Mitteilungsblatt September 2015

Wort des Distriktoberen – 100 Jahre Herz-Jesu-Weihe – Ankündigung: 20. Wallfahrt nach Mariazell – Thomaskirche wird künstlerisch gestaltet – Primiz in der Mozartstadt – Familiensynode: Der Rhein fließt nicht in den Volta-See – Sei eingedenk, o Herr, Deiner heiligen Vereinigung! – Die Seele des Menschen – Msgr. Marcel Lefebvre: „Ertragt euch gegenseitig“ – Liturgischer Kalender – Exerzitien und Einkehrtage – Heilige Messen – Buch des Monats – Gebet

»Damit steht und fällt die katholische Kirche«

Liebe Freunde und Wohltäter!

Am 8. September 1975 pilgerte Erzbischof Lefebvre anlässlich der Sternwallfahrt der Tradition nach Mariazell. 40 Jahre später wird wiederum ein Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. das Nationalheiligtum Österreichs aufsuchen, um den Segen der Magna Mater Austriae auf unser Vaterland und auf unsere Priorate und Kapellen herabzurufen. Sehr herzlich lade ich Sie ein, am Rosenkranzsonntag, den 4. Oktober zahlreich nach Mariazell zu kommen, zumal wir mit der feierlichen Erneuerung der Weihe Österreichs an das heiligste Herz Jesu noch ein weiteres denkwürdiges Jubiläum begehen werden.

Drehen wir kurz das Rad der Geschichte um vier Jahrzehnte zurück: Erzbischof Lefebvre nimmt die Einladung nach Mariazell gerne an und wird vom dortigen Superior wie auch vom Abt von Kremsmünster sehr freundlich empfangen. Einzig von Graz her weht es etwas eisig her, da Bischof Weber die Feier einer tridentinischen Messe verbietet. Immerhin findet dann am Fest Mariä Geburt eine eucharistische Rosenkranzprozession statt, und unser hoher Gast darf anschließend bei der Vesper in der Basilika predigen.

Es lohnt sich, an seine Predigt1 zurückzudenken, die in kurzen Zügen die Herrlichkeit der christlichen Berufung meisterhaft skizziert, gleichzeitig den tiefsten Grund der heutigen Krise aufdeckt und die Heilmittel zu deren Überwindung angibt. Ausgehend von der Gottesmutter, die in Mariazell seit so vielen Jahrhunderten hoch verehrt wird, sagte Msgr. Lefebvre: „Ihre wichtigste Aufgabe war es, den Heiland nach Kalvaria zu begleiten, ihm beim Kreuzesopfer zur Seite zu stehen.“ Denn dieses hochheilige Opfer sollte zur Quelle aller Gnaden und Segnungen für die Menschen werden, zur Lebensgrundlage der Kirche und gleichsam deren Herz bilden, aus dem alle Ströme göttlichen Lebens in den mystischen Leib Christi fließen. „In besonderer Weise will Maria uns auch heute dies ans Herz legen: Ihr müsst das Kreuzesopfer lieben. … Daher müssen wir das gleiche Verlangen haben wie sie, am Kreuzesopfer Unseres Herrn teilzunehmen, damit wir wahrhaft zu Christen werden, die sich zusammen mit Unserem Herrn opfern, die sich innig mit Ihm als ein und dieselbe Opfergabe in Seinem Opfer vereinigen. Darin besteht der wahre Christ. … Es scheint mir, als wolle die allerseligste Jungfrau Maria jeden einzelnen von uns, jedes menschliche Wesen, das in diese Welt eintritt, einladen, bei der Hand nehmen und unter das Kreuz führen, um uns an den Verdiensten Unseres Herrn Jesus Christus teilnehmen zu lassen.

Dies geschieht in hervorragender Weise durch die Teilnahme an der Hl. Messe, in welcher das Erlösungsgeschehen auf Kalvaria ja wahrhaftig vergegenwärtigt wird. Für die Herrlichkeit dieses Opfers hat der Glaube früherer Generationen all die unzähligen prächtigen Kirchen gebaut. Für den Allerheiligsten und das allerheiligste Geschehen auf Erden sollte ein würdiger Ort bereitgestellt werden. – Der christliche Geist ist also wesentlich und im tiefsten ein Geist liebender Aufopferung, ein Geist selbstloser Hingabe an Gott und die Mitmenschen in Vereinigung mit Jesus und Maria durch die Kraft der Hl. Messe. Würden wir dies vergessen, „hörten wir auf, katholisch zu sein, denn die katholische Kirche steht und fällt gerade mit dieser Wahrheit.

Fatalerweise ist genau dies geschehen, und darin besteht eigentlich das ganze Drama der heutigen Zeit: Ausgerechnet diese zentralste Glaubenswahrheit scheint heute völlig in Vergessenheit geraten zu sein! Es ist, wie wenn die Christenheit ihre Seele verloren hätte. Eine „Neue Theologie“ hat mit dem Opferbegriff aufgeräumt und ihn durch eine nebulöse Selbstverwirklichung ersetzt. Entsprechend musste eine neue Liturgie geschaffen werden. Das Heilige Opfer wurde zu einem Gedächtnismahl deformiert, in welchem die Gemeinde sich selbst zelebriert. Dies kam einer wahren Herzensamputation gleich! Ein Organismus ohne Seele und Herz aber wird unweigerlich zum Kadaver. Die übernatürlichen Lebensströme versiegten, die Kirchen leerten sich, ebenso die Priesterseminare und Klöster. Der Glaube verdunstete allenthalben, das ehemals christliche Abendland verlor seine gesellschaftsprägende Kraft und seinen missionarischen Elan und wird jetzt vom Islam und der Gottlosigkeit überrollt. Überall ratloses Kopfschütteln, Wegschauen und verzweifeltes gegenseitiges Sich-darin- bestärken, wie wichtig und fruchtbar all die „Reformen“ seit dem Konzil doch waren. Und dies bereits seit genau 50 Jahren!2

Doch Gott verlässt seine Kirche nicht. Wie aber kann es eine Rettung geben? Für Erzbischof Lefebvre gibt es eine einzige logische und katholische Antwort. Man muss die Ursache des Übels beheben! Gebt der Kirche ihre Seele und ihr Herz zurück, dann wird sie wieder zu neuem Leben erwachen! „Kehren wir doch wieder zu den richtigen Glaubensbegriffen zurück, dann wird es auch wieder Priesterberufungen geben. … Kehren wir zurück zu diesem Geist der Hinopferung, des Opfers, der Vereinigung mit Unserem Herrn Jesus Christus auf dem Altar, dann werden auch die Ordensberufungen wieder aufblühen und zahlreich werden. Es gibt Berufungen. Die jungen Menschen verlangen danach, sich für eine gute Sache einzusetzen; sie sind heute ebenso hochherzig wie zu anderen Zeiten. Aber stellen wir ihnen auch wirkliche Ziele vor Augen, greifbare, erstrebenswerte Ziele, wie es die Kirche immer getan hat!

Der Erzbischof beschloss seine Predigt mit der Gebetsaufforderung, die auch wir heuer 40 Jahre später nach Mariazell mitnehmen möchten: „Bitten wir die allerseligste Jungfrau Maria, … den jungen Menschen, die das Verlangen in sich tragen, Priester zu werden, zahlreiche Berufungsgnaden und Gnaden der treuen Anhänglichkeit an die katholische Kirche zu schenken. Beten wir während dieses Rosenkranzgebetes für die Kirche und für unseren Heiligen Vater, den Papst. Beten wir, dass die Priesterseminare wieder zu Pflanzstätten katholischer Priester werden. Beten wir, dass die Ordensmänner und Ordensfrauen zum Weg der Wahrheit zurückfinden. Beten wir, dass die religiösen Orden zu neuer Blüte gelangen und zum Weg des überlieferten Glaubens zurückkehren. Zu dem Glauben, der uns zwanzig Jahrhunderte lang gelehrt worden ist. … Dafür wollen wir heute beten, versammelt um Unsere Liebe Frau von Mariazell.“ 

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Stefan Frey

  • 1. Marcel Lefebvre, Damit die Kirche fortbestehe, Priesterbruderschaft St. Pius X, S. 133ff.
  • 2. Das II. Vatikanische Konzil endete im Jahre 1965.