Wallfahrt Chartres - Paris zu Pfingsten 2018

01 Juli, 2018
Quelle: Distrikt Österreich

Wer über diese größte Wallfahrt der Tradition etwas erfahren will und daran denkt, im nächsten Jahr dabei zu sein, sollte folgendes beachten: Diese Wallfahrt über 107 km ist keine Sportveranstaltung, setzt aber eine gewisse Kondition voraus; die Gemeinschaft im Chapitre bietet keinen Spaßfaktor, aber große innere Freude und Erbauung; die Abende und Nächte in den Zeltstädten erfreuen nicht durch Lagerfeuerromantik, sondern setzen echte Bußgesinnung voraus, wenn es nach 40 km zu Fuß heißt: Isomatte ausrollen, Schlafsack ausbreiten, und den harten, unebenen, einem trockenen Acker nicht unähnlichen Boden im Rücken fühlen.

Aber alles der Reihe nach: Für mich gleicht diese Wallfahrt Exerzitien zu Fuß: es gibt geistliche Vorträge, drei tägliche Rosenkränze, Betrachtungen und gemeinsam gesungene Lieder; wohl besteht keine Schweigepflicht, aber ab km 25 werden Gespräche und Lieder automatisch leiser, der Marsch meditativer. Alle Konzentration gilt dem Weg, denn das Tempo ist hoch und ein falscher Tritt könnte zu Verletzungen führen. Die Bereitschaft, Opfer hinzunehmen und im Geist der Buße zu ertragen, ist immer gegenwärtig.

Das erste Opfer, das uns abverlangt wurde, war der verspätungsbedingte Verzicht auf die Hl. Messe in Chartres, verursacht durch eine etwas unglücklich gewählte Anfahrtsstrecke durch Deutschland. Nach der Ankunft in Chartres um 9 Uhr und dem Anlegen der bordeauxroten Pilgerarmbänder hieß es daher sich rasch einzureihen hinter dem deutschen Chapitre. Wir Österreicher stellten ein Chapitre von etwa 30 Erwachsenen, 6 Kindern im Kinderchapitre und vier unglaublich wertvollen Helfern.

Der erste Tag ist subjektiv betrachtet der härteste: der Körper ist an die Marschleistung noch nicht gewöhnt, das Frühstück und die erste Jausenrast müssen selbst organisiert werden, es gibt wenig Wald, die Sonne brennt vom Himmel. Dennoch gilt: die ersten 20 km gehen sich wie Butter, die folgenden 10 km sind hart, die letzten 10 km eine echte Herausforderung. Die Mittagsrast dauert etwa eine Stunde, Baguettes und Wasser stehen ausreichend zur Verfügung; Käse, Wurst und Trockenfrüchte müssen aus Österreich mitgenommen werden, denn es gibt entlang des ganzen Weges keine Einkaufsmöglichkeit. Pater Stannus brachte das zusätzliche Opfer der Vorträge im Gehen, und wir vertieften uns in die heidnischen Quellen des frühen Christentums. Nach den 40 km würde sich jeder Teilnehmer auf ein Bett freuen, doch die Übernachtung in den Zelten gehört wesenhaft zur Chartres-Wallfahrt dazu. Großer Dank gebührt heuer Johannes Bachmann und Franz Xaver Laroche, die den Zeltaufbau für unsere Gruppe organisiert hatten und uns am Abend mit Fleisch und Würsten, die Maria Reinberger gespendet hatte, verwöhnten.

Der Pfingstsonntag ist der schönste Tag der Wallfahrt. Nach äußerst frischen 5 Grad um 5.15 Uhr und einem Milchkaffe geht es um 6.15 los durch den Wald von Rambouillet. Dieses große Naturschutzgebiet, in dem der Weg durch herrlichen Laubwald an Teichen vorbeiführt, erfrischt Leib und Seele in besonderer Weise. Unser Chapitre betete an diesem Tag sogar fünf Rosenkränze in den unterschiedlichsten Anliegen. Der Nachmittag führt durch hügelige Landschaft mit den höchsten Steigungen, die das Heer der Wallfahrer in den saftig grünen Getreidefeldern gut zur Geltung bringen und an unseren friedlichen Kreuzzug gemahnen. Die Hl. Messe in der Zeltstadt von Villepreux wurde von Bischof Fellay aufgeopfert, der uns in seiner klar strukturierten, wunderbaren Predigt daran erinnerte, dass der Hl. Geist die Seele der Kirche ist.

Der Pfingstmontag gilt als Tag des Zeugnisses. Nach zwei Stunden heißt es Abschied nehmen von den Feldern und man durchquert die Vororte von Paris, bis im Bois de Boulogne die letzte Mittagsrast abgehalten wird und sich die Prozession zum Invalidendom formiert, der um 16.30 erreicht wird. Die Messe vom Pfingstmontag, bei der 4000 Besucher gezählt wurden, zelebrierte Abbé de Sivry, der uns ermunterte, stolz zu sein auf unseren katholischen Glauben und uns unseres Herrn nicht zu schämen. Erfüllt von seinen Worten traten wir dann um 19.15 die Heimreise an. Besonderer Dank gebührt auch Antonia Jeindl, die uns täglich dreimal anfeuerte und uns bei den Raststellen willkommen hieß und in der Vorbereitung dieser Wallfahrt bereits wertvolle Arbeit geleistet hatte, sowie M. Claude, der als gute Seele im Hintergrund uns mit einem Auto in Notfällen zum nächsten Rastplatz gebracht hätte.

Wer glaubt, dieser Anstrengung gewachsen zu sein, dem kann ich die Wallfahrt Chartres – Paris nur ans Herz legen. Der geistliche Gewinn ist groß.

Gelobt sei Jesus Christus!

Mag. Christian Gerstner