Mitteilungsblatt Dezember 2015

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Kein Platz für den König!?

Liebe Freunde und Wohltäter!

In diesen Dezember fallen die Gedenktage zweier feierlicher Verlautbarungen des kirchlichen Lehramtes, die sich beide mit der Pilatusfrage an Christus beschäftigen: „Du bist also ein König?“ Die in diesen Dokumenten gegebenen Antworten stehen indes in so radikalem Gegensatz zueinander, wie er nicht größer sein könnte.

1) Die Proklamierung der Königsrechte

Vor 90 Jahren, am 11. Dezember 1925, veröffentlichte Papst Pius XI. die Enzyklika Quas primas über das Königtum Christi, eines der schönsten und tiefschürfendsten Lehrschreiben, das je aus päpstlicher Feder geflossen ist. Gestützt auf die klare Lehre der Hl. Schrift legte Pius XI. ein begeistertes Bekenntnis ab für die universale Herrschaft Christi sowohl über die Einzelwesen wie auch die Gesellschaften. Seine Herrschaft verfügt über eine doppelte unbestreitbare Legitimation: Als wahrer Gott und Schöpfer aller Dinge ist die ganze Schöpfung sein Eigentum, als Erlöser des Menschengeschlechtes hat Er uns zusätzlich durch sein kostbares Blut erworben. Da Jesus als König der Liebe indes keine Zwangsherrschaft ausübt, sondern die Freiheit seiner Untertanen respektiert, haben diese die (traurige) Möglichkeit, sich von Ihm loszusagen, seine Herrschaft zurückzuweisen und das sanfte Joch seiner Gesetze abzuschütteln.1 Allerdings tun sie dies nur zu ihrem eigenen Schaden und Untergang. Denn die Herrschaft des ewigen Königs wirkt sich nur zum Besten der Völker aus. Mit Weisheit und seiner Gnadenhilfe leitet Er sie und führt sie zu Friede und Wohlfahrt in dieser Welt und zur ewigen Seligkeit in der anderen. Fehlt den Menschen dieser wohltuende Einfluss, werden sie in ihrer Unerlöstheit nur eine Gesellschaft gestalten können, in welcher Unfriede und Zerrüttung, Gewalt und Profitgier, Lüge und Betrug anstelle des milden Gesetzes Christi regieren. An Anschauungsmaterial fehlt es uns heute ja beileibe nicht, und hat es übrigens in der langen Menschheitsgeschichte nie gefehlt.

Vor 90 Jahren erkannte der weitsichtige Papst die Gefahren einer solchen Entwicklung. Den damals epidemieartig sich ausbreitenden Laizismus nannte er „die Pest des Jahrhunderts“, weil dieser eben eine Gesellschaft anstrebt, die sich ohne Rücksicht auf Christus und sein Gesetz organisiert. Um diesem verderblichen Zeitübel entgegenzuwirken, führte Pius XI. im gleichen Jahr 1925 das jährliche Christkönigsfest ein, „das viel dazu beitragen werde, jenen öffentlichen Abfall laut zu verurteilen und wieder gutzumachen, den der Laizismus zum größten Schaden der Gesellschaft herbeigeführt hat. […] Für die Staaten wird die alljährliche Feier dieses Festes eine Mahnung sein, dass die Staatenlenker und Behörden, so gut wie die einfachen Bürger, die Pflicht haben, Christus öffentlich zu ehren und Ihm Gehorsam zu leisten. Sie wird stets den Gedanken an jenes Jüngste Gericht in ihnen wachhalten, bei dem Christus, der aus dem öffentlichen Leben verbannt und aus Verachtung vernachlässigt und übergangen wurde, unerbittlich streng solch schmähliche Misshandlung rächen wird. Es ist eine Forderung seiner göttlichen Würde, dass die ganz menschliche Gesellschaft sich nach den göttlichen Gesetzen und den christlichen Grundsätzen richte, sowohl in der Gesetzgebung und in der Rechtssprechung, wie auch in der Heranbildung der Jugend zu gesunder Lehre und zu sittlicher Unbescholtenheit.“2

2) Die Entmachtung

Vor 50 Jahren, am 7. Dezember 1965, promulgierte Papst Paul VI. kurz vor Abschluss des II. Vatikanischen Konzils die Erklärung Dignitatis humanae über die moderne Religionsfreiheit, die in der kirchlichen Landschaft und weit darüber hinaus ein Erdbeben auslöste. Sie stürzte nämlich das um, was Pius XI. 40 Jahre zuvor so feierlich bekannte bzw. verurteilte! Kein echter Katholik hätte sich so etwas noch wenige Jahre zuvor vorstellen können. Christus wird als König über die Nationen entmachtet und der Laizismus als neue offizielle Doktrin der Kirche anerkannt! Das kam in Wahrheit einer Palastrevolution gleich. „Dignitatis humanae“ war das Absetzungsdekret. Das Konzil weigerte sich, einen Unterschied zwischen der wahren Religion und den falschen Kulten zu machen. Allen Religionen müssten die gleichen Rechte eingeräumt werden, und der Staat wird zur Neutralität, d. h. zur faktischen Gottlosigkeit verurteilt. Das Absetzungsdekret wurde dann auch konsequent in die Praxis umgesetzt. Auf Betreiben des Vatikans sind alle bislang existierenden katholischen Staaten zwangsweise laizisiert worden. Seither tut man so, als ob Christus, der wahre Gott, im öffentlichen Leben nichts mehr zu sagen und die Volksgemeinschaft Ihm gegenüber keinerlei Verpflichtungen mehr habe.3
Im großen Stil ereignete sich hier, was 2000 Jahre unserem Heiland bereits bei seiner Geburt in seiner Vaterstadt widerfuhr: Es war kein Platz für den König! „Er kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen Ihn nicht auf!“4

3) Thronerhebung

Und doch gilt: „Christus muss herrschen!“5 Als König wurde Er bereits geboren, darum besingt die ganze Weihnachtsliturgie die Würde und die Segnungen seiner Herrschaft.6 Wenn der Advent die Vorbereitung auf Weihnachten ist, heißt dies nichts anderes, als unsere Herzen und Heime für den König vorzubereiten. Die Throne müssen für Ihn errichtet, die Throne der falschen Idole des Zeitgeistes gestürzt werden. Alles, was den Augen des königlichen Erlöserkindes missfällt, muss ausgemerzt werden! Darum ist Buße angesagt, eine Zeit der Herzensläuterung, auf dass Weihnachten ein Festtag wahrer Thronbesteigung des Christkönigs werde! Möge Er unsere Herzen erobern, in ihnen die milde Herrschaft seiner Weisheit und Liebe, seines Friedens und Erbarmens ausweiten, damit wir überall unerschrockene Herolde für sein Königsreich werden. Damit doch bald in allen Herzen wieder Weihnachten werde!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten Advent und fröhliche, gnadenreiche Weihnachten und verbleibe mit priesterlichem Segen

P. Stefan Frey

  • 1. „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich, wer nicht mit mir sammelt, zerstreut“ (Mt 12,30)
  • 2. Enzyklika Quas primas, Nr 92 u. 101
  • 3. Erzbischof Lefebvre behandelte dieses Thema in seinem Hauptwerk „Sie haben ihn entthront“ in anschaulicher und zugleich wissenschaftlich fundierter Weise. Bestellbar beim Sarto-Verlag.
  • 4. Joh 1,11
  • 5. 1 Kor 15,25
  • 6. z. B. Introitus der 3. Weihnachtsmesse: „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt; auf Seinen Schultern ruht die Weltherrschaft (Isaias 9,5ff).“ Vgl. auch den Introitus der 2. Weihnachtsmesse.