Wieder in voller Pracht – Der Isenheimer Altar nach seiner Restaurierung

27. Juli 2022
Quelle: fsspx.news
Issenheimer Altar: bemalter Teil

Das elsässische Museum Unterlinden in Colmar besitzt mit dem Isenheimer Altar eines der Meisterwerke der abendländischen Kunst.  Er gilt als Hauptwerk von des Malers Matthias Grünewald und die Skulpturen im Altarschrein werden dem um 1490 in Straßburg tätigen Bildschnitzer Niklaus von Hagenau zugeschrieben. Nun hat der Flügelaltar dank der meisterhaften Arbeit eines Teams von Restauratoren seinen ursprünglichen Glanz wiedererhalten.

Das Museum selbst befindet sich in einem ehemaligen Colmarer Dominikanerinnenkloster, das 1252 gegründet wurde. Es beherbergt eine bemerkenswerte Sammlung von Skulpturen und Gemälden aus dem Spätmittelalter und der Renaissance. In unmittelbarer Nähe des Klosters konnten neugierige Besucher die letzten Korrekturen beobachten, die Anna Brunetto, eine weltweit führende Spezialistin für Laserrestaurierung, an den Gemälden des Altars, vornahm. Bei der diffizilen Arbeit ging es darum, alte, mehrfach aufgetragene Farbschichten millimeterweise abzutragen und die ursprünglichen Farben wieder herzustellen. Insgesamt besteht der Isenheimer Altar aus acht geschnitzten Reliefs und zehn Gemälden, die Episoden aus dem Leben Christi und des Heiligen Antonius zeigen. Die 52-jährige italienische Restauratorin erklärt: „Die Komplexität besteht darin, das Gleichgewicht zwischen den Teilen zu finden, die man entfernen möchte, und denen, die man behalten will.“  

Das Meisterwerk hatte nicht nur unter den nacheinander aufgetragenen Firnisschichten, die mit der Zeit dunkler oder gelblicher wurden, sondern auch unter Beschädigungen gelitten, die während der Französischen Revolution und während der beiden Weltkriege entstanden, als der Altar versteckt werden musste. Nach mehreren oberflächlichen Eingriffen bis Anfang der 1990er Jahre war eine umfassende Restaurierung erforderlich. Die umfassende Restaurierung dauerte insgesamt mehr als viereinhalb Jahre und fand vorwiegend im Museum, aber auch in Paris und Vesoul statt. Die Restaurierungskosten in Höhe von 1,4 Millionen Euro wurden aus Spenden finanziert. 

An der Restaurierung selbst waren zwei Teams beteiligt. Um die Skulpturen kümmerte sich unter der Leitung von Juliette Lévy eine zehnköpfige Mannschaft. Für die Gemälde waren 21 Personen unter der Leitung von Anthony Pontabry zuständig waren. Der 75-jährige Restaurator äußerte sich nach Abschluss der Arbeiten hochzufrieden: „Die Gemälde haben eine Patina aus fünf Jahrhunderten, daher gibt es eine leichte Metamorphose der Farben, aber ich denke, wir sind sehr, sehr nah an dem, was Grünewald gemacht hat.“ 

Doch wieso entstand der Isenheimer Altar eigentlich? Ursprünglich schufen die Künstler Nikolaus von Hagenau und Matthias Grünewald das berühmte mehrteilige Altarbild für die Antoniterkomturei in Isenheim, einem Dorf etwa 20 km von Colmar entfernt. Auftraggeber war der Ordensobere, Guy Guers, der von 1490 bis 1516 Präzeptor der Komturei war. Die um 1300 gegründete Kommende Isenheim gehört zum Orden des Heiligen Antonius, der Ende des 9. Jahrhunderts in einem Dorf in der Dauphiné entstand. Der Antoniterorden hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kranke zu heilen, die am sogenannten „Antoniusfeuer“ erkrankten. Diese Krankheit, die mit dem Verzehr von Mutterkorn, einem Parasiten des Roggens, zusammenhängt, führt zu einer Kontraktion der Blutgefäße, die zu einer Nekrose der Gliedmaßen führen kann. Um den Kranken zu helfen, servierten die Antoniter ihnen hochwertiges Brot und bereiteten den „Saint Vinage“ zu. Dies war ein Heiltrank auf Weinbasis, in dem die Ordensleute Pflanzen einlegten und Reliquien des Heiligen Antonius eintauchten. Sie stellten auch einen Balsam aus Pflanzen her, der entzündungshemmende Eigenschaften hatte.

Die Isenheimer Komturei gelangte durch diese heilenden Angebote nach und nach zu beträchtlichem Reichtum, der sich wiederum in den zahlreichen Kunstwerken – wie etwa dem Altar – widerspiegelt, die sie in Auftrag geben konnte. Der Isenheimer Altar blieb bis zur Revolution in der Komturei. Um seine Zerstörung zu verhindern, wurde er 1792 nach Colmar in die Bibliothèque Nationale du District gebracht. Seit 1852 befindet er sich in der Kirche des ehemaligen Dominikanerinnenklosters Unterlinden gebracht, wo er den größten Schatz des Museums darstellt. Neben dem Altarbild bietet das Museum Unterlinden einen fast 7000 Jahre Geschichte umfassenden Rundgang – von der Frühgeschichte bis zur Kunst des 20. Jahrhunderts. Während der Zeitreise durch diese nahezu enzyklopädischen Sammlungen können Sie auch die vielfältigen Aspekte der Museumsarchitektur entdecken.


 

Unterlinden-Museum, Place Unterlinden, 68000 Colmar - 03 89 20 15 50. 

Mittwoch bis Montag: 9:00 bis 18:00 Uhr. Dienstag: geschlossen. Kassenschluss 30 Minuten vor Schließung des Museums. 

Altarbild von Issenheim: plastischer Teil