Vorwort: Unsere schwerkranke Mutter Kirche

2018
Quelle: Distrikt Österreich

Vorwort des Distriktsoberen aus dem Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • November 2018

Wo liegen die Ursachen des Dramas?

Liebe Freunde und Wohltäter!

Die schrecklichen Missbrauchsskandale in Verbindung mit Homoseilschaften bis in die höchsten Spitzen der kirchlichen Hierarchie brachten in den letzten Wochen die ganze Weltkirche in Erschütterung. Die Eiterbeule ist geplatzt, und ein Abgrund des Grauens wurde offenbar. Wovor wache Beobachter schon längst warnen, lässt sich nun nicht mehr abstreiten. Fassungslos fragt man sich, wie es denn möglich war, dass im innerkirchlichen Raum sich derart tyrannische Strukturen organisierten Verbrechens bilden konnten, geschützt von einem Tarnsystem der Bemäntelung, des Schweigens und der Lüge.

Leider scheint bis jetzt bei den Verantwortungsträgern, in erster Linie beim Papst, der Wille zur Aufklärung der Katastrophe vollständig zu fehlen. Das Schweigen der Hirten wird immer beängstigender. Beim Ausbrechen einer todbringenden Krankheit würde doch jeder Arzt zum Patienten eilen, eine Diagnose erstellen, Sofortmaßnahmen ergreifen und dann nach den tieferen Ursachen des Übels forschen, um die Krankheit womöglich von Grund auf zu heilen.

Doch bei unserer schwerstkranken Mutter Kirche ist keine Eile angesagt, monatelang bewegt sich nichts, wo jedes Zuwarten das Übel doch nur verschlimmert. Die vereinzelten Mahnrufe verantwortungsbewusster Bischöfe verhallen in der Wüste. Zu sehr sind offenbar die obersten Repräsentanten der Kirche in die Skandale verwickelt.

Das Schweigen ist aber nur das eine. Schwerer wiegt die Verweigerung einer gründlichen Ursachenerforschung, da das Übel doch schon jahrzehntelang schwelt. Strengere Regeln – die dann doch unterlaufen werden – bleiben unzulängliche Symptombekämpfung, solange man den Dingen nicht wirklich auf den Grund geht.

„Kleine“ Irrtümer am Anfang …

Eine so tiefgreifend verwurzelte Zerrüttung des Klerus konnte nicht zufällig entstehen, sondern deutet auf gravierende Ursachen hin, und diese liegen nicht im moralischen Bereich. Seit über 50 Jahren beobachten wir eine fortschreitende Aufweichung der moralischen Grundsätze, welche ihren Grund in der Aufweichung des Glaubens hat. Glaube und Moral, Wahrheit und Handeln hängen untrennbar miteinander zusammen, letzteres folgt direkt aus ersterem. Ein Herummanipulieren an den Glaubenswahrheiten führt unweigerlich zur Relativierung und Verfälschung des göttlichen Gesetzes, und dem Ausbruch des Lasters ist Tür und Tor geöffnet. Drei Beispiele mögen dies verdeutlichen.

1) Die moderne Theologie leugnet oder ignoriert die Tatsache der Erbsünde und deren Folgen. Buße und Abtötung als Heilmittel für die Wunden der Erbsünde wurden dadurch überflüssig. Die Forderung einer gesunden Askese war in den Priesterseminaren als Rückgriff ins finstere Mittelalter verschrien und unterdrückt, da man nun die freie Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung als neue Ideale anpries. Am Anfang stand ein Irrtum im Glauben, der schließlich die Pflanzstätten priesterlicher Tugend zu Kloaken der Unreinheit verkommen ließ.

2) In seiner ökumenischen Ausrichtung sah das II. Vatikanische Konzil in den anderen Religionen „Spuren der Wahrheit“, die ihnen einen Heilswert verleihen würden. Wenn die Lehren und Riten der falschen Religionen aber plötzlich positiv zu bewerten sind, bilden sie eine Alternative zum katholischen Glauben und relativieren mithin die Universalität des von der Kirche verkündeten göttlichen Gesetzes. Letztendlich kann jeder nach seiner Façon selig werden und sich seine Moral aussuchen.

3) Das Konzil hat angeblich die Bedeutung der menschlichen Freiheit und des persönlichen Gewissens wiederentdeckt und entfaltet. Der Respekt vor der „Autonomie des Gewissens“ darf durch nichts gemindert werden, andere Lebensorientierungen, wie gleichgeschlechtliche Liebe, haben auch ihre Berechtigung, ja, bilden sogar eine Bereicherung für die menschliche Lebensvielfalt. Diese Irrtümer[1] bildeten die Grundlage für die Bevorzugung homosexuell geneigter Seminaristen (als besonders einfühlsam für die Seelsorge) und endlich der Bildung der Homoseilschaften und pädophiler Ringe in den priesterlichen Ausbildungsstätten und anderswo.

„Kleine“ Irrtümer der modernen Theologie wirkten sich auf Dauer verheerend aus. Eine verunstaltete Kirche und eine unübersehbare Schar geschändeter und traumatisierter Kinder und Jugendliche sind deren bittere Früchte.

Will man einen Patienten heilen, muss man die Ursachen der Krankheit beseitigen. Soll unsere schwerkranke Mutter Kirche gesunden, muss man den Mut aufbringen, Neuorientierungen seit dem II. Vatikanischen Konzil als das zu benennen, was sie sind: als Irrwege und Verfälschungen des uns von Christus und seiner Kirche überlieferten göttlichen Glaubens. Solang dies nicht geschieht, ist jede Zukunftshoffnung eitel.

Sieg der Schlangenzertreterin

Erzbischof Lefebvre hatte diesen Mut. Ob gelegen oder ungelegen, verteidigte er die gottgeschenkte Tradition gegen die Verfälscher. Die Priesterbruderschaft wird mit der Gnade Gottes dieser Aufgabe auch in Zukunft treu bleiben. Doch menschliche Bemühung allein wird nicht ausreichen. Nur das Eingreifen derjenigen, der Gott die Macht verlieh, der Schlange das Haupt zu zertreten, der Überwinderin aller Häresien, wird der drangsalierten Kirche Heilung und Sieg verleihen. Lassen wir im Eifer nicht nach, ihr zu dienen, ihre Ritter zu sein, zur Waffe des Rosenkranzes zu greifen. Ihr Sieg ist gewiss. Doch sie will ihn in der Schar ihrer Getreuen erringen. Möge er nicht mehr ferne sein!

Mit herzlichem Gruß und priesterlichem Segen

Ihr Pater Stefan Frey

[1] Das menschliche Gewissen ist aber nicht autonom, denn es muss sich nach dem objektiven göttlichen Gesetz ausrichten, es kann auch nicht respektiert werden, wenn es verfälscht ist. Und „Lebensorientierungen“, die Gott als himmelschreiende Laster verwirft, können niemals Gutes

Quelle: Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • November 2018