Weihnachten in China.

20 Dezember, 2019
Quelle: Distrikt Deutschland
Herbergssuche in einer chinesischen Darstellung

Eine Weihnachtsgeschichte aus der Mission.

Aus: Beispielsammlung aus der Heidenmission (1922)

„Unsere chinesischen Christen“, so erzählt Pater Gain, „lieben das hochheilige Weihnachtsfest außerordentlich. So kamen am letzten Heiligen Abend trotz Kälte, Schnee und schlechten Wegen Hunderte unserer Neubekehrten, viele von weit her. Sie scheuten vor einer Entfernung von fünfzig, sechzig Kilometern und den Kosten von drei bis vier Tagesreisen nicht zurück, nur um der Christmette beizuwohnen, bei der über zweihundert die heilige Kommunion empfingen.

 

Dreißig Dörfer waren durch ihre eifrigsten und bestunterrichteten Christen vertreten, ihre Katechisten an der Spitze. Jedes Dorf brachte sein Bündel Kerzen und seinen Vorrat an Schwärmern, um zur Beleuchtung und zur Festfeier sein Scherflein beizutragen (die Chinesen lieben das Feuerwerk sehr). Schlag Mitternacht trat der Priester an den Altar, begleitet von der ersten knatternden Salve zahlreicher Schwärmer, zur Freude der hundert Schulknaben, unserer kleinen Schaf- und Rinderhirten vom Gebirge, die seit einem Monat bereits sehnsüchtig nach der Heiligen Nacht ausgeschaut und ihre Weihnachtslieder eingeübt hatten. Dutzende von farbigen Lampions und kleinen Kronleuchtern warfen ihren hellen Schimmer auf die Bilder und die weißen Wände der Kapelle und glitzerten auf den Blumen von Goldpapier, die, zwischen grünen Bäumen verteilt, den Altar und die Krippe schmückten. In ihr lag und leuchtete ein allerliebstes Christkindlein.

 

Nach dem Evangelium war Festpredigt, der alle mit großer Aufmerksamkeit folgten. Die größten und schönsten Schwärmer hatte man für den Augenblick der Wandlung aufbewahrt. Wohl eine Viertelstunde lang drang ihr Geknatter in die schlafende Stadt und die nahen Hügel hinaus und kündete ihnen das Geheimnis, das auf dem Altar sich vollzog: „Ein Kind ist uns geboren“.

 

Nach der heiligen Kommunion wurden von unseren vierzig Katechisten und ihren Zöglingen die schönsten chinesischen Dankgebete verrichtet oder, richtiger, gesungen. Hunderte von unseren Katechumenen hatten zum ersten Mal das Fest mitgemacht. Es sind meist schlichte, kräftige Leute vom Land, und sie scheinen zu begreifen, dass dies so recht ihr Fest ist und ihnen an der Krippe der Platz zusteht, den einst die Hirten von Bethlehem eingenommen.

 

Wohl noch eine Stunde lang blieben sie knien und horchten auf die chinesischen Weihnachtslieder, die unsere Schulkinder unter Begleitung von Flöten, Oboen, Zimbeln und Kastagnetten sangen, und in denen immer wieder das fröhliche Alleluja oder Ja-la-lu-ja, wie die Chinesen sangen, durchdrang.

 

Endlich brach man zu kurzer Ruhe auf, denn bereits beim ersten Morgengrauen kehrt alles zurück, um noch zwei heilige Messen beizuwohnen, deren zweite mit derselben Feierlichkeit wie die Christmette, mit Musik und Feuerwerk, gehalten wird. So wird in Siu-tscheu-fu das Weihnachtsfest begangen.“ (Zuerst erschienen in der Zeitschrift Die katholischen Missionen 1904)