Vorwort: Dein Kleid spricht … erbaut oder verführt, ehrt oder erniedrigt

02 Juli, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Vorwort des Distriktsoberen aus dem Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • Juli 2019

Dein Kleid spricht … erbaut oder verführt, ehrt oder erniedrigt

Liebe Freunde und Wohltäter!

Jeder von Ihnen, der in Italien schon einmal eine Kirche betreten hat, weiß um die Kleiderregeln, die sowohl von männlichen wie auch weiblichen Personen eingefordert werden. In Schrift oder Graphik wird Besuchern unmissverständlich klargemacht, dass auf angemessene Kleider allergrößter Wert gelegt wird. Ärmellose Oberteile, ebenso Hosen, die nicht bis zu den Knöcheln und Röcke, die nicht über die Knie reichen, werden nicht geduldet. Frauen wird allenfalls ein Tuch gereicht, womit sie freie Schultern und Oberarme bedecken können.

Die Ehrfurcht vor dem Heiligtum, vor den Mitmenschen und vor sich selbst muss sich in entsprechend geziemender Kleidung ausdrücken. Damit stehen wir mitten in einem Thema, das zu den heikelsten und emotionsgeladensten gehört, das ein Priester ansprechen kann und zuweilen auch muss. Wir leben leider in einer Zeit, die die Tugend der Ehrfurcht vor Gott und der Würde seiner Kinder ziemlich radikal ausgemerzt hat. Und das macht sich nur allzu deutlich in der modernen Kleidung bemerkbar. Der Christ muss sich den Herausforderungen der jeweiligen Zeit stellen. Immer schon wurde von ihm der Mut zum Zeugnis verlangt. Heutzutage schließt dieses Zeugnis aber mehr denn je auch die Art des Sich-Kleidens mit ein.

Unsere Liebe Frau von Fatima wies vor 100 Jahren darauf hin, wie Jacinta berichtet: „Die Sünden, die die meisten Seelen in die Hölle stürzen, sind die Sünden gegen die Keuschheit. Es werden Moden aufkommen, die unseren Herrn sehr beleidigen werden. Die Personen, die Gott dienen, dürfen diese Moden nicht folgen.“

Da die Gottesmutter in die Zukunft verweist, waren mit den schamlosen Moden nicht die damaligen Zeiten gemeint. In der Tat brachten erst die kulturrevolutionären Umtriebe der 1950er und vor allem der 60er Jahre auch eine Revolution der Kleidung mit sich, die sich über alle Grenzen der Schamhaftigkeit, des Anstandes und Respekts hinwegsetzte. Die deutlichen Worte „sehr beleidigen“, weisen darauf hin, dass in diesem Bereich sehr wohl schwere Sünden möglich sind.

Kriterien für geziemende Kleidung

Wir sind Kinder unserer Zeit. Das gesunde Empfinden und der Sinn für das Schickliche kann abstumpfen, wenn man sich jahrelang die vorherrschende schamlose Mode mit ansehen muss. Man gewöhnt sich einfach daran. Das bedeutet aber nicht, dass damit das Verwerfliche unbedenklich wird oder das Schickliche veraltet ist. Es gibt objektive Kriterien, nach denen sich jede Mode richten muss. Nennen wir hier die wichtigsten:

1) Schamhaftigkeit

Adam und Eva wurden sich erst nach dem Sündenfall bewusst, dass sie nackt waren. Seither leiden alle Menschen an den Folgen der Erbsünde. Ein Mann wird schnell zur Begierlichkeit gereizt, wenn er eine Frau sieht, deren Kleidung die körperlichen Reize nur unzulänglich verhüllt. Darum wird gerade er vom Heiland gemahnt: „Wer eine Frau lüstern ansieht, hat schon Ehebruch in seinem Herzen begangen“ (Mt 5,28). Oft sind sich die Frauen gar nicht bewusst, welch starke Signale von ihrer knappen Kleidung ausgehen, und darin besteht ihre erbsündliche Schwäche einer leichtsinnigen Eitelkeit. Sie sind indes nicht unverantwortlich für die Versuchungen und Sünden, die sie bei anderen – bewusst oder unbewusst – provozieren. An sie ergehen deshalb die mahnenden Worte des hl. Paulus: „Die Frauen sollen mit züchtigem Gewand schamhaft und bescheiden sich schmücken und mit edlem Anstand“ (1 Tim 2,9).

Die Frau hat die Macht, den Mann sehr stark beeinflussen zu können – in die eine oder andere Richtung: Trägt sie eine Kleidung, welche die Körperformen hervorhebt, auch wenn diese bedeckt bleiben, lenkt sie den Blick des Mannes auf das Sinnlich-Körperliche an ihr. Eine verhüllende und doch geschmackvolle Kleidung dagegen lässt an ihr ihren seelischen Adel und ihre Geistigkeit, ja auch ihre Beziehung zu Gott aufstrahlen. Ihre Kleidung ist nicht neutral: Sie kann zur Sünde verführen, sie kann aber auch erbauen, den Geist erheben und zur Tugend ermuntern. Die Kraft des Beispiels kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, was in abgewandelter Form auch von der Kleidung des Mannes gilt.

2) Ausdruck der geschlechtlichen Identität

Die Kleidung gehört wie der Körper zur Identität des Menschen, insofern sie sichtbarer Ausdruck seiner unsichtbaren Tiefe und des inneren Wesens ist. Man kann sie darum nicht als etwas nur Sekundäres und Belangloses abtun. Die Feinde des Menschengeschlechts wissen das und machen es sich zunutze. Die Genderideologen leugnen jegliche naturgegebenen Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Wen wundert es, dass sie deshalb auch alle geschlechterspezifischen Unterschiede in der Kleidung ausmerzen wollen? Als Frauen begannen, Männerkleidung zu tragen, stellte dies mit dem Aufkommen des Feminismus eine Protesthaltung gegen die angebliche Männerdominanz dar. In der Genderwelt wird sie nun zum Protest gegen die Schöpfungsordnung Gottes. Gott hat ja die Menschen nun einmal als Mann und Frau erschaffen. In ihrer jeweiligen Eigenart sind sie verschiedenartige Ebenbilder Gottes, die sich im gesellschaftlichen Leben gegenseitig ergänzen und bereichern. In allen Kulturen der Menschheitsgeschichte haben diese Eigentümlichkeiten der Geschlechter ganz natürlich in der der je typischen Männer- und Frauenkleidung Ausdruck gefunden. „Eine Frau soll nicht Männerkleidung, und ein Mann nicht Frauenkleidung anziehen. Denn wer solches tut, ist vor Gott ein Gräuel“ (Deut 22,5). Lassen wir uns also nicht vor den Karren einer feindlichen Ideologie spannen, die es auf die Zerstörung der menschlichen Identität abgesehen hat!

3) Schönheit und edler Schmuck

„Die Kleidung des Menschen tut kund, was in ihm ist“ (Sir 19,27). Sind wir Tempel des dreifaltigen Gottes, soll dieser Tempel nicht nach außen in edlem Schmuck erstrahlen? Ist unsere Seele in der heiligmachenden Gnade Abglanz der Herrlichkeit Gottes, soll dies nicht in der bescheidenen Schönheit der Kleidung kundwerden? Hässliche, herabwürdigende Lumpen können nie gottgewollte Kleidung sein. Die Ehrfurcht verbietet es uns, abgewetzte, ausgewaschene oder gar zerrissene Jeans oder unansehnliche „Säcke“ zu tragen. Wenn das Schöne und Edle schon immer als Ausstrahlung des Wahren und Guten galt, so verrät der heutige Kult des Hässlichen und Ordinären seine Herkunft aus dem Laster und dem Irrtum.

Die strapazierfähigen Jeans waren übrigens ursprünglich die typische Kleidung der Arbeiterwelt. Und dort gehören sie auch hin. Selbstverständlich sind je nach Lebenslage unterschiedliche Anforderungen an die Kleidung gestellt. Man darf und muss zwischen Arbeitsplatz, Turnhalle und Kirche unterscheiden können. In der Kirche erscheinen wir vor dem Allerheiligsten in angemessen feierlicher Sonntagskleidung! An Werktagen darf es etwas einfacher sein. Doch Sportbekleidung, Turnschuhe und Jeans entsprechen nicht der Heiligkeit des Gotteshauses.

Konkrete Regeln

Aus den angeführten Kriterien ergeben sich konkrete Regeln, wie sie stets in verschiedener Weise in der traditionellen Kleidung der unterschiedlichsten Völker Anwendung fanden, und eben noch heute in der Kleiderordnung in italienischen Kirchen. Folgende Regeln seien Ihnen eindringlich ans Herz gelegt: Für Frauen geziemen sich Röcke, die beim Sitzen die Knie bedecken. Für Männer geziemen sich lange Hosen. Knielange Bermudas kann man sich in der Freizeit erlauben. Enganliegende und somit körperbetonte Kleidung entspricht nicht der christlichen Sittsamkeit, ebenso wenig durchsichtige Stoffe, weite Ausschnitte, hohe Rockschlitze etc.

Für den Kirchbesuch achte man auf edle, schöne Kleidung, wie man sie auch bei einem feierlichen Empfang trägt, werden wir doch vom König der Könige empfangen! Man vermeide aber jegliche übertriebene Prachtentfaltung. T-Shirts sind im Gotteshaus auch bei großer Hitze unschicklich. Wenigstens trage man ein Hemd bzw. eine Bluse, die den größeren Teil des Oberarms bedecken.

Andererseits warnen wir ausdrücklich davor, neu zu uns stoßende Gläubige auf unschickliche Kleidung anzusprechen und sich die Rolle der Sittenpolizei anzumaßen. Wirken wir auf die Änderung der Herzen hin, dann ändert sich auch nach und nach das äußere Erscheinungsbild.

Christliches Selbstbewusstsein

Sind wir verpflichtet, uns der Tyrannei der Mode zu unterwerfen? Dürfen wir Christen nicht auch unseren heiligen Stolz haben und uns so kleiden, wie es Gotteskindern geziemt, eingedenk der Heiligkeit Gottes, vor dem wir wandeln und der in uns wohnt? Der Wüstenheilige Charles de Foucauld prägte das Wort: „Was den heutigen Christen abgeht, ist nicht so sehr die Demut, sondern der heilige Stolz!“ Und der Mut zum Zeugnis! Ich möchte den zahlreichen Gläubigen mein aufrichtiges Lob aussprechen, die diesen Mut aufbringen, vor allem den Frauen, die konsequent den Rock tragen und auf sittsame Kleidung achten. Bravo, weiter so! Die Welt braucht dieses Zeugnis! Heute mehr denn je. Schauen wir auf die Heiligen. Sie mögen uns die Kraft zum Zeugnis des guten Beispiels geben!

Mit priesterlichem Segensgruß

Ihr Pater Stefan Frey

Quelle: Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • Juli 2019

Gedanken zu Kleidung und Mode

Hl. Apostel Paulus

„Bringt euren Leib als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer dar. So verrichtet ihr einen geistigen Gottes­dienst. Macht euch nicht dieser Welt gleichförmig, sondern wandelt euch um durch Erneuerung eures Sinnes, um zu prüfen, was Gott wohlgefällig, was gut, geziemend und vollkommen ist“ (Röm 12,2).

Hl. Johannes Chrysostomus (345-407)

„Ihr behauptet, ihr würdet andere nie zur Sünde auffordern. Mit euren Worten tatet ihr es wirklich nicht, aber ihr habt es durch eure Kleidung und euer Benehmen getan... Wenn ihr einen anderen in seinem Herzen sündigen ließet, wie könnt ihr unschuldig sein? ...“

Papst Pius XII.

„Wenn Christinnen eine Ahnung hätten von Versuchung und Fall, die sie bei anderen verschulden durch Kleidung und Vertraulichkeiten, denen sie in ihrem Leichtsinn so wenig Bedeutung beimessen, sie würden erschrecken vor ihrer Verantwortung! Wir zögern nicht dem hinzuzufügen: Christliche Mütter, wenn ihr wüsstet, welche Zukunft innerer Nöte und Gefahren, schlecht verstandener Zweifel und schlecht verhaltenen Errötens ihr euren Söhnen und Töchtern bereitet mit eurer Unklugheit, sie an ein Leben leichter Bekleidung zu gewöhnen, durch das der angeborene Sinn für Schicklichkeit verloren geht, dann würdet ihr selber erröten und erschrecken vor der Schmach, die ihr euch selber antut, und vor dem Schaden, den ihr euren Kindern zufügt, die euch der Himmel zu christlicher Erziehung anvertraut hat“ (Ansprache vom 22.5.1941).

Hl. Padre Pio

Schon bei den Kindern sah Pater Pio darauf, daß die Kleidung der Menschenwürde entsprach. „Zieht ihn an wie einen Christenmenschen!“ forderte er die Eltern eines Jungen auf, die ihn in sehr kurzen Hosen umherlaufen ließen. Die Besitzerin eines Pariser Modesalons fiel aus allen Wolken, als ihr P. Pio in der Beichte sagte: „Ich kann dich nicht lossprechen, wenn du nicht versprichst, daß du die Kollektion Abendkleider, die du in deinem Geschäft auf Lager hast, aus dem Verkauf ziehst!“ „Aber Pater, die haben ein Vermögen gekostet, dann bin ich ruiniert!“ „Ich kann dir die Lossprechung nicht geben, denn du bist verantwortlich für alle Seelen, die durch diese Kleider in Gefahr kommen zu sündigen.“ Schweren Herzens versprach die Dame zu tun, was ihr geistiger Vater verlangte. „Aber ich weiß nicht, wie ich über diesen Verlust hinwegkommen soll, Pater. Bitte beten Sie für mich.“ Und das tat er auch. Als die Dame das nächste Mal nach San Giovanni Rotondo kam, erzählte sie, wie es ihr ergangen war: Sie hatte dem Wunsch des Paters entsprechend die Abendkleider entfernt. Doch der Beichtvater hatte ihr außerdem noch aufgetragen: „In dein Geschäft müssen Heilige kommen!“ So hatte sie überlegt, wie sie das anstellen sollte. Nun entschloß sie sich, ihren Salon auf den Verkauf von Kostümen umzustellen, und jedes versah sie mit einer Aufschrift: dem Namen einer Heiligen. Strahlend erklärte sie, noch nie habe sie ein so gutes Geschäft gemacht. Der Verlust aus den abgelegten Abendkleidern war reichlich durch den Verkauf der Kostüme aufgehoben worden.