St. Josephs-Blatt • Oktober 2018

01 Oktober, 2018
Quelle: Distrikt Österreich

Aus dem Vorwort des St. Josephs-Blattes / Priorat Wien, von Pater Waldemar Schulz.

Liebe Gläubige,

wenn es doch wahr ist, daß der Himmel uns im Rosenkranz eine echte, wirkliche, siegreiche Waffe in die Hand gedrückt hat, eine geistig-geistliche Waffe, die aber auf lange Sicht und über das Weltliche hinaus eine viel mächtigere und größere Waffe ist im Kampf um Gott, um die Seelen, um das Gute, um die Ewigkeit als jede irdische Waffe - dann ist es wahrhaft an der Zeit, diese Waffe verstärkt zu ergreifen und einzusetzen. Vielleicht kommt das stets in Krisen- und Kampfeszeiten vor, daß man - auch wenn man gerne möchte - mit dem Klagen und Lamentieren nicht recht aufhören kann. Aber sowohl der innere wie inzwischen auch der äußere Zustand im Christentum, in Staat und Gesellschaft, in Glaube und Moral und selbst in der Kirche Gottes scheint nur immer noch fataler und desaströser zu werden. Immer noch hoffte man auf Besserung, und siehe, das Verhängnis nimmt zu! Von Bekehrung im umfassenden Maße keine Spur.

Auch die Enthüllungen über Verfehlungen des geistlichen Standes nehmen schier kein Ende; freilich haben sich die Teile de weniger kirchenfreundlichen Welt und Presse nun einmal auf dieses Thema eingeschossen und sind immer neuen Aufdeckungen auf der Spur. Sicherlich wird auch so manches einseitig, übertrieben und im Jargon des Sensationsjournalismus breitgetreten, aber es bleibt genug, was schockiert. Wenn Menschen, junge Menschen, Kinder, Mädchen, jungen in der Obhut der Kirche, der Ordensleute, Kleriker, ja nicht einmal mehr in der Obsorge der Prälaten in sicherer Hand sind, verliert die Kirche und mit ihr auch Evangelium und Glaube, für die sie im Dienste steht, an Glaubwürdigkeit. Mag manches an den Berichten und Aussagen voreingenommen sein und weit überzogen, mag man sicher nicht ganz zu unrecht daraufhinweisen, daß es in vielen weltlichen Institutionen, in Heimen und in Familien mitunter noch viel, viel schlimmer zugeht, mag man auch an das Wort des Predigers im Alten Testament erinnert werden, „was war, wird wieder sein; was geschah, wird wieder geschehen, und nichts Neues gibt es unter der Sonne. Gibt es etwas, von dem man sagen kann: ,Siehe, dieses ist neu!'? Längst war es zu Zeiten, die vor uns gewesen.... Was ist, ist längst schon gewesen, was sein wird, längst war es da, und Gott spürt das Vergangene auf" (Pred. 1,9f; 3,15), mag also in der langen Geschichte der Kirche auch vielerlei Ähnliches vorgefallen sein - trösten kann solcher Art Überlegung nicht. Kirche, Gottgeweihte, gläubige Katholiken treten ja eigentlich ihren Lebensweg, ihren Dienst, ihr Amt und ihre Aufträge mit einer ganz anderen Einstellung und mit ganz anderen (gerade auch moralischen) Ansprüchen an. Daher dürfen die rein sachlich gesehen oft weit über Gebühr harschen und manchmal maßlos überspannten, häufig noch mit Häme und Feindseligkeit angereicherten Angriffe und abschätzigen Urteile nicht wundem; sie sind gemessen an den Ansprüchen und dem Niveau, daß die Kirche von sich selbst fordern muß und was die Menschen von ihr auch erwarten dürfen, nicht einmal ganz ungerecht, für den heiligen Glauben und die Kirche aber furchtbar. Klar, so lange Menschen da sind und in großer Zahl und nicht alle - auch als Folge der erbsündlichen Nachwirkungen - nach Vollkommenheit im Sinne des Himmels streben, so lange gab es auch immer Sünder, Mängel, Skandale in der Geschichte der Kirche, schon die Evangelien, die Apostelgeschichte und die Briefe der Apostel berichten davon. Was heute beunruhigt und die Krise so überaus dramatisch macht, sind nicht allein die sittlichen Fehlhaltungen, sondern die geistige Umorientierung und Umerziehung, welche die geistigen wie moralischen Mißstände, Mißbildungen und Laster als gesund, normal, human und rechtmäßig einstufen und den Menschen suggerieren, auf diese Weise an sogenannter Lebensqualität, an Lebensstandard, Vergnügen und Eigennutz zu gewinnen, währenddessen sie vielmehr Seele, Herz, Liebe und Ewigkeit zu verlieren drohen. Und selbst die Kirche hat in den letzten Jahrzehnten leider Gottes keinen unwesentlichen Beitrag zu dieser Haltung geliefert, da sie sich zunehmend der Welt angepasst hat. Man möchte fast verzweifeln und fragt und sinnt, wie solcher Zustand je wieder in die Reihe kommen könnte, zumal sich ringsherum den Eindruck verstärkt - was man schon gar nicht mehr für möglich hielt -, wie es mit den Werten des einst gläubigen Abendlandes, mit Glaube, Sitte und Anstand, mit christlicher Gesellschaft und Kultur, auch mit Kirche, Klerus und Ordensstand immer noch weiter in schier unbekannte Abgrundtiefen geht. Unwillkürlich schießen einem manche Mahn- und Drohsprüche der Propheten vor einer Strafe Gottes für seine schier aus den (geistig-sittlichen) Fugen geratene Schöpfung durch den Kopf (wie beispielsweise bei Jeremias 5,9: „,Sollte ich solches nicht vergelten' Spruch des Herrn, ,und sollte ich nicht Rache nehmen an einem derartigen Volk?'"), die durchaus auch im Neuen Testament aufgegriffen werden, wie St. Paulus es im Römer- und Hebräerbrief tut: „Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Strafgericht; es steht ja geschrieben - Dt. 32,35 -: ,Mein ist die Rache, ich will vergelten, sprichtder Herr.'" (Röm. 12,19; vgl. Hebr. 10,30)

Also ist nicht die Rache an uns, sondern Opfer und Gebet! Die Heilige Messe, also das Opfer Christi, alles überragend und für alles genugtuend jenen, die dahin ihre Zuflucht nehmen, und der Rosenkranz als Sinnbild und Inbegriff des Gebetes - das sind die Waffen, die Gott uns an die Hand gab, und dies gerade und besonders für diese Zeit, da man Opfer und Gebet geringschätzt, Selbstzucht und Überwindung geradezu anrüchig sind, um diese Art Welt und ihre Manier zu überwinden und zu besiegen. Sie werden uns die Kraft verleihen zum guten Werk, zum rechten und gläubigen Handeln, zum Zeugnis in Tat und Wahrheit, die nicht fehlen dürfen, damit nicht Religion und Frömmigkeit theoretisch und steril bleiben. Es naht also nicht etwas die Zeit zum Verzweifeln und Verzagen, vielmehr mit Jesus und Seinem Werk treu mitzutun im Glauben, einem Glauben der Treue, der Liebe, der Tat. Auch der Apostel und Jünger waren damals nur wenige, die Zahl zählt beim Herrgott aber nicht viel, es ist der Geist, der lebendig macht, denn (1 .Joh. 5,4) dieses ist „der Sieg, der die Welt überwindet, unser Glaube!"

Gnade, Segen und den Sieg im Glauben wünscht Ihnen, liebe Gläubige, von Herzen

Ihr

Pater Waldemar Schulz

Quelle: Gottesdienstordnung • Oktober 2018 • Priorat St. Klemens Maria Hofbauer • Wien