Mitteilungsblatt Juni 2015

Wort des Distriktoberen: Dschihad, Gender, Dialog und das göttliche Herz Jesu - Die Herz-Jesu-Thronerhebung in der Familie - Ewige Profess - Diakonats- und Priesterweihen - Das II. Vatikanum, die Familie und die Ehe - Das Ende des nachkonziliaren Frühlings - Msgr. Marcel Lefebvre: Seit wann gibt es die „Vorbedingungen“? - Liturgischer Kalender - Termine und Ankündigungen - Exerzitien und Einkehrtage - Heilige Messen - Buch des Monats - Priester

Liebe Freunde und Wohltäter!

„Was haben sie aus meiner Schöpfung gemacht?!“ Diese Worte möchte man Gott in den Mund legen, wenn Er heute sein Werk betrachtet. Die Welt ist zerrissen von Hass, Krieg und Revolution wie noch nie zuvor. Tagtäglich erschüttern uns Schreckensbotschaften über das ungeheuer grausame Abschlachten von Christen durch den „Islamischen Staat“. Mit jährlich über 100 000 Märtyrern hat die weltweite Christenverfolgung insbesondere in den Ländern des Islam und des Kommunismus ein nie gekanntes Ausmaß erreicht. Doch auch bei uns im (ehemals) christlichen Westen ist die Verfolgung des Christentums zur bitteren Realität geworden. Wie anders ist es zu erklären, dass die massiv zunehmenden Kirchenschändungen1 und öffentlichen Lästerungen Christi ungestraft bleiben und mit medialem Schweigen bedacht werden, wohingegen die geringste Kritik an Mohammed und der Homolobby in der Medienlandschaft fieberhafte Aufregung und Empörung entfacht? Die katholische Kirche ist als gesellschaftsprägende Kraft längst zur Bedeutungslosigkeit hinabgesunken. An deren Stelle haben offenkundig antichristliche Kräfte es geschafft, ihrer Genderideologie in der politischen Agenda der EU erstrangige Priorität zu verschaffen.2 Gegen den Widerstand der Bevölkerung wird diese nun erbarmungslos durchgeboxt, um so noch die letzten Überreste der natürlichen Schöpfungsordnung niederzuschlagen. Wie beklagenswert sind die wehrlosesten Opfer dieses Genderwahnsinns, eine Millionenschar von Kindern! Die einen geraten in die Fangarme der Abtreibungsmaschinerie, andere überleben zwar, werden aber seelisch vergewaltigt, traumatisiert und fürs Leben dauerhaft geschädigt.3 Wie konnte es nur so weit kommen? – Dabei hat man sich mit und seit dem II. Vatikanischen Konzil doch so bemüht, einen ganz neuen und positiven Zugang zur modernen Welt und den anderen Religionen zu finden, um deren Freundschaft zu gewinnen! Aggiornamento4 war doch das Schlüsselwort des Konzils, das eine epochale Wende herbeiführen sollte! Seit 50 Jahren unermüdlicher ökumenischer Arbeit wurde doch nichts unversucht gelassen, um die Verständigung zwischen den Religionen zu fördern und deren Bedeutung für den Aufbau der Gesellschaft und den Weltfrieden hervorzuheben.5 Im Konzilsdekret Nostra Aetate6 wurden doch bewusst anerkennend lobende Worte auch für die nichtchristlichen Religionen gefunden und z. B. vom Buddhismus ausgesagt, er lehre einen Weg, der zur ‚vollkommenen Freiheit und höchsten Erleuchtung’ führt. Und die Pastoralkonstitution Gaudium et spes – der ‚Schlüssel zum Verständnis des Konzils’7 – ist doch ganz darauf ausgelegt, endlich die Versöhnung mit der Welt und den Errungenschaften der modernen Zivilisation herbeizuführen! 

An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen

Wenn wir ganz nüchtern den Maßstab Christi zur Unterscheidung der Geister „An den Früchten werdet ihr sie erkennen“ anlegen, dann müssen wir zugeben, dass die auf dem Konzil erfolgte Neuorientierung und die darauf aufbauenden Aktivitäten völlig gescheitert sind. Wir müssen zugeben, dass vor 50 Jahren weitsichtige Konzilsväter genau diese fatale Entwicklung vorausgesagt haben. Man habe einen Irrweg eingeschlagen, der nur im Abgrund enden kann, man laufe einer Fata Morgana nach, die sich in nichts auflösen wird. 

Ohne Christus und seine Kirche kein Heil

Diese Fata Morgana war das Trugbild eines Weltfriedens und der Eintracht der Menschheit außerhalb von Christus und ohne Bekehrung zu seiner Kirche. Wie konnte man nur vergessen, welchen Sendungsbefehl Christus an seine Kirche gerichtet hatte und worin ihre ureigene Aufgabe besteht, nämlich die Heilsbotschaft allen Völkern zu predigen, sie durch die Taufe ins Reich Christi einzugliedern und sie zu lehren, seine Gebote zu halten (Mt 28,28)! Oder hat Christus die Apostel etwa ausgesandt, mit der Welt und den Religionen nur zu dialogisieren und das Evangelium als unverbindlichen Beitrag zur persönlichen Lebensgestaltung anzubieten? 

Es ist uns kein anderer Name gegeben

Dabei ist doch Christus der einzige Weg zum Heil und Frieden der Welt. „Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir das Heil erlangen sollen“ (Apg 4,12). „Er ist unser Friede“ (Eph 2,14), und nach seinen eigenen Worten ist Er „der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als durch mich“ (Joh 14,6). Sein von den Propheten angekündigtes Friedensreich, in welchem Er alle Menschen versammeln will, ist die katholische Kirche, auferbaut auf dem Felsen Petri (Mt 16,16). 

"Rückkehrökumene" und "dummer Proselytismus"

Darum war ja die Kirche 2 000 Jahre hindurch unermüdlich bemüht, durch eifrige Missionstätigkeit auch die fernstehendsten Menschen zu gewinnen. Abertausende von Missionaren haben ihre brennende Christusliebe zu den heidnischen Völkern gebracht und oft genug ihr Blut dafür vergossen. – Und das soll heute nichts mehr gelten? Missionseifer darf einfach als „dummer Proselytismus“ 8 und „Rückkehrökumene“ als „abwegig“9 verpönt werden? Ist all dies nun obsolet, da alle Religionen Heilswege seien und der Hl. Geist ja ohnedies schon in allen Menschen wirke10 und sie zu anonymen Christen mache?11 

Alles in Christus erneuern!

„Instaurare omnia in Christo – Alles in Christus erneuern!“ war das große Leitmotiv des hl. Pius X. und ist auch heute die goldrichtige Antwort auf die gegenwärtigen Verirrungen. Nur durch die Treue zur Gottgegebenen Sendung kann die Kirche den Menschen wahren Frieden und ewiges Heil bringen. Und die Katholiken müssen ihr Bestes geben, um durch ein vorbildliches Leben christlicher Liebe die wahre Religion als anziehend und
begehrenswert erscheinen zu lassen. Selbstverständlich kann und darf niemand mit Holzhammermethoden für Christus gewonnen werden, sondern nur durch Überzeugung und Liebe, Vorbild und Gebet. 

Die Liebe des Herzens Jesu

Es ist höchst bemerkenswert, wie unser Erlöser selbst in diesem Sinne ins Weltgeschehen eingreifen wollte, indem Er durch die hl. Margaretha Maria Alacoque die Schätze seines göttlichen Herzens offenbarte. Alle Menschen sehnen sich nach Liebe und Friede: „Sehet das Herz, das die Menschen so sehr liebt.“ – „Ich werde ihren Familien den Frieden geben und meinen Segen reichlich über alle Orte ausgießen, wo das Bild meines Herzens aufgestellt und verehrt wird.“ 

Die Herz-Jesu-Thronerhebung

Im Weiteren erwählte sich Jesus zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Werkzeug für die weltweite Eroberungsreise der Liebe seines Herzens: Dem heiligmäßigen Pater Mateo Crawley schenkte Er in Paray-Le-Monial die verlorene Gesundheit und zeigte ihm in einer übernatürlichen Vision seinen Plan: überall in der Welt die Familien – eine nach der anderen – für das göttliche Herz zu gewinnen, in ihnen seinen Thron zu errichten, bis schließlich seine milde Herrschaft der Liebe alle Institutionen
und auch die Staaten selber erfasst, die sich seinem Herzen weihen werden. Mit diesem Plan der Herz-Jesu-Thronerhebung trat P. Mateo vor Papst Pius X., um dessen Gutheißung und Segen zu empfangen. Dessen schelmische Antwort wurde berühmt: „Nein, ich gebe ihnen diese Erlaubnis nicht.“ – „Aber, Heiliger Vater …“ – „Verstehen Sie mich, Ich erlaube Ihnen nicht, ich befehle Ihnen, Ihr Leben diesem Werk zu weihen. Es ist ein wundervolles Werk.“ 

Oportet illum regnare12

Was der heilige Papst voraussah, wurde voll und ganz bestätigt im segensreichen Wirken von P. Mateo, der in vielen, auch heidnischen Ländern die Liebe des Herzens Jesus predigte und miterleben durfte, wie Dutzende
Millionen von Familien, aber auch Schulen, Universitäten, Fabriken, Spitäler und ganze Länder wie Spanien und Chile sich dem Herzen Jesu weihten. Alle nachfolgenden Päpste haben dieses Werk der Herz-Jesu-Weihe ausdrücklich gefördert, wie nachfolgende Ansprache Pius’ XII. sehr schön dokumentiert. Leider ist in den vergangenen Jahrzehnten dieses „wundervolle Werk“ fast überall zusammengebrochen. Das Herz Jesu darf nicht mehr herrschen. Seine Herrschaftsansprüche ecken an. Das ist antiökumenisch und politisch nicht korrekt. 

Herz Jesu Monat Juni

Der Juni ist der Verehrung des Herzens Jesu geweiht. Sei uns dies Anlass, uns in diese wunderbare Lehre zu vertiefen, diesem so sehr liebenden Herzen liebende Sühne zu leisten für die schändliche Entthronung. Möge dafür sein göttliches Herz in unseren Familien immer vollständiger herrschen und unser Leben gestalten! Seien wir Apostel der Herz-Jesu-Thronerhebung, indem wir möglichst viele Familie für die milde Herrschaft seiner Liebe gewinnen! So werden wir einen wirksamen Beitrag zum wahren Frieden in der Welt und die Verständigung der Völker leisten können. Das Herz Jesu wird stets bei uns sein, versicherte Es doch der hl. Margaretha: „Fürchte nichts, ich werde herrschen trotz meiner Feinde. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht wirkungslos vergehen.“

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Stefan Frey

  • 1. Vom 1. Jänner bis zum 15. Februar 2015 wurden allein in Frankreich 45 katholische Kirchen geschändet. Quelle: lagauchematuer. fr, 16.2.2015.
  • 2. Vgl. Gabriele Kuby, Die Gender Revolution - Relativismus in Aktion.
  • 3. Vgl. KiJa, Sexueller Kindermissbrauch (www.kija.at)
  • 4. Italienisch, von giorno - der Tag: „Auf-den-Tag-bringen“, Anpassung an heutige Verhältnisse. So auch die lat. Übersetzung in den Konzilsentscheidungen accommodatio (Anpassung).
  • 5. Konzilserklärung Dignitatis humanae, Nr. 4.
  • 6. Nostra Aetate, Nr. 3.
  • 7. Kardinal Ratzinger, Theologische Prinzipienlehre.
  • 8. Papst Franziskus, Interview mit Eugenio Scalfari in La Repubblica vom 1.10.2013.
  • 9. Bischof Müller in der Laudatio für den protestantischen Landesbischof Dr. Friedrich am 11. Oktober 2011. Demgegenüber lehrte Pius XI. in Mortalium animos: „Es gibt … keinen anderen Weg, die Vereinigung aller Christen herbeizuführen, als den, die Rückkehr aller getrennten Brüder zur einen wahren Kirche Christi zu fördern, von der sie sich ja einst unseligerweise getrennt haben.“
  • 10. Johannes Paul II., Enzyklika Dominum et Vivificantem, Nr. 65.
  • 11. Dabei wird die antichristliche Stoßrichtung beispielsweise des Islams völlig verkannt. Der Dschihad gegen die „ungläubigen“ und „götzendienerischen“ Christen ist nach dem Koran grundlegende Pflicht jedes Moslems. Um nur eine der vielen einschlägigen Koranstellen zu nennen, die als authentisches Wort Allahs gelten: „Wahrlich, in die Herzen der Ungläubigen werfe ich Schrecken. So haut ein auf ihre Hälse und haut ihnen jeden Finger ab“ (Sure 9,29).
  • 12. "Er muss herrschen" 1 Kor. 15, 25