Mitteilungsblatt Februar 2016

Fastenbrief: Zeitgemäße Buße wider neuzeitliche Sucht - Das St. Bernhard Noviziat - KJB–Winterlager in Lienz - Brief an die Freunde und Wohltäter - Das Evangelium von der christlichen Ehe - „Schicken Sie Ihre Seele mal zum TÜV“ - Die Mission St. Pius X. in Gabun - Msgr. Marcel ­Lefebvre: Der Erzbischof wider den schismatischen Geist - Missionsschwestern von Jesus und Maria: Liturgischer Kalender - Termine und Ankündigungen - Exerzitien und Einkehrtage - Heilige Messen - Buch des Monats - Beten

Zeitgemäße Buße wider neuzeitliche Sucht

Liebe Freunde und Wohltäter!

„Wir tragen die Abtötung Christi ständig an unserem Leib, damit das Leben Jesu in unserem Leib offenbar werde.“1 Mit diesem kernigen Ausspruch gibt uns der hl. Apostel Paulus gewissermaßen ein Leitmotiv für die Fastenzeit. Sinn und Zweck der heiligen Bußzeit finden wir hier prägnant ausgedrückt. Wir folgen unserem Heiland in seinem Beispiel der Abtötung nach, damit sein göttliches Leben in uns erstarke. Doch was soll denn da abgetötet werden, damit Leben entstehe? Verstrickt sich der hl. Paulus hier nicht in einen Widerspruch? Wie kann denn aus dem Tod Leben erwachsen?

Des Rätsels Lösung ist verblüffend einfach, seit Jahrzehnten aber weithin in Vergessenheit geraten.2 Wie der gute Same in Gefahr ist, von Unkraut und Dornen erstickt zu werden, so verhält es sich mit dem Samen des in der Taufe in unsere Seele eingesenkten Samens göttlichen Lebens, der heiligmachenden Gnade. Er ist sozusagen umschlungen von unzähligen sündhaften Neigungen, die Folgen unserer erbsündlich verwundeten Natur sind, sowie auch der persönlichen Sünden. Gibt der Mensch diesen verdorbenen Trieben nach, beginnen diese mehr und mehr zu wuchern, das Göttliche in uns einzuschnüren und werden es schließlich ersticken. Sie müssen also energisch bekämpft und ausgerottet werden. Das zu vollbringen, ist Aufgabe der Buße bzw. der christlichen Abtötung. Und so ermöglicht die Buße tatsächlich das ungeahnt große Wunder, dass der Christ durch das Sich-selbst-Sterben zur Herrlichkeit des Lebens Christi ersteht.

Werden wir nun konkret. Der tiefe Menschen- und Gotteskenner Johannes der Evangelist zählt in seinem ersten Brief drei Kategorien sündhafter Neigungen auf, die seinen Worten gemäß der Gottesliebe widerstreiten und mit ihr unvereinbar sind: Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens.3 Gegen diesen dreifachen Feind in der eigenen Seele gilt es beständig, besonders intensiv nun aber in der Fastenzeit den Kampf der Abtötung zu führen.

1) Gegen die Augenlust

Wir alle spüren in uns die Hinneigung zu weltlichen Eitelkeiten, die uns etwa die Medien in Bild und Ton wie ein unaufhörliches Feuerwerk darbieten, das den Augen Lust bereitet. Ebenso üben Supermärkte auf uns eine Anziehungskraft aus, die uns verlockt, Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen. Materialismus, Raffgier, Konsummentalität sind Kennzeichen unseres Zeitalters. Sie stopfen unsere Seele so voll, dass für die wahren Güter oft kein Platz mehr bleibt.

2) Gegen die Fleischeslust

Wer sein Herz ans Weltliche hängt, wird bald gedrängt, alles was die Welt an Sinnengenuss bietet, auszuschöpfen. Weltliebe führt zur Genuss- und Vergnügungssucht. Diese Sucht aber wird zum unheimlichen Sklavenjäger. Wie viele sind schier rettungslos versklavt an die Unkeuschheit, den Alkohol, die Esslust, den Medienkonsum und andere Drogen, die ihre Opfer unbarmherzig in Ketten legen. Doch Gott sei Dank kommt uns ein Retter zu Hilfe, der zum Befreiungsschlag ausholt. Sein Säbel, womit er die Ketten durchschlägt, ist die Buße und das Kreuz! Er ist uns den Weg der Buße zur vollkommenen Freiheit vorangegangen, auf dem wir ihm mutig folgen. Je weiter wir zur Freiheit gelangen, desto tiefer werden wir die entzückende und stets neue Erfahrung des wahren Glücks machen, das eben nicht in irdischen Vergnügungen besteht, sondern von Gott kommt: „Freuet euch immerdar im Herrn! – Die Freude des Herrn ist eure Stärke! – Selig die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“4

3) Gegen die Hoffart des Lebens

Die Neigung zum Stolz steckt in jedem von uns. Kein Laster ist in unserer Seele so weit und fein verzweigt wie dieses. Da der Stolz blind macht5, sind sich indes die wenigsten des Ausmaßes des Übels bewusst. Darin besteht das eigentliche Drama, da die Blindheit die Besserung enorm erschwert. Auf dem Schlachtfeld der Hoffart müssen wir uns also besonders wachsam verhalten, denn wer im Nebel kämpft, sehe zu, wie er den Stolz und seine zahlreichen Kumpanen treffsicher niederschlägt: den Egoismus, die Eigenliebe, Ehrsucht, Herrschsucht und Rücksichtslosigkeit, die Empfindlichkeit und Kritikunfähigkeit, die Selbstüberschätzung und Besserwisserei, den Zorn, Neid und die Unbeherrschtheit usw. Vor allem muss er Gott um die wahre Herzensdemut bitten, denn diese öffnet die Geistesaugen für das Licht der Wahrheit.
Wir haben nun die Schlachtfelder der Buße erkundet. Jetzt geht es darum, die richtige Strategie zu entwickeln. Keiner zieht unvorbereitet in den Krieg und kämpft aufs Geradewohl. Das gilt auch für den geistlichen Kampf im Inneren der eigenen Seele. Da die Seelen sehr unterschiedlich sind, muss jeder ernsthaft überlegen, wo seine schwachen Stellen, seine dominanten Fehler sind, die es vor allem aufs Korn zu nehmen gilt. Einen Beichtvater des Vertrauens um Rat zu fragen, kann zudem von großem Nutzen sein.
Trotz aller individuellen Unterschiede gibt es in der heutigen Zeit aber zwei große Gefahrenbereiche, denen die meisten von uns ausgesetzt sind und die uns nicht selten überwältigen. Ich meine die Bildschirmmedien und den Materialismus. Ich möchte Ihnen darum zwei besondere Bußübungen als Schutzwehr vorschlagen: Verzicht auf Medienkonsum durch Bildschirmfasten, Verzicht auf materielle Güter durch Almosen.

Digitales Fasten

Mit dem Aufkommen der Bildschirmmedien und des Internets kam auf die Menschheit eine ganz neue gigantische Herausforderung zu: diese Medien zu beherrschen und sich nicht von ihnen beherrschen zu lassen. Jeder weiß ganz persönlich, wie schwer das ist und welch traurige Folgen ein Mangel an Beherrschung nach sich zieht: Man verliert sehr viel Zeit, die Gott uns eigentlich zur Vollbringung guter Werke geschenkt hat; man stopft seinen Geist mit dem Müll nichtiger, lügnerischer und nicht selten gefährlicher Inhalte voll, der ihn für tiefere Gedanken lähmt und das Gebet erschwert. Getrieben von der unablässigen Jagd nach den neuesten „wichtigen“ Informationen geht zudem die innere Ruhe und Besonnenheit der Seele verloren, die für kluges Urteilen und Entscheiden so grundlegend ist. Die Litanei der Schäden könnte beliebig fortgesetzt werden.
Was tun? Ich möchte Sie bitten, in der Fastenzeit eine gemeinsame Aktion zu starten wider die Mediensucht. Üben wir Medienabstinenz! Genießen wir das elektronische Schweigen, um Zeit zu gewinnen und innere Kräfte freizusetzen für das Gebet und den geistlichen Fortschritt! Opfern wir den Medienverzicht auf zur Sühne so vieler Beleidigungen Gottes gerade durch die Medien! Es lebe das digitale Fasten!
Es geht hier nicht um das totale Abschalten der Bildschirme, da viele berufsmäßig darauf angewiesen sind, es geht vielmehr um das Abschneiden des Überflüssigen und nicht Notwendigen. Sich hier Gewalt antun ist ein ausgezeichnetes Mittel der Willensschulung und der Übung der Selbstdisziplin.

Fastenopfer und Almosen

Jeder Katholik ist vor Gott verpflichtet, Almosen zu geben, einerseits als Liebesdienst zur Unterstützung der Kirche und der Bedürftigen, andererseits um Sühne zu leisten für die Anhänglichkeit an irdische Güter und für deren ungute Verwaltung. Es war in den „reichen“ Ländern immer üblich, in der Fastenzeit den Katholiken ein Fastenopferprojekt vorzulegen, meistens ein Missionswerk, dessen Aufbau unterstützt werden sollte. Das stellte eine ideale Gelegenheit und zudem einen Ansporn für alle Katholiken dar, diesen Liebesdienst des Almosens zu leisten. Gerne halten wir es auch in unserer Priesterbruderschaft so. In diesem Jahr unterstützt der Distrikt Österreich den Neubau der Kirche unseres Noviziates und Vorseminars in Iloilo auf den Philippinen. Wir wollen es uns zur Ehre anrechnen mitzuhelfen, für die Kandidaten des gottgeweihten Lebens sowie für die wachsende Schar der Gläubigen ein würdiges und geräumiges Gotteshaus zu bauen und sie zu befreien aus ihrem jetzigen engen Garagenkapellendasein.

Gott schenke uns allen für die Fastenzeit ein großmütiges, edles Herz. Nur wer energisch an sich arbeitet, wird Fortschritte im Guten tun. Nur wer tapfer kämpft, wird den Sieg erringen, der uns verheißen. Wir sind nicht allein! Mit uns ringt auch die große Schar jener, die um des Namens Jesu willen in so vielen Ländern Verfolgung erdulden. Gemeinsam sind wir stark! Es kommt also auf jeden von uns an!
Von Herzen wünsche ich Ihnen Gottes Gnade und den Beistand der Gottesmutter für eine gesegnete Fastenzeit.

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Stefan Frey

  • 1. 2 Kor 4,10
  • 2. Dieses „Vergessen“ kommt nicht von ungefähr. Der renommierte römische Theologe P. Garrigou-Lagrange beschreibt schon in den 1930er Jahren, wie die damaligen Modernisten in vielen Publikationen die Buße und Abtötung herabsetzten. Sie propagierten ein „Christentum der Freiheit und des Lebens“. Die menschliche Natur sei doch gut – Rousseau lässt grüßen –, wozu denn Abtötung und Einschränkung? Man „vergaß“ die traurigen Folgen der Erbsünde sowie die Schwere der Todsünde, man verkannte die unendliche Erhabenheit unseres übernatürlichen Ziels der Gottesvereinigung durch die Liebe, die allem Irdischem vorzuziehen ist („Des Christen Weg zu Gott“, Neuauflage 2012 im Verlag nova & vetera, S. 211ff).
  • 3. 1 Joh 2,16: „Wenn einer die Welt lieb hat, so ist die Liebe zum Vater nicht in ihm. Denn alles, was in der Welt ist: Augenlust, Fleischeslust, Hoffart des Lebens, stammt nicht vom Vater.“
  • 4. Phil 4,4; 2 Esdr 10; Mt 5,8
  • 5. Der Stolze lebt in einer illusionären Realität, da er sich bewusst oder unbewusst auf einen eingebildeten Thron setzt und zu einem kleinen Herrgott macht. Statt Gott zu ehren, sucht er seine eigene Ehre, statt Gott zu dienen, macht er sich selbst zum Mittelpunkt, statt Gott zu lieben, liebt er sich selber. Welche Torheit! „Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz!“