Mitteilungsblatt Dezember 2016

Wozu kam Jesus in die Welt? - Das Erdbeben und die Strafe Gottes - Eine Weihnachtsgabe - Der hl. Benedikt und das christliche Europa - Ein neues Kapitel in der Geschichte der Bruderschaft - Papst empfängt Bischof Fellay - Wallfahrt nach Lourdes - Die Bildung des Gewissens - Die Vorgeschichte der Geburt Christi - Msgr. Marcel Lefebvre: Wie nehmen wir Jesus auf? - Für den Christkönig durch Nürnberg - Liturgischer Kalender - Termine und Ankündigungen - Exerzitien und Einkehrtage - Heilige Messen - Buch des Monats - Vorsatz für 2017: Exerzitien machen!

Wozu kam Jesus in die Welt?

Welche Aufgabe hat – hätte – sein Stellvertreter auf Erden?

Wozu ist Jesus in Bethlehem geboren worden? Zu Beginn des Advents sei Ihnen diese Frage vorgelegt. Die richtige Antwort ist nicht nur für uns und unser Heil von höchster Bedeutung, sondern sie hat auch einen ganz aktuellen Bezug zur heutigen sich immer mehr zuspitzenden Krise von Kirche und Gesellschaft. Unser Heiland selbst würdigte sich, die Antwort zu formulieren, Er sprach in entscheidender Stunde vor dem Vertreter der höchsten irdischen Macht von damals das große Wort: „Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass Ich der Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf Meine Stimme.“

Diese Antwort Jesu auf die Frage des Pilatus mag überraschen. Würde man nicht meinen, Unser Heiland sei doch eigentlich in die Welt gekommen, um die Menschen von ihren Sünden zu erlösen, die Er bereits als kleines Kind in der Krippe auf sich geladen und abgebüßt hat? Das ist natürlich richtig. Erster Schritt auf dem Weg der Rechtfertigung eines Sünders ist allerdings die Annahme der göttlichen Wahrheit, mithin der Glaube, „ohne den es unmöglich ist Gott zu gefallen“1. Darum konnte Jesus zu den Juden sagen: „Wenn ihr in meiner Lehre verharrt, seid ihr wahrhaft meine Jünger. Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen“ (von der Sklavenschaft der Sünde).2 Daraus ergibt sich die logische Struktur der Sendung, die Er von seinem Vater erhalten hat. Er kam in die Welt als Lehrer, um die Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit zu führen3, als Priester, um sie durch sein kostbares Blut und das Bad der Wiedergeburt zu reinigen und mit Gott zu versöhnen, und schließlich als König, um sie zu durch sein Gesetz sowie seine Vorsehung zu leiten und zum ewigen Vaterland zu führen. Diese dreifache Sendung übertrug Er seiner Kirche, damit sein Erlösungswerk bis ans Ende der Zeit fortgesetzt würde. Es lässt sich aus der Geschichte nachweisen, dass Wohl und Weh der Völker davon abhingen, wie treu die Kirche ihre dreifache Aufgabe erfüllte. In dieser Tatsache liegt auch der tiefste Grund, warum die heutige Menschheit immer rasanter dem Abgrund entgegenschlittert. Seit über 50 Jahren vernachlässigen die Männer der Kirche ihre elementaren Aufgaben aufs Sträflichste, insbesondere die erste, das Zeugnis für die Wahrheit. Sie verweigern so der Welt die Heilmittel, deren sie so sehr bedürfte. Versiegen die Quellen der Erlösung, gibt es keine Rettung.

Hochverrat von höchster Stelle

Leider erlebten wir am 31. Oktober bei der 500-Jahresfeier der Reformation eine überaus betrübliche und bittere Bestätigung dieser Feststellung. Der Besuch des Papstes in Lund erwies sich als nichts anderes als eine Kapitulation und Verneigung vor Luther, ein Triumph des Relativismus und des Irrtums, eine Schmähung der Ehre der Kirche! Als Lehrer der Völker hätte er der Wahrheit Zeugnis geben und als oberster Hirte und Vater der Christenheit die Protestanten in Liebe einladen sollen, ihre 500-jährige Irrfahrt zu beenden und endlich ins Vaterhaus zurückzukehren, zumal der Protestantismus seit längerem schon in den letzten Zügen dahinsiecht. So hätte er das göttliche Vorbild aller Hirten nachgeahmt, der Licht ist zugleich und Liebe. Das Gegenteil ist geschehen!! Auf dem Altar des Ökumenismus wurde um eines falschen Scheinfriedens willen die Wahrheit, die Rückkehr der Irrenden und das Heil vieler zum Opfer gebracht.

Das Foto des Papstes und der Führer des Luthertums mit gleicher weißer Kleidung und roter Stola hat Signalwirkung und vermittelt die Botschaft: Beide Religionen sind gleich und gleichwertig. – Die gemeinsame Erklärung lobt die „geistlichen und theologischen Gaben der Reformation.“ – Franziskus behauptete bereits im Juni, Luthers Absichten seien richtig gewesen. Seine Rechtfertigungslehre hätte er zu einer Medizin für die Kirche gemacht, die sich konsolidierte zu einer Disziplin des Glaubens und der Praxis!! (vgl. www.katholisches.info, „Papst Franziskus wiederholt Kaspers Skandalthese: Martin Luther hatte recht“, 27.6.2016).

Was können und sollen wir tun?

Der Advent ist für jeden von uns eine Zeit der Einkehr und Herzensbereitung, der Gewissenserforschung und Selbstheiligung. Ich darf Ihnen – vor dem Hintergrund der dramatischen Zeitgeschehnisse – folgende Ratschläge geben:
1)     Beten wir mehr denn je für unseren Heiligen Vater. Das ist eine unserer ersten Christenpflichten. Auf dass sich das Wort Christi an Petrus auch an ihm erfülle: „Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht wanke. Du aber, wenn du einst bekehrt sein wirst, stärke deine Brüder!“4
2)     In der Nachfolge Christi geben auch wir unerschrocken Zeugnis für die Wahrheit! Durch Wort und Beispiel! Auch die Laien haben Anteil an der Sendung der Kirche. Wir ehren die mutigen Glaubenszeugen der Vergangenheit. Seien wir auch solche, die dazu beitragen, das Licht der Wahrheit in den Menschenherzen zu entzünden. Das kann bereits geschehen, wenn Sie zu Weihnachten das richtige Buch oder Video verschenken.
3)     „Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf Meine Stimme.“ – Seien wir begierig, auf die Stimme der Wahrheit zu hören, die in Christus als Person sichtbar geworden ist. Wie heilsam und tröstlich ist es, den wahren Glauben zu vertiefen und zu studieren sowie „das Wort Gottes im Herzen zu erwägen“5, d. h. im innerlichen Gebet zu betrachten.6  Je heller das Licht in uns wird, umso lodernder flammt der Brand der Liebe auf. Und nur wer innerlich brennt, kann andere entzünden.
Sei uns die Gottesmutter Führerin und Vorbild auf dem Weg zur Krippe des Herrn. Gehen wir an ihrer Hand diesen Weg der Askese und Reinigung, der Vorfreude und Sehnsucht, auf dass es wirklich Weihnachten werde in unseren Herzen und immer mehr auch in unserer finsteren Zeit.

Von Herzen wünsche ich Ihnen ein gnadenreiches Weihnachtsfest lichtvoller Freude und flammender Liebe zum göttlichen Jesuskind sowie dessen stetigen Segen im neuen Jahr.

Ihr P. Stefan Frey

  • 1. Hebr 11,6
  • 2. Joh 8,31ff. Vgl. das Konzil v. Trient: „Der Glaube ist der Anfang des menschlichen Heiles, die Grundlage und Wurzel jeder Rechtfertigung“ (Dekret über die Rechtfertigung).
  • 3. vgl. 1 Tim 2,4
  • 4. Lk 22,32
  • 5. vgl. Lk 2,51
  • 6. Sehr empfehlenswert ist das neu aufgelegte Betrachtungsbuch von Ludwig de Ponte, „Meditationen zum gesamten Kirchenjahr“, beziehbar beim Sarto-Verlag in Jaidhof.