St. Josephs-Blatt • Februar 2020

01 Februar, 2020
Quelle: Distrikt Österreich

Aus dem Vorwort des St. Josephs-Blattes / Priorat Wien, von Pater Waldemar Schulz.

Liebe Gläubige,

um Mariä Lichtmess herum schließt sich liturgisch alljährlich an den Weihnachtsfestkreis langsam und verhalten der Osterfestkreis an. Häufig liegen die Vorfastensonntage vorrangig im Februar, nicht selten – wie auch in diesem Jahr – fällt der Beginn der Fastenzeit mit dem Aschermittwoch ebenso in diesen Monat. Wenn diese Zeit im Winter auch den Eindruck eines gewissen Übergangs im kirchlichen Leben macht, so enthält sie doch zutiefst grundsätzliche religiöse Anregungen, schließt zum einen freudig und dankbar Weihnachten ab, wo wir die große Gabe, das rettende Geschenk des Vaters im Himmel feiern durften, die Geburt des Gottessohnes und unseres Erlösers; zum anderen lenkt sie unsere nun durch das weihnachtliche Geschehen gestärkten Seelen auf das Erlösungsgeschehen selbst hin und bereitet unsere Herzen zunächst sachte, dann aber mit zunehmender Entschlossenheit auf das Heilswerk Jesu und unsere eigene, dazu erforderliche Mithingabe vor.

Dabei erweist sich das Fest Mariä Lichtmess in der Tat als eine Art Markstein und Wendepunkt im kirchlichen Leben eines Heilsjahres. Das Evangelium, die Frohbotschaft von Gottes Güte und dem Kommen des Heilands verbindet sich mit der Lektion über die Notwendigkeit des Leidensweges Jesu für das Heil wie unserer Berufung und Aufgabe, mit Maria, mit Johannes und den heiligen Frauen unter dem Kreuz zu stehen und dort auszuharren. Tatsächlich beginnt sich bereits von der Aufopferung Jesu im Tempel weg die damals ausgesprochene Verheißung des greisen Propheten Simeon vom Zeichen des Widerspruchs zum gottgesandten Messias zu erfüllen und vom Schwert, das Mariens und aller gläubigen Herz angesichts der Nachstellungen und der Ablehnung des Herrn Jesus durchdringt.

Der weltzugewandte Mensch ist beherrscht von irdischen Idealen, verlangt nach Wohlergehen, nach Genuß und Sinnenfreuden, nach Anerkennung in der Gesellschaft, nach Menschenrechten, Gleichheit, Autonomie, Ungebundenheit; er arbeitet und müht sich, aber es bleibt das Diesseitige immer im Vordergrund, selbst wenn er um die Umwelt bemüht ist, für eine gesunde Natur, sich gegen Luftverschmutzung und gegen Kriege und Unrecht engagiert. Vieles davon hat ja seine Berechtigung, unzweifelhaft, aber religiös und von der höheren Ordnung, der Berufung, der Zielsetzung, die Gott dem Menschen auf seiner Lebensreise mitgab, erlangt dies  – auch entgegen der heute vielfach und bis in die höchsten Ebenen der Kirche vornehmlich propagierten Bestrebungen – stets doch nur eine zweitrangige, untergeordnete, zwar aufgrund unseres irdischen Daseins unverzichtbare, jedoch im Dienste der Hauptzielsetzung stehende Rechtmäßigkeit. Und Weihnachten und das Jesuskind und alle Geschenke und Feste sind vielen Menschen auch noch recht, aber das dann Folgende macht große Mühe, beinhaltet wahrhaft eine Prüfung, eine Scheidung der Geister. Da der Mensch an sich die Sehnsucht nach Glück, Freude, unverlierbarem Dasein und Leben in sich trägt – genau dies aber nur im Kreuz erlangen kann, stoßen hier zwei konträre Dinge aufeinander, die innerirdisch nicht zu lösen sind, die nur in Christus, und das ist eben auch der Kreuzesmann und nicht allein nur das liebe Jesuskind, ihre Harmonie und ihre Auflösung finden. Gerade das Fest Mariä Lichtmeß bringt uns im ersten Ansatz zur heiligen Fasten- und Osterzeit in Erinnerung, was erforderlich ist, um Anteil an Jesus zu gewinnen, an Seinem Heilswirken und an Seiner Auferstehung.

Hierbei weist das Licht an Mariä Lichtmess zunächst auf das Fundament und die Grundlage jedweden christlichen Lebens hin, nämlich das Glaubenslicht. Das umfaßt wesentlich das Übernatürliche, die Geheimnisse Gottes und Christi, des Himmels und der Ewigkeit, nur abgeleitet und als natürliche Voraussetzung die Sorge und Bekümmerung für das diesseitige Leben. Weil der Mensch allerdings ein stark vom Körperlichen und von den Sinnen geprägtes, eben irdisches Wesen hat und deshalb seine Neigung, die natürliche Schwerkraft seines leiblichen Daseins gegenüber den für ihn trotz seiner intellektuellen Fähigkeiten schwerer zu erfassenden geistig-geistlichen Wirklichkeiten ihn gen Welt, Erde und Leidenschaften hindrängt, bedarf es für ihn – im Gegensatz zu Maria, die es aber im Sinne des Gehorsams gegen Gottes Gebot auf sich nahm – auch stets neu einer Reinigung, wie sie uns dann die Fastenzeit in besonderer Weise anbietet. Diese Wiederherstellung bzw. Berichtigung geht aber seit dem Sündenfall und der Unverzichtbarkeit einer sühnenden Erlösung nicht ohne Opfer im Verein mit dem Opfer Jesu vor sich, dessen Ankündigung ebenfalls an Maria Lichtmess durch die Aufopferung des Jesusknaben im Tempel geschieht. Damit das alles dann aber auf Dauer wirksam bleibt, bedarf die Seele des Gehorsams gegen die Gebote Gottes als Ausdruck ihrer Liebe und Hingabe, wie der Heiland es später betonen wird, wenn Er lehrt, daß es derjenige ist, der Ihn liebt, der Seine Gebote hält. Daher wollen wir mit Eifer dem Beispiel der Heiligen Familie folgen, damit es dann auch von uns heiße, wie es von ihr in diesen Abschnitten des Evangeliums (Lk. 2,20-40) geschrieben steht: „Nachdem sie alles dem Gesetze des Herrn gemäß erfüllt hatten, kehrten sie nach Galiläa zurück, in ihre Stadt Nazareth“ – wir aber dereinst einkehren dürfen in unsere Stadt, die Stadt Christi und Gottes.

Das wünscht Ihnen, liebe Gläubige, von Herzen und mit priesterlichem Segensgruß

Ihr

P. Waldemar Schulz

Quelle: Gottesdienstordnung • Februar 2020 • Priorat St. Klemens Maria Hofbauer • Wien