St. Josephs-Blatt • Juli / August 2019

01 Juli, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Aus dem Vorwort des St. Josephs-Blattes / Priorat Wien, von Pater Waldemar Schulz.

Liebe Gläubige,

der Sommer symbolisiert geistlich neben anderen Gleichnissen, die man dafür aufstellen kann, die Wärme der Nähe Gottes für den treuen Anhänger Christi, dessen Gnaden der erlösten Seele zuteilwerden und sie in der Freundschaft Gottes befestigen oder wieder darin aufnehmen. Dem gläubigen Menschen wird nach und neben mancherlei Mühsal, Kreuz und Sorge doch auch hier auf Erden schon von Zeit zu Zeit etwas geistige Sommerfrische, Erholung und Freude zuteil. Darum darf der Mensch mit Seele und Leib – denn beides vereint die Menschennatur als wesentliche Elemente in sich – durchaus auch etwas Regeneration, Labsal und Erquickung genießen, wobei letztlich jene Ermunterung den wertvollsten Balsam für den ganzen Menschen, insbesondere aber eben für seine Geistseele verleiht, die aus der Harmonie von Geist und Leib, aus dem Vorrang der vom Glauben erleuchteten Vernunft vor allem Sinnesmäßigen und Körperlichen geboren wird. Deshalb sollen wir nicht vergessen, regelmäßig auch der Seele, dem Geist, dem Herzen etwas geistig-geistliche Entspannung und Freude zu gönnen. Wer sich in der Sommerzeit allein mit körperlicher Erholung, Fitness und Vergnügen beschäftigt, wird am Ende der Ferien nicht wirklich erholt, sondern vielmehr an Geist und Kraft und oft auch im Portemonnaie erschöpft an seinen Arbeitsplatz, in das Geschäft, in die Schule, an den Herd, in den Familien- und Freundeskreis  zurückkehren. Lassen wir gerade auch in diesen Wochen die göttliche Gnadensonne nicht außer Acht, sondern vielmehr uns von ihr überstrahlen, die uns Herz und Seele erwärmen möchte, weil wir Kinder Gottes sind; deshalb nämlich strahlt Gottes Güte und Gnade auf über uns, da Er in Christus Jesus uns als Seine Kinder erkennt und anerkennt und in Sein göttliches Leben zieht.

Die Freude an Gott, die Freude an allem Guten und Gnadenhaften, die Vorfreude an der dereinst schönsten ewigen, himmlischen Jahreszeit darf durchaus immer neu und frohgemut unser Inneres ergreifen, denn es ist der Schatz, den der Herrgott uns an den Lebensweg gestellt hat, den es freilich immer wieder zu suchen, zu finden, zu ergreifen und zu bewahren gilt, denn es ist wahr: Der Himmel beginnt hier auf Erden, nämlich im Glauben, in der Bewährung, in der Treue – oder er beginnt gar nicht!

Freuen wir uns daher an der schönen, gottgeschaffenen Natur, am Blühen und an der langsam, aber stetig heranwachsenden Frucht. Freuen wir uns über ein gutes Buch, eine schöne Musik, ein erquickendes Gespräch, über alle auch geistigen Labsale. Gerade heute und in unserer modernen Welt, den irdischen Idolen und Denkweisen, dem weltlichen und weitgehend bereits gottentfremdeten Gehaben gibt es für Gottesfreunde genug Trübsal, genug Besorgnis, ja Bangigkeit für Jetzt und für die Zukunft im Hinblick auf Geist, Werte, Charakter, Herz, Glauben, Seelenheil…. Es gilt oft überdrüssig viel Elend – gerade in Geist, Psyche und Seelenleben – und Bedrängnis, viel Ärger und Lasten und Leiden und Kreuze in der Welt, in der Gesellschaft, im Staat, ja - leider Gottes – auch in der Kirche zu ertragen, manchmal fast bis zum Übermaß. Ebendarum darf sich gerade der Christ, der gläubige Katholik, der ja um seine Errettung, seine Erlösung, um die in Jesus wiedererlangte Kindschaft Gottes und das mit ihr verheißene Erbe weiß, sich nicht die letzte und dafür immer bestehenbleibende Freude für sich, sein Herz und seine Seele nehmen lassen: Gott, Jesus, der Himmel, das Gute und das Schöne, das Ewige und Unvergängliche, das Leben – und alles, was damit zusammenhängt. Viele größere, aber noch viel mehr kleinere Dinge im Leben, von der Natur über Kunst und Musik, einem gelungenen Werk, einer guten Tat, einer Hilfeleistung bis hin zu dem vom Herrn erwähnten Glas Wasser, das wir dem Nächsten reichen, können uns schon hier auf Erden so viel Trost, geistige Nahrung und Frohsinn in Herz und Seele gießen.

So geschieht es sogar auch hier, für uns im Priorat und in Sankt Joseph, wenn wir uns auf den Neupriester freuen und auf seinen ersten besonderen Segen, wenn wir die Hochzeit von zweien Glücklichen mit Gebet und Jubel begleiten, die in Gott eines werden wollen und sein sollen als Nachbild des Geheimnisses der Liebe Christi zu seiner Braut, der Kirche, wenn wir die Goldene Hochzeit von Zweien feiern, die schon lang eins geworden sind in der Treue zum ehelichen Versprechen, zur Pflicht, zur Gnade aus dem Sakrament, in der Treue in der Liebe zueinander und der Hilfe füreinander, in der Treue zu ihrer Familie, und letztlich und doch vor allem in der Treue zu ihrem Gott. Denn das ist aller Dinge und natürlich insbesondere aller Menschen letztes Ziel und letztes Glück, wenn sie ihrem Gott treu bleiben durften und mit seiner Gnade ausharrten, da jene an diesem ihren Gott werden ewig sich erfreuen dürfen, die Seiner Liebe und Seinem Willen ergeben sind im Leben und es bleiben bis zum dann seligen Ende.

Eine schöne, erholsame und vor allem segensreiche Sommerzeit wünscht Ihnen, liebe Gläubige, recht von Herzen

Ihr

P. Waldemar Schulz

Quelle: Gottesdienstordnung • Juli / August 2019 • Priorat St. Klemens Maria Hofbauer • Wien