So dachten die Jesuiten früher über die Lateinische Sprache in der Liturgie

2019
Quelle: Distrikt Österreich

"Denken wir uns einmal, was nie geschehen wird, die Lateinische Kirchensprache beseitigt und an deren Stelle die Deutsche (oder andere Volkssprache). Welches wären die Folgen?


Vor allem müsste der Gläubige unausgesetzt auf jedes Wort des Priesters achten. Er mag die heißesten Anliegen auf seinem Herzen haben und noch so sehnlich sein Alleingespräch mit Gott halten wollen, er müsste seine Andacht in die vorgelegten Rahmen einzwängen, dem wohl oder übel Vorlesenden, vielleicht gar Vordeklamierenden, zuhören und gründlich um alle innere Andacht kommen. Dies aber ist Tyrannei! Wie mütterlich wünscht dagegen die Kirche zunächst Aufmerksamkeit auf die Hauptteile der Heiligen Messe, und lässt im Übrigen einem Jeden die Freiheit, sein Herz im Stillen vor dem sakramentalen Gott auszuschütten und mit dem Bittopfer des Priesters das eigene zu Gott emporzusenden. Schon in der ältesten Zeit betete der Priester einen großen Teil der Messe still; und wer meint, das Volk hätte ihm alles von Anfang bis Ende nachgesprochen oder nachgehört, ist in großem Irrtum. Wir nennen vorherrschend die Hl. Messe, als das INNERSTE HEILIGTUM DER CHRISTLICHEN GOTTESVEREHRUNG, verstehen aber zugleich den ganzen katholischen Kultus mit.


Mit der Landessprache käme ferner Verflachung und frostige Verweltlichung in die heilige Liturgie.
 ... Der Gottesdienst würde in eine endlose Predigt verwaschen, die Schaaren der frommen Beter immer dünner, und wer besäße noch die Geduld, von Anfang bis Ende auszuharren? Die Universalität unseres katholischen Kultus würde nach Ländern, ja nach Pfarreien und Kapellen zerschnitten und jeder Geschmacklosigkeit schutzlos in die Arme geworfen. ... Danken wir dem obersten Wächter der Kirche, dem Hl. Stuhle zu Rom, dass er auch hierin dem unreifen Drängen mannhaft widerstand. Für jeden Christen aber ist es Ehren- und Gewissenssache, mit inniger Verehrung und Liebe an der altehrwürdigen Liturgie zu hängen und nach Kräften aus ihren Schachten Schätze des höheren Lebens zu heben."

Quelle: P. Georg M. Pachtler SJ, Das Buch der Kirche, 12. Auflage, Manz, Regensburg 1901