Vorwort: Die himmlische Liturgie - Kahlschlag gegen Engel und Heilige

30 April, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Vorwort des Distriktsoberen aus dem Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • Mai 2019

Die himmlische Liturgie - Kahlschlag gegen Engel und Heilige

Liebe Freunde und Wohltäter!

Seit Jahrzehnten erlebt die westliche Welt einen fortschreitenden Anstieg materiellen Wohlstandes, der aber unseligerweise mit einer ebenso kontinuierlichen geistigen Verarmung einhergeht. Darin liegt im Grunde das tiefste Drama der heutigen Zeit. Die materialistische Diesseitsbezogenheit ließen die Menschen vergessen, dass sie zuerst Geist, dann erst Materie sind, und darum nur im Geistigen, vor allem in Gott ihre Erfüllung und ihr Ziel finden. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.“

Seltsamerweise, aber wohl nicht zufällig, findet diese Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte ein frappierendes Abbild in der Liturgie der Kirche. Seit 50 Jahren wurde immer wieder die geistige Verarmung der neuen Messe bemängelt, in der all die Schätze, welche die Menschen wahrhaft bereichern und glücklich machen, zugeschüttet wurden und darum eine geistige Hungersnot auslösten. Es sei hier in der Folge auf einen der tragischsten Verluste hingewiesen: die Tatsache der Gemeinschaft der Heiligen.

Himmel und Erde vereint

Die höchste Auszeichnung der Menschen hier auf Erden und gleichzeitig ihr tiefster Trost besteht darin, am hl. Messopfer teilnehmen zu dürfen. Die Liturgie ist wesentlich der feierliche Gottesdienst des ganzen mystischen Leibes Christi. Himmel und Erde verbinden sich, um im Opfer Christi den dreifaltigen Gott aufs vollkommenste zu lobpreisen. Wir arme Erdenbürger reihen uns – zwar unsichtbar, aber ganz wahrhaftig – in die Scharen der Engel und Heiligen ein, um das vorwegzunehmen, was im Himmel unsere ewige glückselige Beschäftigung sein wird. Zudem vereinigen sich alle Himmelsbewohner mit unseren Gebeten, auf dass durch die mystische Vergegenwärtigung des Erlösungsopfers unseres Heilandes sich ein überreicher Strom von Segen und Gnaden über die ganze Welt ergieße und die Seelen im Fegfeuer erquicke. Unter allen Heiligen nimmt naturgemäß die Mutter Gottes eine hervorragende Stellung ein. Als mächtige Fürsprecherin, Mittlerin und Mutter der Barmherzigkeit steht sie dem Priester und allen Gläubigen bei und wird in herrlichster Weise zu unseren Gunsten aktiv. Nirgends kommen wir Gott und dem Himmel so nahe wie in der hl. Messe.

Die Kirchenväter wurden nie müde, diese „schauererregenden Geheimnisse“ zu besingen und den Gläubigen in Erinnerung zu rufen:

„Wer von den Gläubigen möchte daran zweifeln, dass gerade in der Opferstunde auf die Stimme des Priesters hin die Himmel sich auftun, dass bei diesem Geheimnis die Chöre der Engel zugegen sind, daß Oben und Unten sich verbindet, dass Himmel und Erde sich vereinigt, Sichtbares und Unsichtbares eins wird?“ (Gregor d. Gr.).

„Es umringen in jenen feierlichen Augenblicken selbst Engel den Priester, und der Chor himmlischer Mächte stimmt ein, und sie erfüllen den ganzen Raum um den Altar, jenen zu verehren, der als Opfer daliegt“ (hl. Johannes Chrysostomos).

Bereits der hl. Paulus weist darauf hin, um die Christen vor einer Geringschätzung der Liturgie zu bewahren. Er erklärt ihnen, dass sie ja weit mehr erfahren als die Israeliten bei der eklatanten Gottesoffenbarung anlässlich der Gesetzgebung in der Wüste: „Ihr aber seid hinzugetreten zur Stadt des lebendigen Gottes, zum himmlischen Jerusalem, zu den unzähligen Engelsscharen, zur festlichen Versammlung der Erstgeborenen …, zu Gott, dem Richter über alle, zu den Seelen der vollendeten Gerechten, zu Jesus, dem Mittler des Neuen Bundes, und zu dem Blut der Besprengung, das mächtiger redet als das  des Abel“ (Hebr. 12,22ff).

„Diesseitskult“ der Liturgie

Umso verstörender ist es, dass diese für die Liturgie so wesentliche Darstellung der Gemeinschaft der Heiligen in der neuen Messe einen fast vollständigen Kahlschlag erlitten hat. Von den zahlreichen Erwähnungen und Anrufungen der heiligsten Jungfrau, der Engel und Heiligen in sämtlichen traditionellen Liturgien der Christenheit ist nur ein kümmerlichster, nichtssagender Rest geblieben. Entsprechend hat man alle Mühe angewandt, um das Gotteshaus als Abbild des „himmlischen Jerusalems, das wie eine Braut für ihren Bräutigam geschmückt ist“, in eine kalte Mehrzweckhalle zu verwandeln. Man scheute sich nicht einmal, dies offen zu fordern, wie der erstaunte Leser in den Rubriken des neuen Messbuchs es wiederholt antreffen kann: „Die Ausstattung der Kirche soll edel und einfach sein und nicht der Prachtentfaltung dienen.“ Sie soll „den Erfordernissen der heutigen Zeit entsprechen“ (?!) sowie „jenen Anforderungen, die mit Recht an Versammlungsräume (!!) gestellt werden“. Bezüglich der Heiligenbilder „soll man nur wenige Darstellungen … anbringen“ (Nr. 278ff, etc.).

Wie soll bitte der unbedarfte Kirchbesucher überhaupt noch auf die Idee kommen, sich in der hl. Messe mit himmlischen Realitäten zu verbinden, wenn er nichts, aber auch rein gar nichts davon hört oder sieht? Wie kann man sich hier des Eindrucks erwehren, dass ein satanischer Wille am Werk war, um die Kirche in ihrer erhabenen überirdischen Dimension zu zertrümmern und ihr keine andere Zielsetzung zu belassen, als soziale Gemeinschaftlichkeit und „edles“ Gutmenschentum zu fördern.

Liturgie als Höhepunkt der Marienminne

In Fatima forderte der Himmel Sühneleistung auch für alle Beleidigungen gegen das Unbefleckte Herz Mariens. Muss man da nicht auch an die Geringschätzung, wenn nicht gar Verachtung der Gottesmutter und der Heiligen[1] in der modernen Liturgie denken? Sei es uns darum eine Ehrenpflicht, gerade im Mai durch innige Marienminne ihr liebende Sühne zu leisten. Dies geschieht vorzüglich in der traditionellen Messe. Wie Martin von Cochem in seiner berühmten Messerklärung lichtvoll darlegt, wird die seligste Jungfrau im hl. Messopfer nicht nur aufs beste geehrt, sondern man bereitet ihr auch unermessliche Freude, da sie ihre ganze Freude darin findet zu sehen, wie der dreifaltige Gott verherrlicht wird und die Seelen ihrer Kinder gerettet und geheiligt werden.

Welch ein Schatz ist uns mit der hl. Messe in die Hände gelegt worden, aber auch welche Verpflichtung!

Ihnen einen gnadenreichen Marienmonat Mai wünschend, mit priesterlichem Segensgruß

Ihr Pater Stefan Frey

[1] Von den übriggebliebenen Heiligenfesten sind im neuen Messbuch die meisten fakultativ, sprich verpönt. Folgendes Zeugnis eines Kaplans ist diesbezüglich symptomatisch: Er kam sich als Übeltäter vor, wenn er es wagte, die hl. Messe zu Ehren des Tagesheiligen zu feiern und wurde vom Pfarrer zum Bischof geschickt, damit er sich für seine Untat entschuldige!

Quelle: Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • Mai 2019