Stille Nacht - Zum 200-jährigen Jubiläum

21 Dezember, 2018
Quelle: Eucharistic Crusade

Oberndorf an der Salzach!

Diesen Ort zu besuchen, das ist wahrhaftig ein herzerhebendes Erlebnis! Den Ort, in dem erstmals das unsterbliche Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ erklang!

Erwartungsvoll wandert man neben der rauschenden Salzach dahin, bis eine Straßenabzweigung zu der 1937 geweihten Mohr-Gruber-Gedächtniskapelle führt. Sie steht an der Stelle der alten Sankt Nikolauskirche, die 1906 wegen dauernder Hochwassergefahr abgetragen wurde. Ihre Altäre und Gemälde wurden später der höher gelegenen, neuerbauten Pfarrkirche eingefügt.

Zur Weihnacht 1818 aber bestand noch die Nikolauskirche. Und da begab es sich nun, dass gerade vor den Festtagen die Orgel ihre weiteren Dienste verweigerte! Verstimmt in allen Tonlagen schien sie zur Begleitung weihnachtsfroher Lieder ganz ungeeignet. Deshalb kam dem jungen Hilfspriester Joseph Mohr der Gedanke, einmal eine Begleitung mit Gitarre zu versuchen!

Am besten wäre es wohl, ein ganz neues, einfaches Weihnachtslied zu erdenken, ein richtig volkstümliches Lied, zu dem die zarten Gitarrenklänge dann auch passen müssten!

Der musikalisch tüchtige Mohr sprach über diese Idee mit seinem Freund, dem Lehrer und Organisten Franz Xaver Gruber, der sich schon mehrmals erfolgreich im Komponieren versucht hatte. Der war für das Vorhaben gleich zu gewinnen, und so verabredeten die beiden, zum Feste der hochheiligen Weihnacht etwas ganz Neues gemeinsam zu schaffen!

Der junge Priester verfasste also knapp vor der Weihnachtsfeier in der Sternstunde seines armen Lebens den Text für das neue Lied und überbrachte die rührend einfachen, frommen Strophen am 24. Dezember seinem Lehrerfreund.

Dem gefielen die Verse so gut, dass er sich sogleich mit ihrer Vertonung befasste; und schon am Heiligen Abend selbst konnte er dem geistlichen Dichter das fertige Lied „Stille Nacht, heilige Nacht” überreichen. Es war für zwei Solostimmen und Chor mit Gitarrebegleitung gesetzt: genauso wie Mohr es sich vorgestellt und erbeten hatte!

An diesem denkwürdigen 24. Dezember 1818 wurde also das ewig schöne Lied uraufgeführt! Mohr sang die Tenorstimme, Gruber den Bass und der Kirchenchor die Schlussverse. Mohr hatte überdies die Begleitung auf der Gitarre übernommen.

Die Gläubigen hörten mit Überraschung die andächtigen Worte und die einschmeichelnde Weise des ganz neuen Liedes. Diese Mitternachtsmette blieb allen Anwesenden in Erinnerung, und die beiden Schöpfer der „Stillen Nacht“ wurden mit viel Anerkennung und Lob bedacht und bedankt.

Wie aber wurde denn dies Lied so rasch in aller Welt bekannt?

Eigentlich ja doch ein völlig unbedeutendes, ja künstlerisch sogar wertloses Lied, wie Kritiker, Neider und Nörgler bald feststellten. Ein Lied, das in keiner Weise den strengen Gesetzen der Dichtkunst und der Harmonielehre entsprach!

Und doch eroberte es Volk und Land? Das kam so!

Die gute, alte Orgel war in jener unvergessbaren Heiligen Nacht 1818 verstummt. Lehrer Gruber bemühte sich daraufhin um ein neues Orgelwerk, das endlich 1825 von dem Orgelbaumeister Karl Mauracher aus Fügen im Zillertal eingebaut werden konnte. Der musikkundige Tiroler bekam während seines Oberndorfer Aufenthaltes die „Stille Nacht“ zu hören und nahm nach Beendigung der Arbeiten an der Orgel das Lied in seine Heimat mit.

Dort wieder hörten die Geschwister Strasser das innige Weihnachtslied, das sie bei ihren Geschäftsreisen — sie gehörten einer Handschuhmacherfamilie an — da und dort zum besten gaben. Man nimmt an, dass die vier Geschwister die „Stille Nacht” erstmals 1831 zu Leipzig sangen. Als Tiroler Volkslied machte die Weise ihren Weg durch Deutschland. Mohr und Gruber waren vergessen!

Das Weihnachtslied aus Oberndorf wurde zum Lieblingslied des Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, und alljährlich zur Weihnachtszeit musste es ihm vom Domchor vorgetragen werden.

Durch verschiedene andere Sängergruppen weiter verbreitet, gelangte die Komposition sogar nach Amerika, wo sie als „Choral of Salzburg” zu hören war.

Erst eine Anfrage der Hofkapelle aus Berlin, ob Michael Haydn der Schöpfer des Liedes sei, ließ in Österreich aufhorchen und Nachforschungen anstellen, wo und durch wen denn eigentlich die „Stille Nacht” entstanden sei! In einer langen Folge von Erhebungen und Studien kam man endlich auf die eigentlichen Schöpfer Mohr und Gruber und verhalf ihnen zu späten Ehren.

Inzwischen ging und geht das „Stille Nacht”-Lied Jahr für Jahr um die Welt! Ein wahres Volkslied! Ein echt österreichisches Lied! Und das ewig junge Weihnachtslied!

Quelle: Jolanthe Haßlwander aus „Die liebe Weihnachtszeit“