag.

Es ist gut, die Heiligen zu kennen, sich mit ihrem Leben zu befassen, in den Lebensbeschreibungen der Heiligen zu lesen. Das sei auch besonders den Pfadfinderinnen angeraten. Die Heiligen sind die Vorbilder für ein gutes, tugendhaftes, geglücktes menschliches Leben. Ich möchte heute kurz auf die Tugend der Mäßigkeit zu sprechen kommen, die sehr vielen Menschen, jungen und auch alten, wirklich fehlt.

Die Tugend der Mäßigung vervollkommnet unser sinnliches Begehren. Es ist ganz eindeutig immer die Unmäßigkeit, die zu Überstürztheit, Unvernunft, Aggression und Brutalität verleitet und zugleich im Menschen die natürliche Neigung zerstört, anderen nützlich zu sein, was ja gerade auch das Ziel der Pfadfinder ist. Die Egoistengesellschaft, in der wir seit langer Zeit leben hat vieles sehr erschwert. Nach dem griechischen Philosophen Aristoteles ist die Tugend des Maßes die eigentliche Bewahrerin der Klugheit, wenn sie die Leidenschaft der Vernunft unterordnet. Dagegen stellt sich die Vernunft des Unmäßigen ganz in den Dienst der Sinnlichkeit, die wegen der Zügellosigkeit der Begierde nicht gesättigt werden kann.

Das ist wirklich Programm für uns: Die Sinnlichkeit (und die ganze Welt der unkontrollierten Gefühle, wie oft sind wir da verletzt und unvernüftigerweise entmutigt) muss der Vernunft untergeordnet werden, damit wir gut leben. Wir leiden alle an den Folgen der Erbsünde und so müssen wir unser Leben lang die Tugenden üben und gerade auch die Mäßigkeit. Eines muss aber klar gesagt werden: Der Mensch verhält sich sittlich unrichtig, er sündigt, wenn er das rechte Maß durch ein Zuwenig nicht erreicht oder durch ein Zuviel überschreitet.

Ich brauche Euch nicht lange Beispiele der Unmäßigkeit zu nennen, ihr kennt sicher vieles gut aus dem Leben. Ich möchte Euch vielmehr ermuntern zu einem guten Leben, zu einem echten christlichen Leben. Gebt einander auch immer ein gutes Beispiel im Essen und Trinken, in der Wortwahl, im Auftreten, in einem keuschen Leben, etc.

Schließlich dürfen wir nicht vergessen, dass wir um die christliche Tugend der Mäßigkeit auch beten müssen. Lasst Euch nicht hinunterziehen von Mitmenschen ohne Tugend. Das Gegenteil ist zu tun! Überlegt jetzt einmal wie es bei Euch um die Tugend der Mäßigkeit steht und macht den einen oder anderen wirklichen Vorsatz, er wird Euch schnell voranbringen im Leben.

Liebe Pfadfinderinnen unseres Stammes St. Notburga! Ein gnadenreiches Patronatsfest Euch allen!

Mit meinem priesterlichen Segen! Gut Pfad!

Steyr, am 26. August 2021

P. Johannes Regele, Pfadfinderkurat