Vorwort: Josef, Haupt der Hl. Familie

2019
Quelle: Distrikt Österreich

Vorwort des Distriktsoberen aus dem Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • März 2019

Josef, Haupt  der Hl. Familie

Autorität & Unterordnung im Widerspruch

Liebe Freunde und Wohltäter!

Göttliche und weltliche Dogmen

Seit Jahrzehnten gilt es als modern und aufgeklärt, gegen die Dogmen und Gebote der Kirche zu wettern. Die Dogmen seien starr, überholt und unterbänden selbständiges Denken; die Gebote engten ein und unterdrückten die persönliche Freiheit. Dabei übersehen unsere aufgeklärten Zeitgenossen, dass hinter dem angeblich so freien modernen Denken Ideologien stehen, die genauso ihre unverrückbaren Dogmen und Gebote haben. Mit dem Unterschied, dass letztere allzu oft tatsächlich in die Unterdrückung führen bzw. sich als gesellschaftszersetzend auswirken, während die göttlichen Dogmen und Gebote nichts anderes bezwecken, als die Menschen in Wahrheit frei zu machen, indem sie ihm als einzige Grenze den Irrtum und die Sünde setzen. Nehmen wir als Beispiel zwei korrelative Begriffe, an denen sich seit Jahrzehnten die Gemüter erhitzen: Autorität und Gehorsam.

Hierarchie oder Anarchie?

Die christliche Sicht ist völlig klar und entspricht ganz dem gesunden Menschenverstand: Keine Gesellschaft kann ohne Autorität und Gehorsam funktionieren, beides ist für jegliche gesellschaftliche Ordnung grundlegend und konstitutiv. Kein Staat, kein Betrieb, keine Schule, keine Familie oder sonst eine soziale Körperschaft kann auf Dauer ohne klare Führung erfolgreich bestehen. Führung gibt es aber nur durch Bevollmächtigung, eben Autorität. Und wer Führung sagt, meint auch Unterordnung und Gehorsam. Bereits die antiken Philosophen erkannten, dass jede gesellschaftliche Ordnung, unabhängig von der jeweiligen Regierungsform, eine Hierarchie, eine heilige Herrschaft darstellt, weil das Verhältnis zwischen Über und Unterordnung seine Begründung einzig in Gott findet.

Gott ist der souveräne Herr und König über seine ganze Schöpfung und will nur das Beste für sie. Wenn Er gewollt hätte, könnte Er allein alle Menschen und Gemeinschaften persönlich führen und ihnen beständig seinen Willen kundtun, mit spielender Leichtigkeit. Er wollte es aber nicht, da Er es liebt, durch Zweitursachen zu wirken, in unserer Frage durch menschliche Obrigkeiten. Ihnen verleiht Er Anteil an seiner unumschränkten Autorität, damit sie an Seiner Statt für die ihnen anvertrauten Gemeinschaften sorgen und ihnen mit bestem Wissen und Gewissen dienen.[1] Die Obrigkeiten sind also Stellvertreter Gottes, müssen ihr Tun Ihm gegenüber verantworten und einst dafür Rechenschaft ablegen, und zwar eine umso strengere, je höher sie standen. Würde hat immer mit Verantwortung zu tun.

Gottes Schöpfungsplan

Gott selbst spricht sich in der Hl. Schrift diesbezüglich unmissverständlich aus: „Ein jeder soll sich der obrigkeitlichen Gewalt unterordnen. Denn es gibt keine Gewalt, die nicht von Gott stammt“ (Röm 13,1). Und die göttliche Weisheit spricht: „Durch mich regieren die Fürsten und finden die Mächtigen das Recht“ (Spr 8,15f). Das gilt auch für die heidnischen Herrscher, denn Jesus verwies Pilatus dessen Selbstherrlichkeit: „Du hättest keinerlei Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre.“ Dass die Mächtigen für ihr Tun vor Gott gerade stehen müssen, bezeugt das Weisheitsbuch: „Wiewohl seiner Herrschaft Diener ihr seid, habt ihr unrecht regiert, seid nicht nach Gottes Willen gewandelt. So wird Er furchtbar über euch kommen, denn strenges Gericht wird an Herrschern vollzogen“ (Weish 6,4f).

Schlagworte der 68er

Die Frankfurter Schule, „Denkfabrik“ der 68er-Ideologie und der Kulturmarxisten, stürzte die in Gott begründete Gesellschaftsordnung radikal um. Deren Vertreter leugneten nicht nur die Rückbindung der Autorität in Gott, sondern verwarfen die Autorität als solche als in sich verwerflich, denn sie sei der Ursprung des Faschismus und jeglicher Tyrannei. Sich als Retter der Welt aufspielend, glaubten sie den neuen, freien Menschen in einer gerechten Gesellschaft schaffen zu können. In Wahrheit Stifter einer neuen säkularen Religion verkündeten sie neue Dogmen und Gebote: Im Namen der Emanzipation und Selbstverwirklichung, der Gleichberechtigung und Toleranz, der Kollegialität und Synodalität propagierten sie und ihre treuen Schüler (auch innerhalb der Kirche) antiautoritäre Modelle, die dann von den 68ern in allen gesellschaftlichen Bereichen, namentlich im Erziehungssektor umgesetzt wurden.

Tyrannei der political correctness

Die Frankfurter Freiheitsträume erfüllten sich jedoch in keinster Weise. Wie schon bei den Kommunisten anstelle des Paradieses einer klassenlosen Gesellschaft die schlimmsten je erlebten Tyranneien auf den Plan getreten sind, so entstanden auch durch die neomarxistische Kulturrevolution neue Herrschaftsstrukturen, die die „befreiten“ Menschen nicht minder knechten und die Gesellschaft zersetzen. Jeder ist frei, allen ist alles erlaubt, aber wehe jenen, die es wagen, gegen das unerbittliche Diktat des Mainstream und der politischen (oder kirchlichen) Korrektheit aufzubegehren! Wehe den Leugnern der neuen Dogmen! Wer heute das himmelschreiende Laster der Homosexualität öffentlich anklagt, wer die Migrationspolitik und die Islamisierung Europas, den menschengemachten Klimawandel oder die Genderideologie hinterfragt, wird als neuzeitlicher Häretiker an den Pranger gestellt und abserviert. Er wird kaltgestellt, und wenn es nicht anders geht, kaltgemacht! Die Antifa ist ja mittlerweile schon für öffentliche Mordaufrufe bekannt.

Der „Segen“ der neuen säkularen Religion

Nur Realitätsverweigerer können über das Ausmaß des gesellschaftlichen und kirchlichen Ruins hinwegsehen. Beispiele sind schnell genannt: Abermillionen von ermordeten ungeborenen Kindern, die heute fehlen, um den demographischen Kollaps aufzuhalten; unzählbare Scharen verführter, missbrauchter, seelisch verwundeter Kinder und Jugendlicher; die Schulabgänger, die im Schnitt einen historischen Tiefststand intellektueller und psychischer Reife aufweisen, so dass die Lehrbetriebe vielerorts händeringend nach überhaupt noch ausbildungsfähigen Jugendlichen suchen[2]; die Lehrer als burn-out-gefährdetste Berufsgruppe, weil sie ihrer Autorität beraubt wurden. Erwähnen wir schließlich die fast vollständige Auflösung aller religiösen, moralischen und kulturellen Werte, ob außerhalb oder innerhalb der Kirche. Der von Gott losgelöste, kulturell und national entwurzelte, psychisch angeschlagene und intellektuell unterbelichtete Mensch ist also der glorreich Erlöste der neuen säkularen Religion.

Die Hl. Familie als zukunftsweisendes Vorbild

Als Papst Leo XIII. im Jahre 1892 das Fest der Heiligen Familie für die Weltkirche einführte, wollte er ein unübersehbares Zeichen setzen gegen die zerstörerischen Machenschaften der Freimaurer, die er bereits zu seiner Zeit mit prophetischem Weitblick durchschaute und anprangerte. Die drei heiligsten Personen, Jesus, Maria und Josef, sollten nicht nur den Familien, sondern auch allen Gemeinschaften Vorbilder sein, weil sie aufs Vollkommenste jegliche gesellschaftliche Ordnung darstellen. Sie sollten allen Zuflucht in jeglicher Not sein, da sie allein ihnen den Segen und die Gnaden geben können, deren sie bedürftig sind. Und sie sollten ihnen Quelle des Friedens und wahrer Herzensfreude sein, die im Schoß ihrer Familie herrschten.

Der hl. Josef ist vollendetes Vorbild jeglicher Autorität und Vaterschaft. Als Haupt der Hl. Familie verstand er seine Autorität als göttlichen Auftrag, für seine Familie liebend zu sorgen und ihr zu dienen, was er in selbstloser Hingabe bis zum Heroismus tat. Autorität bedeutete für ihn prompter Gehorsam gegen Gottes Willen. Als der Engel Gottes ihm – eben dem Haupt – im Traum erschien und befahl: „Nimm das Kind und seine Mutter und zieh nach Ägypten“, zögerte er keinen Augenblick: „Da stand er auf, nahm bei Nacht das Kind und seine Mutter und zog nach Ägypten“ (Mt 2,13f).

Die hl. Maria war (und ist) nicht nur liebwerteste Mutter und beste Erzieherin, sondern ihrem Gatten auch treueste Gefährtin und Gehil­fin, ihm jederzeit gehorsam, sah sie sich doch nie anders als „die Magd des Herrn“, sie, die doch von Gott als Königin Himmels und der Erde bestimmt wurde.

Am meisten bewundernswürdig ist der Jesusknabe. Welch ein Beispiel schönster ehrfürchtiger Kindesliebe und vollendeten Gehorsams! Obwohl Herr der Herren, König der Könige, heißt es von Ihm: „Er war ihnen untertan (!).“ Genau deswegen ist der Sohn Gottes in die Welt gekommen: „Er wurde gehorsam, ja gehorsam bis zum Tod am Kreuz.“ So sollte Er die Welt erlösen und alle Rebellion gegen Gott sühnen. Wir alle sind berufen, Ihm nachzufolgen in seinem Gehorsam und in seiner Ehrfurcht vor jeglicher legitimen Autorität. So leisten wir nicht nur für unsere eigenen Sünden Sühne, sondern haben Anteil an Christi Erlösungswerk, welche die edelste, heroischste und fruchtbringendste Tat der Menschheitsgeschichte war.

Jesus, Maria und Josef mögen allen helfen, nach ihrem Beispiel Gott und den Mitmenschen in Ehrfurcht zu dienen, und jedem, der Autorität hat, diese gottgefällig auszuüben, auf dass doch endlich die milde Herrschaft der heiligsten Herzen Jesu und Mariä von allen Völkern erkannt, geliebt und gepriesen werde.

Ihr Pater Stefan Frey

[1] Selbstredend kann der Autoritätsmissbrauch niemals legitimen Gehorsam einfordern. Gegen Glauben oder Gottes Gebote verstoßenden Anordnungen darf nicht gehorcht werden. Da wird Widerstand zur Pflicht, selbst zum Preis des eigenen Lebens.
[2] Michael Winterhoff, Warum unsere Kinder zu Tyrannen werden, 2008, S. 49f

Quelle: Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • März 2019