Vorwort: 50 Jahre Kampf für das Sühneopfer

08 August, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Vorwort des Distriktsoberen aus dem Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • August 2019

50 Jahre Kampf für das Sühneopfer

Liebe Freunde und Wohltäter!

Mit der Einführung der Neuen Messe begann auch der Kampf für die Rettung der „alten“. Die kirchlichen Obrigkeiten waren vom entschiedenen Willen beseelt, die überlieferte Liturgie auszumerzen und überall den Novus Ordo trotz vielfältigen Widerstands durchzuboxen.

Für Erzbischof Lefebvre und seine Mitstreiter ging es um die Rettung des hl. Messopfers vor dessen Zerstörung. Es mag auf den ersten Blick hart erscheinen, so zu urteilen. Doch sie waren beileibe nicht die einzigen, die diese dramatische Feststellung machten. Eine Reihe von Kardinälen, Bischöfen und Theologen haben sich ähnlich geäußert. Kardinal Ratzinger, der nachmalige Papst Benedikt, sprach einmal die klaren Worte, die liturgische Reform habe nicht eine Wiederbelegung bewirkt, sondern Verwüstung und Verfälschung![1]

Was der hl. Messe gleichsam den Todesstoß versetzt hat, war die faktische Zerstörung ihres Sühnecharakters. Damit wurde ihr Wesen selbst getroffen. Denn die hl. Messe ist ja wesentlich die sakramentale Vergegenwärtigung des sühnenden Kreuzesopfers Christi auf Kalvaria. Das war früher völlig klar, ein eindeutiges Dogma des Konzils von Trient. Seit der Urkirche hat niemand daran gezweifelt (außer den Protestanten). Jedes Kind hat dies gelernt.

Das wird heute abgestritten, gegen jede Evidenz! Dabei war es doch der Hauptgrund, warum die zweite göttliche Person als Mensch überhaupt auf die Welt gekommen ist, um nämlich am Kreuz für uns zu sterben zur Sühne für unsere Sünden. Dieses unendlich kostbare Sühneopfer soll nach seinem Willen täglich erneuert werden für die täglichen Sünden der ganzen Welt.

Doch davon will man heute nichts mehr wissen. Vielmehr erregt der Ausdruck Sühneopfer bei gewissen Prälaten offenkundigen Widerwillen. In einem 1978 veröffentlichen Buch von 15 französischen Bischöfen, darunter drei Kardinälen, kann man lesen: „Man hat gesagt, dass das Messopfer zur Sühne eingesetzt wurde; Sühne, was für ein schreckliches Wort!“ Es stelle eine mittelalterliche Idee dar, die aus Gott Vater ein Scharfrichter mache, der seinen Sohn schlachten wolle und dessen Blut er brauche.[2] Solche direkt lästerlichen Aussagen stehen in schroffen Gegensatz zur Heiligen Schrift: „Verwirft man den Begriff des Sühneopfers, so bleibt nichts anderes mehr übrig, als alle Briefe des hl. Paulus ins Feuer zu werfen.“[3]

In diesem Geist aber ist die Neue Messe fabriziert worden. Man hat sämtliche Gebete aus ihr entfernt, die auf die Sühne so wunderbar hingewiesen haben. Sie sind nicht mehr da! Wir haben es in der neuen Messe nur noch mit einem Gedächtnismahl zu tun, in dem man sich an das erinnert, was Jesus für uns getan.

Das ist das Drama, darin besteht die Zerstörung! – Warum? Was ist mit Sühneopfer überhaupt gemeint?

Wenn wir sagen: Jesus ist für uns am Kreuz gestorben und hat für uns Sühne geleistet, dann bedeutet dies: Er hat uns mit Gott versöhnt und für alle Sünden der Menschen genuggetan, indem er sie auf sich geladen und durch sein heiliges Leiden und Sterben Ersatz geleistet hat.

Die Sünde ist das große Hindernis, das uns von Gott trennt, uns strafwürdig macht, und bewirkt, dass leider so viele in die Hölle kommen. Die Sünden türmen sich zu einem Damm auf, der die Flut der Gnade und Liebe Gottes zurückhält. Dieser Damm musste vernichtet werden, was durch die Sühneleistung Christi am Kreuz geschah. Das gilt für einen jeden Menschen. Leider sündigen wir jeden Tag, „selbst der Gerechte fällt siebenmal am Tag“[4], und dieser Damm muss „weggesühnt“ werden. Genau das geschieht in der hl. Messe, weil sie die große Sühneleistung am Kreuz vergegenwärtigt.

Wie wunderbar diese sühnende Kraft Christi in der hl. Messe wirkt, sei nun im einzelnen beleuchtet:

Wirkungen des Sühneopfers

1) für die schweren Sünder

Was geschieht, wenn jemand, der mit schweren Sünden beladen ist, aufrichtigen Herzens zur hl. Messe kommt? Jesus nimmt ihn liebevoll auf und schenkt ihm das, wessen er am dringendsten bedarf, die Gnade der Umkehr und der Reue. Er muss ja zuerst bereuen, damit ihm die Sünden nachgelassen werden können.

Folgender Einwand könnte vorgebracht werden: Das geschieht doch eigentlich auch in der Beichte. So einfach ist das nicht. Viele Sünder wollen ja gar nicht bereuen, wollen ihr Leben nicht bessern, und können es oft nicht, da sie an die Sünde gefesselt, „Sklave der Sünde“[5] sind. Diese Fesseln zu sprengen bewirkt erst die Sühnekraft der hl. Messe. Nachfolgend angeführte Geschichte belegt diese wichtige Wahrheit auf eindrückliche Weise.

Nicht immer erlangt der Sünder durch einen Messbesuch die Gnade der Reue, sondern erst nach und nach, da er ja zunächst der Gnade widerstehen kann. Leider kommen allzu viele Sünder erst gar nicht in die Messe. Es gehört darum zu unserer Pflicht, für diese Sünder die hl. Messe aufopfern oder Messen lesen lassen. Dies ist das kräftigste Mittel zu ihrer Bekehrung. Die Sühnekraft macht vor keinem Sünder halt, Jesus geht jedem verlorenen Schaf nach.

2) für die lässlichen Sünder

Diesen wird die Gnade einer tieferen Reue geschenkt. Durch diese Gnade werden uns sämtliche lässlichen Sünden getilgt. Unser Problem ist ja, dass wir oft gar nicht recht bereuen, wir wollen gegen schlechte Gewohnheit nicht ankämpfen, unsere lässlichen Sünden sind uns zuweilen so ziemlich egal. Das kränkt Gott sehr, auch die lässlichen Sünden sind in den Augen Gottes überaus hässlich. Wie sehr dürfen wir dem Heiland danken, wenn Er in der hl. Messe für uns sühnt und uns so die Gnade einer tieferen Einsicht und Reue erwirkt und damit vollständige Tilgung aller Sünden!

3) Tilgung von Sündenstrafen

Die Sündenstrafen werden getilgt je nach der Qualität unserer Reue, mehr oder weniger! Wer bemüht ist, der hl. Messe mit bestmöglicher Andacht und Reue zu folgen, darf gewiss sein, dass ihm (nahezu) alle Sündenstrafen nachgelassen werden. Wie einfach will es uns der Heiland machen, wenn wir nur das hl. Messopfer schätzen! Es ist nicht sein Wille, im Jenseits zu strafen, sondern er will uns gleich in die ewige Umarmung im Himmel aufnehmen.

4) Abwendung vieler verdienter Strafgerichte

Das Übermaß der Sünden und Verbrechen in der heutigen Zeit hätte Gottes Strafgerechtigkeit schon längst herausgefordert. Das widernatürliche himmelschreiende Laster etwa wird nicht nur geduldet, sondern gutgeheißen, angepriesen, staatlich gefördert und öffentlich zelebriert – ohne dass über die europäischen Städte ein Schwefelregen fällt, wie es im Falle von Sodoma und Gomorrha geschehen ist.

„Ich bin überzeugt, dass ohne die hl. Messe die Welt schon längst untergegangen wäre, weil sie die schwere Last so vieler Sünden nicht hätte tragen können“, sagte der hl. Leonhard von Porto Maurizio.

5) in der hl. Messe teilt uns Jesus seinen Opfergeist mit

Das christliche Leben der Nachfolge Christi fordert von uns viele Opfer. Treu bleiben heißt kämpfen. Die Kraft dazu schöpfen wir in der hl. Messe. In ihr vereinigen wir uns mit Jesus und seinem Opfer. Er schenkt uns sogar eine heilige Freude, gerne die von Gott gewünschten Anstrengungen auf uns zu nehmen, um Ihm zu gefallen und Seelen zu retten.

Wenn wir all das bedenken, können wir nicht anders als dankbar sein. Wir werden durch die hl. Messe mit allen Gütern überreich beschenkt, wobei in unserer Betrachtung bloß ein Aspekt der unfassbaren Reichtümer des heiligsten Sakramentes zur Sprache kam.

Möge die Gottesmutter uns helfen, diese Reichtümer immer besser zu erfassen und zu lieben, zu verteidigen und bekannt zu machen!

Mit priesterlichem Segensgruß

Ihr Pater Stefan Frey

Quelle: Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • August 2019

 

[1] „Die liturgische Reform hat sich in ihrer konkreten Ausführung von diesem Ursprung immer mehr entfernt. Das Ergebnis ist nicht Wiederbelebung, sondern Verwüstung. Auf der einen Seite steht eine zur Show degenerierte Liturgie, in der man die Religion mit modischen Mätzchen … interessant zu machen versucht, mit Augenblickserfolgen in der Gruppe der Macher und mit einer nur um so breiteren Abwendung von Seiten all derer, die in der Liturgie nicht den geistlichen Showmaster suchen, sondern die Begegnung mit dem lebendigen Gott, vor dem unser Machen belanglos wird und dem zu begegnen allein den wahren Reichtum des Seins erschließen kann. … An die Stelle der gewordenen Liturgie hat man die gemachte Liturgie gesetzt. Man ist aus dem lebendigen Prozeß des Wachsens und Werdens heraus umgestiegen in das Machen. Man wollte nicht mehr das organische Werden und Reifen des durch die Jahrhunderte hin Lebendigen fortführen, sondern setzte an dessen Stelle – nach dem Muster technischer Produktion – das Machen, das platte Produkt des Augenblicks. Dieser Verfälschung hat sich Gamber mit der Wachheit eines wirklich Sehenden und mit der Unerschrockenheit eines rechten Zeugen entgegengestellt…“  (Kard. Ratzinger, in der Gedenkschrift für Klaus Gamber, „Simandron – der Wachklopfer“ von W. Nyssen, 1989) 1    Bischöfe sprechen über den katholischen Glauben“, Éditions de Cerf; zitiert in: Marcel Lefebvre, Das Opfer unserer Altäre, S. 232

[2] „15 Bischöfe sprechen über den katholischen Glauben“, Éditions de Cerf; zitiert in: Marcel Lefebvre, Das Opfer unserer Altäre, S. 232

[3] idem

[4] Spr 24,16  

[5] Joh 8,34

Die Sühnekraft der hl. Messe

Der heilige Paulus Simplicius war ein hochangesehener Einsiedler, hatte von Gott die Gnade empfangen, die Geheimnisse der Herzen zu erkennen. Er sah die reinen Seelen er in lichtem Glanz, die sündigen finster und dunkel. Sonntags stellte er sich vor die Kirchentüre. Kam einer mit Sünden behaftet, so offenbarte er ihm die Fehler im geheimen und ermahnte ihn zur Besserung.

Als er wieder einmal vor der Kirche stand, kam ein Mann mit finsterem Antlitz daher, und Paulus sah auf beiden Seiten Teufel, die ihn mit Ketten gebunden hielten. Der Schutzengel kam von ferne nach und ging traurig einher.

Der fromme Einsiedler war ganz erschüttert ob des elenden Zustands dieses armen Sünders. Nach der hl. Messe traf er ihn erneut vor der Kirche. Aber welche Änderung! Dessen Gesicht war nun ganz verklärt, und sein Schutzengel ging mit großer Freude neben ihm; die Teufel aber schlichen von ferne nach. Da sprang Paulus vor Freude auf und rief: »O unaussprechliche Güte Gottes!« Er stellte sich auf die Stiege und sagte: »Kommt, ihr Brüder, und staunt über die Wunder Gottes; höret, was sich zugetragen hat. Diesen Mann sah ich ganz schwarz und von Teufeln umringt zur Kirche gehen. Als er wieder herauskam, war er ganz schön, und sein Engel ging freudig neben ihm.«

Dann ermunterte er den Mann: »Gib Gott die Ehre und offenbare uns doch dein Inneres!« Dieser verkündete allen: »Ich bin ein großer Sünder und habe lange Zeit in Unzucht gelebt. Soeben habe ich aber in der Epistel die Worte des Propheten Isaias gehört: Waschet, reinigt euch, entfernt eure bösen Gedanken vor meinen Augen; wenn eure Sünden so rot wie Scharlach wären, sollt ihr weiß werden wie Schnee. Da rief ich zu Gott: O Herr, der Du in die Welt gekommen bist, die Sünder zu retten, erfülle diese Deine Verheißung an mir armen Sünder! Mit solchen Gedanken beschäftigte ich mich während der ganzen heiligen Messe und sagte: Herr, ich verspreche Dir, diese Übel nie mehr zu begehen; nimm mich armen Sünder auf in dieser Stunde! Mit diesem Versprechen verließ ich die Kirche.«

Dieses Ereignis machte auf alle natürlich einen gewaltigen Eindruck, und die Nachricht davon verbreitete sich in Windeseile.

(Martin von Cochem, die Erklärung des hl. Messopfers, Freiburg 1965, S. 228)