Mitteilungsblatt Jänner 2016

Das Heilige Jahr- Die größte Bedrohung ist die eigene Schwäche - Dankwallfahrt nach Ecône - An Freunde & Wohltäter - Zweideutigkeiten, Halbwahrheiten und Irrtümer - Msgr. Marcel Lefebvre: Wie kann man sich die Rückkehr zu einer normalen Situation vorstellen? - Selig die Barmherzigen - Neue Website - Liturgischer Kalender - Termine und Ankündigungen - Exerzitien und Einkehrtage - Heilige Messen - Buch des Monats - Das Drama unserer Tage

Das Heilige Jahr

Was sollen wir von einem Jubeljahr der Barmherzigkeit halten, das Papst Franziskus aus Anlass des Abschlusses des II. Vatikanischen Konzils ausgerufen hat? Zweifelsohne macht es einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits ist jedes Heilige Jahr eine Zeit der Gnade, in der die Kirche jedem Gläubigen aus dem Schatz der Verdienste Christi und der Heiligen einen feierlichen vollkommenen Ablass für die zeitlichen Sündenstrafen anbietet.1 Zudem werden überreiche Gnaden zur Heiligung des persönlichen Lebens geschenkt. Andererseits ist es völlig offenkundig, dass das Jubiläum eines Konzils, das eine Ära unbeschreiblichen kirchlichen Niedergangs eingeläutet hat, kein Anlass zur Freude sein kann. Wie sollen wir uns also verhalten?

Da das spezielle Motiv eines Heiligen Jahres das Wesen desselben nicht berührt, können beide Elemente klar auseinandergehalten werden. Nichts hindert uns daran, von den Gnaden, die Gott uns durch seinen Stellvertreter auf Erden anbietet, zu profitieren, uns aber weiterhin vom schädlichen Charakter des II. Vatikanischen Konzils zu distanzieren. Im Brief an die Freunde und Wohltäter vom 24. Mai 2015 hat der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. den Weg, den es einzuschlagen gilt, klar gezeichnet:

„Wenn die Schleusen der Gnade weit offen stehen, muss man sie in Überfülle empfangen! Ein Heiliges Jahr ist für alle Glieder der Kirche eine große Gnade. Wir wollen also von der wahren Barmherzigkeit leben, einer Barmherzigkeit, wie sie uns jede Seite des Evangeliums und die traditionelle Liturgie lehren. Ganz im Sinne der ‚vorgängigen Unterscheidung’2, welche Erzbischof Lefebvre der Priesterbruderschaft St. Pius X. als Handlungsprinzip in diesen Zeiten der Verwirrung mit auf den Weg gegeben hat, wollen wir eine verstümmelte Barmherzigkeit verwerfen und in vollen Zügen aus der ganzen Barmherzigkeit leben. (…)

Wir wollen diesen Aufruf zur Barmherzigkeit ernst nehmen – aber wie die Bewohner von Ninive! Wir wollen den verlorenen Schafen nachgehen, für die Bekehrung der Seelen beten und alle Werke der Barmherzigkeit, die in unserer Macht stehen, vollbringen, seien es die leiblichen oder noch mehr die geistigen, denn an diesen mangelt es vor allem. Wir, liebe Gläubige, sollen dieses Heilige Jahr nutzen, um den Gott der Barmherzigkeit um eine immer tiefer gehende Bekehrung zur Heiligkeit zu bitten, um die Gnaden und die Vergebung von seiner unendlichen Barmherzigkeit zu erflehen. Wir bereiten die Hundertjahrfeier der Erscheinungen Unserer Lieben Frau von Fatima vor, indem wir mit all unseren Kräften die Andacht zu ihrem schmerzhaften und Unbefleckten Herzen, wie sie es forderte, praktizieren und verbreiten. Wir werden immer noch und immer wieder inständig darum bitten, dass ihren Forderungen, besonders der Weihe Russlands, endlich gebührend Gehör geschenkt werde.“

Mit herzlichem priesterlichem Segensgruß

P. Stefan Frey

  • 1. Um den Jubelablass zu gewinnen, sind die gewöhnlichen Schritte gefordert: Beichte, Kommunion, Besuch einer Jubiläumskirche (z. B. die Domkirche jeder Diözese), Gebet des Credo und eines Gebets in der Meinung des Hl. Vaters (Die Meinung des obersten Hirten ist: Die Ausbreitung des kath. Glaubens, die Überwindung der Irrtümer, die Eintracht zwischen den christlichen Staatsmännern, die Ruhe und der Friede für das ganze Menschengeschlecht).
  • 2. Vgl. Marcel Lefebvre, Sie haben ihn entthront, Stuttgart, 1988, S. 230: „Wenn der Papst etwas sagt, was unserem Glauben zuwiderläuft, oder wenn er zu etwas ermutigt oder etwas tun lässt, was unserem Glauben schadet, dann können wir ihm nicht folgen! Dies aus dem fundamentalen Grund, dass die Kirche, der Papst, die Hierarchie im Dienst des Glaubens stehen. Nicht sie sind es, die den Glauben machen; sie müssen ihm dienen. Der Glaube wird nicht gemacht, er ist unveränderlich, er wird übermittelt.“