Weihnachten - Fest der Geburt unseres Herrn Jesus Christus: Die Lesungen der Matutin

24. Dezember 2020
Quelle: Distrikt Österreich

Fest der Geburt unseres Herrn Jesus Christus

(1. Klasse mit Oktav)

Die Lesungen der Matutin

Das Friedensreich des Gotteskindes1

In der früheren Zeit hat Gott Schmach über das Land Zabulon und das Land Nephtali gebracht, aber in der letzten Zeit wird Er zu Ehren bringen das Gebiet der Meeresstraße, das Land jenseits des Jordan, den Bezirk der Heiden (Galiläa). Das Volk, das im Finstern wandelt, schaut ein großes Licht. Den Bewohnern eines dunklen Landes strahlt ein Licht auf. Du machst reich den Jubel, groß die Freude: man freut sich vor Dir, wie man sich freut in der Ernte, wie man jubelt beim Verteilen der Beute. Denn das lästige Joch, den Staub auf ihrer Schulter, den Stock des Treibers zerbrachst Du wie am Tage Madians. Ja, jeder Soldatenstiefel, der dröhnend einherstampft, jeder blutbefleckte Mantel wird verbrannt und im Feuer verzehrt. Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt, und die Herrschaft ruht auf Seinen Schultern. Man wird Ihn nennen: Wunderrat, Starker Gott, Ewiger, Vater, Friedensfürst.

Die Botschaft von der Erlösung2

Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott; redet Jerusalem zu Herzen und ruft ihm zu: Vollendet ist sein Frondienst, bezahlt seine Schuld. Denn es hat aus der Hand des Herrn das Doppelte empfangen für seine Sünden. Horch, eine Stimme ruft: Durch die Wüste bahnt einen Weg für den Herrn! Ebnet in der Steppe eine Straße für unsern Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel senken! Das Höckrige soll zur Ebene, das Bucklige zum Flachland werden! Ja, offenbar wird die Herrlichkeit des Herrn, und alles Fleisch soll sie schauen. Denn der Mund des Herrn hat es gesprochen. Horch, es spricht einer: Künde! Was soll ich künden? Dies: Alles Fleisch ist Gras und all seine Pracht wie die Blumen des Feldes. Das Gras verdorrt, die Blume welkt, wenn der Hauch des Herrn darüber weht. Ja, Gras ist das Volk. Das Gras verdorrt, die Blume welkt, doch das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit.

Frei von den Fesseln der Knechtschaft3

Wach auf, wach auf, wappne dich mit deiner Kraft, Sion; kleide dich in deine Prachtgewänder, Jerusalem, du heilige Stadt! Denn fürderhin wird kein Unbeschnittener, kein Unreiner dich mehr betreten. Schüttle den Staub von dir ab, steh auf, Jerusalem, Gefangene! Mache dich los von den Banden deines Halses, du gefangene Tochter Sion! Denn so spricht der Herr: Umsonst seid ihr verkauft worden, so sollt ihr auch ohne Silber losgekauft werden. Denn so spricht Gott der Herr: Nach Ägypten zog Mein Volk einst hinab, um dort als Fremdling zu weilen, dann hat es Assur grundlos vergewaltigt. Nun aber, was geschieht Mir hier? spricht der Herr. Denn Mein Volk ist ohne Entgelt geraubt, seine Herren prahlen, spricht der Herr, und immerfort wird Mein Name gelästert. Darum soll Mein Volk Meinen Namen erkennen, soll an jenem Tage einsehen, dass Ich es bin, der spricht: Hier bin Ich!

Predigt des heiligen Papstes Leo I. über die Geburt des Herrn4

Unser Heiland, Geliebteste, ist heute geboren; lasst uns fröhlich sein. Traurigkeit darf nicht Raum gewinnen, da das Leben seinen Geburtstag feiert. Es nimmt uns ja die Furcht vor dem Tode und erfüllt uns mit Wonne über das verheißene ewige Leben. Niemand wird von der Teilnahme an dieser Freude ausgeschlossen. Grund zur Freude für alle besteht darin, dass unser Herr, der Sieger über Sünde und Tod, der keinen ohne Sündenschuld vorfand, selber kam, um alle zu erlösen. Es frohlocke der Heilige, weil er sich der Siegespalme nähert. Es freue sich der Sünder, weil er zur Vergebung eingeladen wird. Es fasse Mut der Heide, weil er zum Leben berufen wird. Denn in der Fülle der Zeit, die Gott in Seinem tiefen, unerforschlichen Ratschluss bestimmt hatte, nahm der Sohn Gottes die Natur des Menschengeschlechts an, um sie mit ihrem Schöpfer zu versöhnen. Es sollte der Urheber des Todes, der Teufel, durch eben diese Natur, über die er gesiegt hatte, selber wieder besiegt werden.

In diesem für uns geführten Kampf ist auf der Grundlage einer großen und erstaunlichen Gleichheit gestritten worden, da der allmächtige Herr dem grausamen Feinde nicht in Seiner Majestät, sondern in unserer Niedrigkeit gegenübertrat. Er stellte ihm dieselbe Gestalt und dieselbe Natur entgegen, die an unserer Sterblichkeit teilnimmt, nur an der Sünde keinen Anteil hat. Von dieser Geburt gilt nämlich nicht, was sonst allgemein gesagt wird: Niemand ist rein von Makel, selbst das Kind nicht, das nur einen Tag auf Erden gelebt hat. Bei dieser einzigartigen Geburt war keine fleischliche Begierlichkeit beteiligt, hier war nichts vom Gesetz der Sünde eingedrungen. Die königliche Jungfrau aus Davids Geschlecht wird auserkoren; sie soll, mit heiliger Frucht gesegnet, das gottmenschliche Kind noch mehr im Geiste als im Schoße aufnehmen. Und damit sie nicht, in Unkenntnis über den göttlichen Ratschluss, erschrecke vor der ungewohnten Anrede, erfährt sie im Gespräch mit dem Engel, was der Heilige Geist in ihr wirken werde. Es fürchtet keine Verletzung der Jungfräulichkeit, die bald Gottesgebärerin werden soll.

Danken wir also, Geliebteste, Gott, dem Vater, durch Seinen Sohn im Heiligen Geiste. Er hat in Seiner großen Liebe, mit der Er uns geliebt, sich unser erbarmt. Er hat uns, da wir tot waren durch die Sünde, uns in Christus wieder lebendig gemacht, auf dass wir in Ihm eine neue Schöpfung, ein neues Gebilde seien. Lasst uns also den alten Menschen mit seinen Werken ablegen! Da wir an Christi Geburt teilnehmen dürfen, wollen wir den Werken des Fleisches entsagen. Erkenne, Christ, deine Würde! Der göttlichen Natur teilhaft geworden, falle nicht durch unwürdigen Wandel in die alte Armseligkeit zurück. Bedenke, welches Hauptes und Leibes Glied du bist! Denk daran, dass du der Macht der Finsternis entrissen und in Gottes Licht und Reich versetzt bist!

Auslegung des heiligen Papstes Gregor des Großen zum heiligen Evangelium nach Lukas 2, 1-14 der 1. Weihnachtmesse5

In jener Zeit erging vom Kaiser Augustus der Befehl, den ganzen Erdkreis aufzuschreiben, usw.

Weil wir heute durch Gottes Güte die Feier der heiligen Messe dreimal begehen, können wir über das eben gelesene Evangelium nicht lange sprechen; aber wenigstens zu einer kurzen Ansprache drängt uns das Geburtsfest unseres Erlösers doch. Warum wurde zur Zeit der Geburt des Herrn der ganze Erdkreis aufgeschrieben? Wohl nur deshalb, um offenbar zu machen, dass Der im Fleische erschien, der Seine Auserwählten für die Ewigkeit aufzeichnen wird. Im Gegensatz dazu sagt nämlich der Prophet von den Verworfenen: Sie sollen aus dem Buch der Lebenden getilgt und nicht mit den Gerechten eingetragen werden. Mit gutem Grunde wird der Herr in Bethlehem geboren; denn Bethlehem heißt in unserer Sprache: Haus des Brotes. Er selbst hat ja gesagt: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Der Ort also, wo der Herr das Licht der Welt erblickte, wurde schon vorher „Brotstadt“ genannt, weil jener dort im Fleische erscheinen sollte, der die Seelen Seiner Auserwählten mit geistiger Nahrung erquicken wollte. Er kommt auch nicht im Hause Seiner Eltern zur Welt, sondern auf der Reise, offenbar um anzudeuten, dass Er in die menschliche Natur, die Er angenommen hatte, wie in etwas Fremdes hineingeboren wurde.

Auslegung des heiligen Bischofs Ambrosius zum heiligen Evangelium nach Lukas 2, 15-20 der 2. Weihnachtmesse6

In jener Zeit sprachen die Hirten zueinander: Lasst uns nach Bethlehem hinübergehen und sehen, was zu uns gesprochen worden ist und was der Herr uns angezeigt hat, usw.

Seht den Anfang der erstehenden Kirche. Christus wird geboren, und die Hirten fangen an, Wache zu halten. Sie sollen die Herden der Heiden, die vordem wie vernunftlose Tiere lebten, in die Herde des Herrn sammeln, auf dass sie nicht mehr im Dunkel der Nacht den Überfällen geistiger Raubtiere zum Opfer fallen. Sinnvoll ist es, dass die Hirten Wache halten, die der Gute Hirt dazu heranbildet. Die Herde bedeutet also das Volk, die Nacht die Weltzeit, die Hirten die Priester. Vielleicht ist auch jener ein Hirt, von dem gesagt wird: Sei wachsam und stark. Denn nicht allein die Bischöfe hat der Herr zur Obhut Seiner Herde bestellt, sondern auch die Engel hierzu bestimmt. Die Worte des heiligen Evangeliums lehre uns Christus, der Sohn Gottes. Amen.

Auslegung des heiligen Bischofs Augustinus zum heiligen Evangelium nach Johannes 1, 1-14 der 3. Weihnachtmesse7

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort, usw.

Stelle dir nicht etwas Alltägliches vor, wie du es bei Menschenworten gewohnt bist. Höre vielmehr, was du denken sollst: Gott war das Wort. Es trete nun irgendein ungläubiger Arianer auf und behaupte, das Wort Gottes sei geschaffen. Wie kann das Wort Gottes geschaffen sein, wenn Gott durch das Wort alles geschaffen hat? Wenn auch das Wort Gottes selbst geschaffen ist, durch welch anderes Wort ist denn es geschaffen? Wenn du sagst, es sei ein Wort des Wortes, durch das jenes Wort geschaffen ist, so nenne ich dieses Wort den eingeborenen Sohn Gottes. Wenn du aber nicht von einem zweiten Worte sprichst, dann gib zu, dass das, wodurch alles geschaffen worden ist, nicht auch selber geschaffen sein kann. Das, wodurch alles erschaffen worden ist, konnte doch auch nicht durch sich selbst geschaffen sein. Glaube also dem Evangelium.

  • 1. 1. Lesung: Isaias 9, 1-6
  • 2. 2. Lesung: Isaias 40, 1-8
  • 3. 3. Lesung: Isaias 52, 1-6
  • 4. 4. – 6. Lesung: Predigt 21 oder 1. Predigt über die Geburt des Herrn
  • 5. 8. Homilie über die Evangelien, I Abschnitt 1
  • 6. 8. Lesung: Buch 2 zum 2. Kap. des Lukasevangeliums, Abschnitt 50
  • 7. 9. Lesung: Abhandlung über das Johannesevangelium, Abschnitt 10 und 11