Vor 40 Jahren wurde der erste Österreicher unserer Bruderschaft zum Priester geweiht

29. Mai 2021
Quelle: Distrikt Österreich

Ein Bericht von der Primiz des Neupriesters P. Johannes von Walderdorff FSSPX in Enns 1981 - Verfasst von Hw. Kanonikus Josef Haslinger aus Seekirchen, abgedruckt in den Salzburger Nachrichten von 22. Juli 1981.

„Nicht in der nur 100 Personen fassenden Ennsegger Schloßkapelle, sondern im ausgedehnten Schloßhof fand am 11. Juli 1981, auf einer errichteten Tribüne unter freiem Himmel der feierliche Primizgottesdienst des am 27. Juni in Zaitzkofen, 30 km südlich von Regensburg, von Erzbischof Lefebvre geweihten Grafensohnes Johannes Walderdorff (25) statt, an dem über 1000 Personen aus nah und fern teilnahmen, unter denen auch ich neben mehreren geistlichen Würdenträgern, auf Sitzen der Ehrengäste nahe der Tribüne teilnehmen durfte.

Das gesungene Hochamt, das der Primiziant in Gegenwart des Erzbischofs mit großer Assistenz hielt und das im vorkonziliaren Ritus mit genau eingehaltenen Zeremonien bei heißer Sonne gehalten wurde, dauerte volle zwei Stunden. Das Volk sang die Missa de Angelis im gregorianischen Choral mit einigen deutschen Kirchenliedern anhand von gedruckten Behelfen mit Text und Musiknoten. In der französischen Predigt, die von einem jungen Priester abschnittsweise deutsch wiedergegeben wurde, verglich der Erzbischof das Leben des Priesters mit dem Vollzug des Hl. Meßopfers, wobei er Parallelen zog zwischen Ausbildung und Wortgottesdienst, der Ganzhingabe in der einfachen, zölibatären Lebensführung mit der Opferung, seiner liebenden Hingabe an die Welt mit der liebenden Hingabe des Herrn im Opfermahl, der Hineinnahme der säkularisierten Welt in das Sakrale mit dem Schlußsegen des Priesters. Drei Priester spendeten während zwanzig Minuten die Hl. Kommunion an die Gläubigen aus. Es gab keine einzige Handkommunion.

In der Predigt des Erzbischofs war kein Wort des Ressentiments über erlittenes Unrecht gefallen, vielmehr betonte der Erzbischof seine Treue zu Papst und Kirche und forderte zum Gebet für die Genesung des Papstes auf. Doch betonten einige Teilnehmer bei der Befragung durch Journalisten, daß sie die Suspension des Erzbischofs für schreiendes Unrecht halten, nachdem andersgläubigen Christen oder sogar Moslems gestattet werde, in katholischen Kirchen ihre Gottesdienste zu halten. Einer davon bemerkte: Hoffentlich braucht es nicht wie bei Savonarola - von dessen Ketzerverbrennung bis zu seiner Rehabilitierung im Urteil der Geschichte von heute – auch 500 Jahre, bis dem grundehrlichen, tapferen Lefebvre die Kirche ihre Versöhnung und volle Anerkennung seiner Arbeit zuteil werden lässt.

Das war das feierliche Hochamt in Enns. Am Sonntag zuvor hatte bereits P. Johannes Walderdorff in seiner Heimatpfarre Bruckmühl in Oberösterreich Primiz gefeiert: Am Ortseingang, vor einem schön geschmückten Triumphbogen, begrüßten der Bürgermeister der Gemeinde, die Kommandanten beider Feuerwehren und der Stabführer der Musikkapelle den Primizianten. Kinder sagten ein Begrüßungsgedicht auf. Anschließend wurde der Neupriester in festlichem Zug zur Pfarrkirche geleitet. Die Musik spielte, Böllerschüsse wurden abgegeben, die Glocken läuteten in vollem Klang. Über ausdrücklichem Wunsch der Bevölkerung und durch das freundliche Entgegenkommen des Ortspfarrers durfte P. Walderdorff am Hochaltar der Pfarrkirche sein feierliches Primizopfer darbringen. Der Kirchenchor sang eine schöne polyphone lateinische Festmesse, die ausnehmend große Kirche war mit Gläubigen überfüllt, wie es seit Jahrzehnten nicht mehr der Fall war.

Die Sommerwochen waren für unseren Primizianten sehr anstrengend: An vielen Orten Österreichs hielt er zur großen Freude des treuen, gläubigen Volkes Nachprimizfeiern ab, so in Wien, Straning, Graz, Klagenfurt, Straßwalchen, Salzburg und Innsbruck. Zusätzlich predigte er zweimal, und zwar in Enns und Zaitzkofen, einwöchige Exerzitien. …“

Pater Walderdorff wirkte segensreich in Frankreich und Österreich, vor allem als Prior des Priorates St. Klemens Maria Hofbauer in Wien. Er verstarb nach langer Krankheit am 4. März 2018.

Quelle: Zeitschrift des Glaubenswerkes St. Severin, 1981 – Nr. 7., Enns.