Vorwort: Kein Platz für den König! 50-jähriges Jubiläum der FSSPX

01. Oktober 2020
Quelle: Distrikt Österreich

Liebe Gläubige!

Die offizielle Jubiläumsfeier der Priesterbruderschaft St. Pius X. anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens wird am Christkönigsfest in Lourdes stattfinden. Das Datum wurde mit Bedacht gewählt. „Christus muss herrschen!“ – Dieses Pauluswort war Erzbischof Lefebvre Leitstern und Triebkraft für sein lebenslanges unermüdliches Wirken als Missionar, Bischof und Generaloberer. Er lebte für nichts anderes als für den König der Könige und sein herrliches Reich auf Erden, die Kirche. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit für jeden Katholiken. Ist doch jeder Mensch berufen, in das Reich des Erlösers einzutreten, für dessen Ausbreitung zu arbeiten und sich so die Krone des ewigen Lebens zu verdienen. Wer Christus bewusst ignoriert, verfehlt seinen von Gott gegebenen Daseinszweck und geht leider ewig verloren. „Wer nicht glaubt, wird verdammt werden“, lauten die unmissverständlichen Worte Jesu. Zu nichts anderem sind die Apostel und deren Nachfolger in die Welt gesandt worden, als in allen Völkern die milde Herrschaft Jesu aufzurichten, die allein den Menschen Friede, Wohlfahrt und ewiges Leben gewähren kann.

Die Entthronung

Dass eines Tages offizielle Verantwortliche der Kirche es wagten, das Gegenteil zu behaupten, ja dass sie sogar soweit gingen, per Konzilsdekret der Herrschaft Christi auf Erden ein Ende zu bereiten, war für Erzbischof Lefebvre das dramatischste Ereignis des 20. Jahrhunderts, schlimmer als die beiden Weltkriege. Durch die Gründung der Priesterbruderschaft wollte er, soweit nur möglich, eine erneute Thronerhebung bewirken: Eine neue Generation von Priestern und Ordensleuten, beseelt von missionarischer Liebe, sollte alles tun und geben, um die „abgewürgte“ Sendung der Kirche weiterzuführen.

Das Christ-Königs-Fest erinnert uns alljährlich an diese herrliche, heroische Aufgabe. Es erinnert uns aber auch an das ungeheuerliche Unterfangen des 2. Vatikanischen Konzils, den König der Könige als Herrscher der Nationen zu entmachten. Die Erklärung über die Religionsfreiheit „Dignitatis humanae“ kommt in der Tat einem Absetzungsdekret gleich. Das Konzil weigerte sich, einen Unterschied zwischen der wahren Religion und den falschen Kulten zu machen; allen Religionen müssten die gleichen Rechte eingeräumt werden, und der Staat wird zur Neutralität, d. h. zur faktischen Gottlosigkeit verurteilt. Das Absetzungsdekret wurde dann auch konsequent in die Praxis umgesetzt. Auf Betreiben des Vatikans sind alle bislang existierenden katholischen Staaten zwangsweise laizisiert worden. Seither tut man so, als ob Christus, der wahre Gott, im öffentlichen Leben nichts mehr zu sagen und die Volksgemeinschaft Ihm gegenüber keinerlei Verpflichtungen mehr habe. Christus ist zum König „Ohneland“ degradiert worden.

Der Herold des Königs

Gegen eine solche „unüberbietbare Gottlosigkeit“ hat Erzbischof Lefebvre als unerschrockener Herold des ewigen Königs protestiert und die Herrscherrechte Christi unermüdlich verteidigt. Indes, man wollte ihn nicht hören. Seine Stimme verhallte im Lärm des Schiffbruchs.

Lassen wir ihn selber zu Wort kommen: „Wenn nun aber der Staat sich nicht mehr eine besondere Verpflichtung gegenüber der wahren Religion des wahren Gottes zumisst, ist das Gemeinwohl der bürgerlichen Gesellschaft nicht mehr auf die himmlische Stadt der Seligen hingeordnet und die Stadt Gottes auf Erden, das heißt die Kirche, findet sich von ihrem wohltätigen, unvergleichlichen Einfluss auf das ganze öffentliche Leben abgeschnitten! Ob man es will oder nicht, das Leben der Gesellschaft gestaltet sich außerhalb der Wahrheit, außerhalb des Gesetzes Gottes. Die Gesellschaft wird gottlos. Das ist der Tod der Herrschaft Unseres Herrn Jesus Christus über die Gesellschaft.

Dreimal erklärte Mgr. De Smedt, der Berichterstatter des Schemas über die Religionsfreiheit: ‚Der Staat ist keine Autorität, die die Kompetenz hätte, in religiösen Dingen ein Wahrheits- oder Falschheitsurteil zu fällen.’ Genau das hat das II. Vatikanum gebracht. Gibt es wohl eine noch ungeheuerlichere Erklärung, als dass Unser Herr nicht mehr das Recht habe zu herrschen, allein zu herrschen, alle bürgerlichen Gesetze mit dem Gesetz des Evangeliums zu durchdringen? Wie viele Male hat Pius XII. einen solchen Rechtspositivismus verurteilt, der behauptete, man müsse die rechtliche Ordnung von der moralischen Ordnung trennen, weil man den Unterschied zwischen der wahren und den falschen Religionen nicht in rechtlichen Termini ausdrücken könne!

Noch weit mehr, eine unüberbietbare Gottlosigkeit: Das Konzil wollte, dass der Staat, von seinen Pflichten gegen Gott befreit, nunmehr Bürge dafür werde, dass keine Religion ‚gehindert werde, in freier Weise die besondere Wirksamkeit ihrer Lehre zur Gestaltung der Gesellschaft und Belebung der gesamten menschlichen Aktivität kundzutun’ (Dignitatis humanae 4). Das II. Vatikanum fordert also Unseren Herrn auf, im Einvernehmen mit Luther, Mohammed und Buddha die Gesellschaft zu gestalten und zu beleben! Ebendies hat Johannes Paul II. in Assisi verwirklichen wollen! Ein gottloses und blasphemisches Vorhaben!

Einst hatte die Verbindung zwischen Kirche und katholischem Staat das katholische Gemeinwesen zur Frucht, die vollkommene Verwirklichung der Herrschaft Unseres Herrn Jesus Christus über die Gesellschaft. Heute gebiert die Kirche des II. Vatikanums, vermählt mit dem Staat, der ihr zufolge gottlos sein soll, aus dieser ehebrecherischen Verbindung die pluralistische Gesellschaft, die babylonische Religionsverwirrung, das indifferentistische Gemeinwesen, das der Gegenstand sämtlicher Wünsche der Freimaurerei ist!“[1]

Liebe Gläubige, wenn die Welt (und die offizielle Kirche) tragischerweise ihren König verbannt hat, bereiten wenigstens wir Ihm in unseren Herzen und in unseren Familien den Thron (z. B. durch die feierliche Zeremonie der Thronerhebung seines göttlichen Herzens). Tragen wir Sein sanftes Joch! Seien wir ebenfalls Seine tapferen Herolde! Bemühen wir uns nach Kräften, Seinen Herrscherrechten in der Gesellschaft Gehör und Geltung zu verschaffen. Bleiben wir unserer Sendung als wahre Katholiken treu! Der Sieg ist gewiss. In Fatima wurde uns die untrügliche Verheißung gegeben: „Die heiligsten Herzen Jesu und Mariä werden mit Glanz herrschen!“[2] Wenn wir mit Ihnen kämpfen, werden auch wir mit Ihnen siegen. „Den Sieger lasse ich mit mir auf meinem Throne sitzen, wie auch ich gesiegt und mich zu meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe.“[3] – Es lebe Christus, der König!

Mit priesterlichem Segensgruß

Ihr Pater Stefan Frey
 

[1] Marcel Lefebvre, Sie haben ihn entthront, S. 210.
[2] Diese Verheißung wurde Sr. Lucia von Christus selbst am 19.3.1940 hinsichtlich der Bekehrung Deutschlands gegeben: „Deutschland wird in den Schafstall des Herrn zurückkehren; dieser Augenblick nähert sich sehr langsam, sehr mühsam, aber er wird schließlich eintreffen, und die Herzen Jesu und Mariens werden dort dann mit Glanz herrschen!“
[3] Geh. Offb. 3,21