St. Josephs-Blatt • November 2018

2018
Quelle: Distrikt Österreich

Aus dem Vorwort des St. Josephs-Blattes / Priorat Wien, von Pater Waldemar Schulz.

Liebe Gläubige,

es ist die Frohbotschaft – das Wort „Evangelium“ aus dem Griechischen bedeutet übersetzt so viel wie „gute Botschaft, frohe Botschaft, Frohbotschaft“ – die uns der Gottessohn im Auftrag Seines himmlischen Vaters brachte und verkündigte, ja, in Seinem Erlösungswerk uns den vollen Umfang dieser glücklichen Botschaft erst verdiente und ermöglichte. Damit aber rühren wir aber gleich an die schmerzliche Seite unserer irdischen Lebens und auch des Rettungswerkes Christi – nämlich an das Kreuz, und zwar an das Kreuz in seinen zahlreichen Facetten: in Schmerzen, Krankheiten, körperlichen wie seelischen Leiden, in sorgen, Nöten, Mühen, Arbeiten, Versuchungen, Prüfungen. Und wir rühren an die Frage, ob man nun es noch wirklich „Frohbotschaft“ nennen kann, was Jesus uns da gebracht hat, zumal (wenn man auch noch an die angedrohten Folgen der Sünde denkt, an den Tod, das Fegefeuer und die Hölle? Wenn jemand diesen Zusammenhang mehr vom irdischen Dasein her betrachtet, mehr diesseitig und oberflächlich, dann kann es passieren und es kommt häufig vor, daß man die Frohbotschaft vielmehr als Drohbotschaft empfindet und die göttlichen Verheißungen als Gefährdungen des irdischen Daseins, wie der irdische Mensch es gerne möchte. Dann erfährt man die Last, nämlich die Last des Kreuzes nicht als erlösend, sondern im wahrsten Sinne des Wortes als lästig, denn es ist ja auch eine Last, wenn auch den Worten  des Herrn gemäß ein sanftes Joch und eine leichte Bürde (Mt. 11,30), die man oft genug doch lieber abschütteln als tragen möchte, die aber doch nötig ist, will man Jesus folgen, denn „wenn jemand nur nachfolgen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, wird es verlieren. Wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden“ (Mt. 16,24f.) Diese beiden Seiten, dieses Paradoxon in eines zu bringen, daß nämlich nur im Kreuz Heil und im Leiden die Fundamente der frohen Botschaft liegen. Das ist nicht einfach, deshalb war es ja und ist es noch „den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit.“ (1.Kor. 1,23)

Der Glaube erst, er ist es, der den übernatürlichen, geistigen Blick öffnet für die Wahrheit, die ganze tiefe und Herrlichkeit der Frohbotschaft; durch ihn finden wir auch den Trost, den Mut, die Geduld, um unter dem Kreuz mit Maria und Johannes auszuharren, „denn wer ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.“ (Mt. 10,22) Denn die Sendung Jesu, Sein Erlösungswerk, das heil der Seelen, die Vergebung der Sünden, die Auferstehung zum ewigen Leben sind übernatürliche Botschaften Gottes durch das Wort (die hl. Schrift) und die Tat (die Menschwerdung Gottes, das Heilswerk des Herrn, die Auferstehung Christi), durch Verheißung und das Wirken und Bereitstellen aller übernatürlicher Mittel zur Erfüllung der Verheißungen. Deshalb schenkt die Botschaft Gottes Freude und Frohsinn, wenn es um die Seele geht, um das Gute, um das Ewige und Himmlische, Er bietet uns aber keine Frohbotschaft im Sinne von „Friede, Freude, Eierkuchen“ auf der Welt Sorgen, Kümmernisse und Kreuze. Vielmehr wäre Gott nicht so gut mit uns und fast – könnte man sagen – unbarmherzig, würde Er uns jedes Kreuz nehmen, denn im Kreuz findet jeder, der will, den Heiland; im Kreuz besteht unsere Mitarbeit an der ewigen Herrlichkeit, die uns zwar nur auf Jesu Erlösungswerk, aber auch nicht ohne unsere Verbindung mit Ihm geschenkt wird, so daß auch wir in und mit und durch Ihn Erlösung und Heil und Seligkeit verdienen; und zuletzt sind es die Arbeiten, die Mühen, die Leiden, die Kreuze, die uns erlauben, mit den Worten Pater Pios vertrauensvoll und zuversichtlich dem Vater im Himmel zu nahen: „Du siehst, daß ich Dich liebe!“ Dann erfüllt sich die „Botschaft als Frohbotschaft im gewissen Rahmen schon hier auf Erden und wenn auch unter Beschwerden, Leiden und Anstrengungen, da sie uns als Christus gleichförmig und zugehörig und deshalb der Familie Gottes eingegliedert ausweist.

In diesem Sinne, liebe Gläubige, erfülle Sie die Frohbotschaft Gottes stets und selbst in diesem Tale der Tränen mit neuem Mut, mit Trost, mit Seelenstärke und innerem übernatürlichem Frieden, die aus der Herzensfreude an Gott und allem Guten erblühen.

Ihr

Pater Waldemar Schulz

Quelle: Gottesdienstordnung • November 2018 • Priorat St. Klemens Maria Hofbauer • Wien