Mitteilungsblatt Oktober 2015

Das Flüchtlingsdrama und die Immaculata - Das heiligste Herz Jesu – die Pforte zum Himmel - Fußwallfahrt von Föhrenau nach Mariazell - Beichtjurisdiktion - Die kinderreiche Familie in der Kritik der modernen
Zivilisation - Ehe: Das Beispiel Christi und der Kirche nachahmen - St.-Theresien-Gymnasium in Schönenberg: Abiturrede 2015 - Kardinal Pie: ein Apostel des sozialen Königtums Christi - Die Seele des Menschen - Msgr. Marcel Lefebvre: Die Herrschaft Christi über die Gesellschaft - Liturgischer Kalender - Termine und Ankündigungen - Exerzitien und Einkehrtage - Heilige Messen - Buch des Monats - Herzenswunsch

Das Flüchtlingsdrama und die Immaculata

Liebe Freunde und Wohltäter!

Wir stehen alle konsterniert vor dem aktuellen Flüchtlingsdrama, das immer besorgniserregendere Ausmaße annimmt. Nicht nur das Elend der Einwanderer erschüttert uns, sondern auch die Sorge um die Zukunft unseres Kontinents, der vollständig überflutet und von weiteren Invasionen bedroht wird. Die Konzeptlosigkeit der Politiker innerhalb der EU bereitet einem zudem weiteres Unbehagen, die über Lösungsansätze zur Bewältigung dieser gigantischen Herausforderung streiten, derweil unsere Länder bereits im Chaos versinken. Seit zwei Wochen kann man mit dem Zug praktisch nicht mehr nach Budapest reisen, da sich der dortige Bahnhof Keleti in Belagerungszustand befindet und zum Schauplatz von Schlachten zwischen Polizei und Einwanderern geworden ist.1

Man wird den Verdacht nicht los, dass die ganze Sache gesteuert ist. Sind wir Augenzeugen anbrechender apokalyptischer Szenarien, die den Weg für die Welteinheitsregierung des Antichristen bereiten? Sollen die letzten Reste des christlichen Abendlandes zerschlagen werden, um auf deren Trümmern ein sozialistisches „Multi-Kulti-Paradies“ zu errichten mit einer Mischbevölkerung, die keine Verwurzelung in der Vergangenheit mehr kennt, sondern nur noch aus manipulierbaren und beliebig austauschbaren Weltbürgern besteht? Solche Spekulationen mögen gewagt erscheinen, betrachtet man indes die heutige gesellschaftspolitische Entwicklung im Lichte der Geheimen Offenbarung des hl. Johannes, so weist alles sehr deutlich auf die dort prophezeite Herrschaft des Antichristen hin. Und dies umso mehr, wenn man sich die neue säkulare Pseudo-Religiosität der Gender- und Öko-Ideologie vor Augen hält, die ganz offensichtlich das Christentum ablösen soll. Ihre „Missionare“ verbreiten den neuen Glauben mit aller politischen und medialen Gewalt und treten mit dogmatischem Unfehlbarkeitsanspruch auf, der keinen Widerspruch duldet. Sie geben uns so einen Vorgeschmack derzukünftigen globalen Tyrannei.

Doch dies soll uns nicht weiter beschäftigen. Wichtiger ist es, nach den Ursachen des unbeschreiblichen Dramas zu fragen, das sich in Europa - und anderswo - abspielt. Ursachen lassen sich leicht aufzählen: Kriege und korrupte Regierungen sind beispielsweise Auslöser für die heutigen Flüchtlingsströme. Dunkle Machenschaften der hinter den Kulissen agierenden Freimaurerei mögen dabei mitwirken. Die herrschende humanistische „Gutmenschen- Mentalität“ erleichtert alles noch. Doch man muss in der Ursachenforschung weiter gehen. Kriege, zerstörerische Politsysteme und Ideologien finden ihrerseits ihre tiefere Ursache in der Sündhaftigkeit der Menschen. Ohne Sünden gäbe es ja keine Kriege oder Irrlehren. Die Sünden der Menschen können aber nicht anders überwunden werden als durch den Gottessohn Jesus Christus, der als Erlöser aller Menschen in die Welt kam. Wo die Sünde triumphiert, ist seine Erlösungsgnade noch nicht hingedrungen. Wo aber das Friedensreich Christi sich ausbreitet, da schwindet die Macht Satans und eine Zivilisation der Gerechtigkeit und Liebe entsteht. Die 2000-jährige Missionsgeschichte der Kirche bietet uns für diese Wahrheit unzählige beeindruckende Beweise.

Somit steht uns auch die wahre Lösung zur Überwindung des ganzen heutigen Elends vor Augen: Sie ist schlicht und einfach Unser Herr Jesus Christus. „In keinem anderen ist das Heil!“2 Alle anderen Bemühungen sind im Vornherein zum Scheitern verurteilt. Zu Ihm, der „der Weg, die Wahrheit und das Leben“3 ist, müssen alle Menschen hingeführt werden! – Warum ist dies aber nach 2000 Jahren Christentum nicht schon längst geschehen? Diese Frage ist berechtigt, und deren Beantwortung birgt ein weiteres Drama in sich: weil die Christen zu wenig Christen sind! „Die ganze Macht der Bösen liegt in der Schwäche der Guten“, sagte der hl. Pius X. Es fehlt heute an allen Ecken und Enden an Heiligkeit, Überzeugung und missionarischer Liebe! Und jetzt wird es ganz konkret. Gewiss spielen die Freimaurer, die korrupten Politiker, Journalisten und Lehrer im Weltgeschehen ihre unheilsvolle Rolle. Die eigentliche Frage lautet, und da müssen wir uns alle an der eigenen Nase packen: Wie steht es mit meinem Heiligkeitsstreben, mit meiner Glaubensüberzeugung und meiner missionarischen Liebe? Jeder Mensch trägt Verantwortung nicht nur für sein eigenes Heil, sondern auch für das Reich Christi insgesamt.

Heiligkeit und Missionseifer sind Gnaden, die uns die Gottesmutter Maria vermittelt. Zu ihr müssen wir Zuflucht nehmen, wenn wir brauchbare(re) Arbeiter im Weinberg des Herrn und Streiter Christi werden wollen. Die Immaculata ist das „große Zeichen“, das in der Apokalypse am Himmel erscheint zur Überwindung der antichristlichen Mächte. Sie ist die Königin, unter deren Banner alle großen Heiligen der Neuzeit, wie die hll. Grignion von Montfort oder Maximilian Kolbe, sich zu geistigen Eroberungsfeldzügen aufmachten.

Lassen wir Letzteren kurz zu Wort kommen.

Derjenige, der ein übernatürliches Leben führen will, klammert sich an die Mutter der göttlichen Gnade. Derjenige, der sich bekehren und heiligen will, muss Zuflucht zur Mutter Gottes nehmen, denn sie ist die Mittlerin aller Gnaden. Dieses Geheimnis, dass wir alles durch die Immaculata empfangen, ist immer noch wenig bekannt. Dies ist der Grund, warum wir es verkünden sollen. Mehr noch: Wir müssen die ganze Welt für die Immaculata erobern.4

Lasst uns darum im Oktober, den Rosenkranz eifrig in den Händen tragend und betend, vertrauensvoll zur Rosenkranzkönigin Zuflucht nehmen und sie immer wieder um das eine bitten, das heute so Not tut und das einzig die Zukunft nicht nur Europas, sondern der ganzen Welt sichern kann: Heiligkeit und missionarische Liebe.

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Stefan Frey

  • 1. Diese Zeilen wurden am 4. September geschrieben, deren Verfasser am Folgetag nach
    Budapest reisen musste.
  • 2. Apg 3,12
  • 3. Joh 14,6
  • 4. Hl. Maximilian Kolbe, Lass dich von der Immaculata führen, S. 79