Zur Freiheit des Geistes berufen - Das Gefängnisapostolat in Texas

28 Januar, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

In Lamesa, Texas, hat die Priesterbruderschaft St. Pius X. letztes Jahr Exerzitien unter höchst ungewöhnlichen Umständen gepredigt - nämlich hinter Schloss und Riegel.

Ein Priester der Bruderschaft hatte letztes Jahr im Mai das Privileg, 40 Inhaftierten eines Gefängnisses in West-Texas Ignatianische Exerzitien zu predigen.

Das Preston-Smith-Gefängnis, welches dem Strafvollzug in Lamesa, Texas, zugehörig ist, kann mehr als 2.200 Häftlinge unter verschiedenen Haftbedingungen aufnehmen. Dieses Gefängnis hat die besondere Auszeichnung, mit Mr. Michael Banschbach über einen traditionstreuen Katecheten zu verfügen, der zweimal im Monat ca. 40 bis 50 Häftlinge im Glauben unterrichtet. Wie im Interview der Mai/Juni - Ausgabe des The Angelus berichtet, wohnt Mr. Michael Banschbach mit seiner großen Familie in Midland, Texas. Unter der Schirmherrschaft und mit dem Segen der Priester der Bruderschaft hat er ein Gefängnisapostolat begonnen, welches im ganzen Staat große Frucht hervorgebracht hat.

Dass die Exerzitien in dem Gefängnis stattfinden konnten, geht zurück auf eine zufällige Begegnung zwischen dem Gefängnisgeistlichen und einem Priester der Bruderschaft, der für einige Insassen eine hl. Messe zelebriert hatte. Während ihrer Unterhaltung kamen sie auf das Thema der Ignatianischen Exerzitien. Ein paar Monate später fragte der Kaplan Mr. Banschbach: „Wann kommt denn nun dieser Priester, um Exerzitien zu predigen?“

Nachdem die Erlaubnis des Distriktoberen eingeholt und alle notwendigen Vorkehrungen getroffen worden waren, wurde der Termin für die Exerzitien auf den 10. - 12. Mai festgelegt. In logistischer Hinsicht waren die Umstände natürlich ausgesprochen schwierig. Die Häftlinge hatten nur einen Raum – in diesem Fall die Turnhalle – und es wurde ein Zeitrahmen von 8:00 Uhr bis 20:00 Uhr bewilligt. Die Möglichkeit zum Spaziergang und sich in das eigene Zimmer zurückzuziehen, wie man es normalerweise von Exerzitien kennt, bestand hier nicht. Dank Gesprächen des Kaplans mit dem Gefängnisdirektor, der abends bis 22:30 Uhr Zeit gewährte, wurden aus den 12-Stunden letztendlich 14-Stunden-Tage. 

Da alle zusammen eingeschlossen blieben, ohne zur Betrachtung ins eigene Zimmer gehen zu können, wurden Stühle wandwärts am Rande des Basketballfeldes verteilt. Die Männer sollten ihren Stuhl als ihr „Zimmer“ ansehen und nach den Vorträgen dort ihre Betrachtungen halten. Das war ein spontaner Einfall, der recht gut funktionierte und darüber hinaus zu einer lustigen Anekdote führte. Als nämlich der Wärter zum ersten Mal nach einem Vortrag die Turnhalle betrat, war er so erstaunt, dass er sofort in Hab-Acht-Stellung ging. Seine Begründung: „Mann, war das vielleicht merkwürdig! Im Gefängnis ist es nie still. Wenn es einmal still ist, kann man darauf wetten, dass die was im Schilde führen und man mit einem Angriff rechnen muss.“ Was er gesehen hatte, war die hochherzige Anstrengung der Männer, sich in die Betrachtung zu vertiefen!

Für den Prediger, die Laienhelfer und die Inhaftierten waren es schwierige Exerzitien, außerdem war auch der Teufel überaus aktiv: Verspätungen, Geiselnahmen, Unruhen, die den Einsatz von Tränengas in mehreren Zellblöcken erforderten, Wasser, das aus der Decke des „Vortragraumes“ strömte, obendrein verlor der Pater am letzten Exerzitientag seinen Ausweis, was ihm an diesem letzten Tag den Zugang hätte versperren können. All dies waren Anzeichen dafür, dass der Teufel über das Geschehen nicht erfreut war und alle Kräfte einsetzte, um „das Werk zu torpedieren“!

Da das Böse so offensichtlich am Werk war, ist das Gelingen – wie der Pater glaubt – einzig den Gebeten der Schwestern, Brüder, Priester und Gläubigen zu verdanken. Es hätte leicht passieren können, dass die Häftlinge weggesperrt worden wären. In all den Schwierigkeiten konnte man nur das Wirken der Finsternis erkennen, welches unser himmlischer Vater dem Teufel gestattete, damit wir es geduldig ertragen. Der Priester erklärte den Männern, dass man aus all dem eine gute Lehre ziehen könne: Wenn wir in unserem Leben das Richtige tun wollen (d.h. dem Willen Gottes folgen wollen), werfen uns die Welt, unsere gefallene Natur und der Teufel allerlei Hindernisse in den Weg. Darüber darf man sich nicht wundern oder gar entmutigen lassen, sondern ruhigen Herzens die guten Vorsätze bewahren.

Bitte beten Sie aus Nächstenliebe für diese Männer, dass sie ihren Vorsätzen treu bleiben. Seien Sie versichert, dass die Männer jenseits des Stacheldrahts auch für Sie sowie für all ihre katholischen Brüder und Schwestern beten.

Quelle: fsspx.news / Fr. Thomas Asher