Anmut des blühenden Feldes

Quelle: Distrikt Österreich

Welch schönen Anblick gewährt ein „volles Feld“! Welchen Duft, welche Anmut, welche Freude für den Landmann! Wie könnten wir es geziemend darstellen, wenn wir auf unsere eigenen Worte angewiesen wären? Doch wir haben die Schriftzeugnisse, durch die wir des Feldes Anmut mit der Segens- und Gnadenfülle der Heiligen verglichen finden. So spricht der hl. Isaak: „Der Wohlgeruch meines Sohnes ist wie der Wohlgeruch eines vollen Feldes.“ (Gen 27,27) Wozu also eine Schilderung der purpurblauen Veilchen, der weißschimmernden Lilien, der rötlich glühenden Rosen, der bald von goldigen, bald von buntfarbigen, bald von lichtgelben Blumen prangenden Gefilde, von denen man nicht weiß, ob mehr ihrer Blumen Pracht oder deren würziger Duft erfreuen? Das Auge weidet sich am entzückenden Anblick, weit und breit strömt Wohlgeruch aus, dessen süßer Duft uns erfüllt.

Daher das würdige Wort des Herrn: „Und des Feldes Zierde ist bei mir.“ (Ps 49,11). Bei ihm ist sie, weil er sie geschaffen hat. Denn welcher Meister sonst hätte eine so wunderbare Schönheit in die einzelnen Dinge legen können? „Betrachtet die Lilien des Feldes.“ (Mt 6,28) Welch wundervolles Weiß in ihren Blättern schimmert! Wie die Blätter selbst, eines nach dem anderen, so zur Höhe streben, dass sie die Form eines Bechers bilden, dass ihr Inneres wie funkelndes Gold leuchtet, das indes, weil ringsum die Blüte von einem Wall umfriedet ist, keiner Verletzung ausgesetzt ist! Wollte man diese Blüte pflücken und in ihre Blätter auflösen: wo wäre eine so geschickte Künstlerhand, die der Lilie Anmut von neuem Formen könnte? Wo der Meister, der die Natur so treu nachzuahmen verstünde, dass er sich an die Wiederherstellung dieser Blume wagen dürfte? Hat ihr doch der Herr ein so herrliches Zeugnis ausgestellt, dass er versicherte: „Selbst Salomo in all seiner Pracht war nicht also gekleidet wie eine von diesen.“ (Mt 6,29) Der reichste und weiseste König steht nach diesem Urteil der Schönheit dieser Blume nach.

Hl. Ambrosius: Sechstagewerk 3,36