St. Josephs-Blatt • Jänner 2019

29 Dezember, 2018
Quelle: Distrikt Österreich

Aus dem Vorwort des St. Josephs-Blattes / Priorat Wien, von Pater Waldemar Schulz.

Liebe Gläubige

Stets beginnt das bürgerliche Jahr mit dem Oktavtag von Weihnachten, am letzten Tag also, der im engsten Sinne zum Weihnachtsfest gehört, da seit alters die ganz besonderen, hohen Feste der Kirche eine volle Woche gefeiert wurden. Der 8. und letzte Tag hatte dabei wie der 1. und manchmal auch der 2. Und 3. Tag einer Oktav (einer Achttagefeier) noch eine speziell hervorragende Rangstufe und Stellung. Demgemäß finden wir daher selbst bei unsrer weltlichen Zeitrechnung den Anfang eines neuen Jahres noch bei der Krippe des Herrn. Dies bedeutet nicht nur ein schönes, zufälliges Symbol, sondern weist uns Christen nachhaltig darauf hin, von wem die Welt, die Zeit und unsere Lebensdauer kommt und wer in der Geburtsstunde eines Neuen Jahres quasi an dessen Wiege steht und ihm Segen, Auftrag und Zielrichtung gibt. Das Ziel aber ist Jesus selbst und durch Ihn der Vater, der Himmel, die ewige Glückseligkeit, unsere letzte, höchste Berufung. Deshalb erfüllt Weihnachten den Christgläubigen mit tiefer, alles durchdringender, inniger Freude, dass da Gott zu uns kommt und auch im kommenden bzw. jetzt beginnenden Jahr bei uns und in uns bleiben will. Er möchte uns die Gnade vermehren, die Sehnsucht nach dem Himmel und damit nach Gott selbst in Herz und Seele verankern, die Freude an allem Guten, an der Tugend, an unserer ewigen Berufung.

Doch führt der Weg zur Endbestimmung des Menschen seit dem Eintritt der Sünde in die Schöpfung nur mehr über das Mittel der Erlösung im Opfer und zwar im Opfer Christi, an dem die Seele teilhaben muß, um ihre ewige Heimat zu erreichen. Daher begehen wir am Oktavtag von Weihnachten, mithin am 1. Tag des Neuen Jahres im bürgerlichen Kalender, zugleich auch die Gedächtnisfeier der Beschneidung Christi, der alle männliche Erstgeburt des auserwählten Volkes als Vorläufer und Wegbereiter für Christus und das Christentums unterworfen war. Sie war geistiges Symbol und körperliches Zeichen, zur von Gott vorbestimmten Aufgabe berufen zu sein, der Erlösung die Pfade zu ebnen. Auch Jesus selbst unterzog sich diesem Ritus, der Ihn zugleich mit dieser ersten Blutvergießung als sowohl Gott gehörig als auch in Hinblick auf das kommende Erlösungswerk als Opferlamm charakterisierte. Daher läuft auch der Weg zum Heil, der nur mit und über Jesus führt, notwendigerweise auf so manches Opfer und manche Überwindung im Sinne des Kreuzes Christi und der Vereinigung mit Ihm hin. Ebendarum kennzeichnet neben aller Freude mit allem guten Absichten und Wünschen doch auch der Hinweis auf das Opfer den ersten Tag des Jahres. An sich liebt der Mensch das Opfer nicht, er ist auch nicht dafür, sondern für die Seligkeit geschaffen, aber das Heil der Seelen und die erforderliche Buße und Wiedergutmachung erfordern sie, auch als Einigungsband mit dem allein erlösenden Leiden des Herrn. Das Opfer mit Jesus ist darum begehrenswert! Es bewirkt als unverzichtbares Hilfsmittel gemäß dem Willen des Vaters im Himmel die Wiedergeburt der Gnade im Menschen, die seit der Erbsünde und den darauf folgenden persönlichen Sünden verloren und selbst nach der Wiedererlangung durch Christi Verdienste in Taufe und Buße oft genug in Gefahr ist. Zugleich aber erweist sich das Opfer nicht nur als Hilfs-, sondern auch als erforderliches Heilmittel gegen die Eigensucht, die sinnlichen Neigungen unserer Leidenschaften und ungeordneten Begehren. Gerade auf diesem Baum, diesem Kreuzesbaum des Opfers wächst dann Gnade, Verdienst und Herrlichkeit. Wohl erst im Jenseits werden wir in der Lage sein, richtig abschätzen zu können, daß wahrhaft im Kreuze Heil und tatsächlich in ihm der größte Schatz wohnte, den Gott selbst uns schenken konnte – Seinen Sohn! Da es aber von der Natur her nicht angenehm ist, versucht der Mensch es zu umgehen und zu meiden, wo er nur kann. Das ist leicht verständlich und in der Tat muß der Mensch auch nicht jede Mühsal und jedes Kreuz suchen, das er gerade finden kann; man muß sich nicht, wie das Sprichwort sagt, das Leben noch schwerer machen als es eh‘ schon ist. Doch weist selbst der mehr weltlich orientierte Brauch, ein neues Jahr mit allerlei guten Vorsätzen zu beginnen, auf die tieferliegende Grunderkenntnis und Sehnsucht des Menschen hin, etwas zu bessern und wiedergutzumachen. – Das jedoch sollen wir im Sinne des Kreuzes Christi auf uns nehmen, was der Herrgott uns als Anteil daran zumisst und wir selbst als notwendigen Anschluss im Sinne der Selbstzucht an die Beschneidung des Herrn erkennen. Diesem Vorsatz wollen wir am ersten Tag des Neuen Jahres verschreiben und ihn uns ins Herz legen, da sowohl in der Welt als selbst - Gott sei es geklagt – in der Kirche diese übernatürliche Liebe und Hochschätzung des hl. Kreuzes immer mehr verschwindet, wie ja auch das Gedächtnisfest der Beschneidung des Herrn weichen musste bzw. kaum mehr Erwähnung findet.

Es ist selbstverständlich auch wahr, daß schon seit alters her der Oktavtag von Weihnachten am 1. Tag eines neuen Jahres immer mit einem besonderen Gedenken an die allerseligste Jungfrau Maria verbunden war. Das tröstet ungemein, da wir auf unserem Lebensweg und speziell im Neuen Jahr uns unter dem Schutzmantel Mariens geborgen wissen, ihrer Fürbitte vertrauen und ihrem Vorbild – speziell auch im Hinblick auf das Opfer – folgen und darum wahrhaft ihre geistlich-seelischen Kinder sein dürfen. Sie führt uns allezeit zu Jesus, zur Krippe wie zum Kreuze Christi, sie hilft uns in unseren Anliegen, in unserem Alltag, sie stützt uns in den Nöten des Lebens. Sie leitet uns hin zu dem, wozu wir von Gott berufen sind: zum ewigen Leben, zum Reiche Gottes und Christi – das nach Gottes Willen auch ihr eigenes ist -, um all das in diesem Neuen Jahr und alle Jahre unseres Lebens krönend vollenden zu dürfen.

Dies wünscht Ihnen, liebe Gläubige, und uns allen von Herzen

Ihr

Pater Waldemar Schulz

Quelle: Gottesdienstordnung • Jänner 2019 • Priorat St. Klemens Maria Hofbauer • Wien