Predigt: Heimatprimiz von P. Johannes Regele in der Pfarrkirche St. Michael in Steyr

24 Juli, 2018
Quelle: Distrikt Österreich

Predigt anläßlich der Heimatprimiz von P. Johannes Regele in der Pfarrkirche St. Michael in Steyr am 14. Juli 2018.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geiste. Amen.

Lieber hochwürdiger Herr Primiziant, lieber Hannes – wie die Verwandten und Bekannten Sie gerne rufen -, lieber Hannes,

es ist zweifelsohne ein großes Geschenk, ein Schatz, dass Sie in dieser wundervollen Kirche des hl. Erzengels Michael in Steyr Ihre Primiz feiern dürfen. Und wir alle freuen uns von Herzen mit Ihnen, lieber Johannes!

In der Heimatpfarre Ihrer Familie feiern Sie die erste Hl. Messe Ihres Priesterlebens, wo vor genau 85 Jahren Ihre Großeltern geheiratet haben, in der Pfarre Ihrer Eltern, Ihres Vaters, der schon 2012 verstarb und von hier aus zur letzten irdischen Ruhestätte geleitet wurde. Nebenan im Gymnasium erhielten Sie 8 Jahre einen sehr guten Unterricht, im ehemaligen Jesuitenkolleg, das ganz genau, auch an einem 14. Juli, nämlich 1632 – vor 386 Jahren – hier begründet wurde, als Steyr nur mehr etwa 16 gezählte Katholiken besaß. Von hier aus ging die katholische Erneuerung für Steyr und das ganze Umland aus, hier fand der Glaube die stärkste Stütze.

Schon als Kind, von der Erstkommunion an, wurde der Wunsch nach dem Priestertum in Ihnen wach, tatkräftig gefördert von Ihren Großmüttern, die Sie auch mit einem ersten, alten Schott (der die Mess- und Gebetstexte der überlieferten Liturgie enthält, meist sogar zweisprachig in Latein und Deutsch) versorgten. In späteren Jahren lebte dieses Verlangen nach dem Priestertum wieder auf, nicht zuletzt unter der geistlichen Leitung von Herrn Pater Kuno Zerlauth, einem Jesuiten und Marienverehrer, der in mehreren Städten Präses und großer Förderer Marianischer Kongregationen war und auch hier in Steyr viel gewirkt hat als Seelsorger und Beichtvater in der Marienkirche, und an den sich wohl noch manche erinnern. Er war es aber auch, der Ihnen, lieber Johannes, abriet, in eines von den damals bereits üblichen, mehr modernen Priesterseminaren einzutreten. Lieber also zunächst sich mit dem Interesse an den Naturwissenschaften der Molekularbiologie zuwenden, studieren, akademische Abschlüsse machen und offen bleiben für den Ruf Gottes. – Der kam dann auch, jedoch auf mancherlei Wegen, rein menschlich würden wir von „Umwegen“ sprechen, doch der Liebe Gott hat seine eigenen Routen. Nicht umsonst, denke ich, steht auf Ihrem Primizbild ganz oben das Psalmzitat „Nisi Dominus, frustra“ – „Wenn nicht mit dem Herrgott, so ist es vergeblich“ oder wie wir es in der etwas säkularisierten Form der Übersetzung aus einem berühmten Wienerlied kennen: „Wann der Herrgott net will, nützt es gar nix...“ Über den Beruf, dann über das Opus Dei fanden Sie schließlich durch Gottes Fügung und Gnade zur Priesterbruderschaft St. Pius X und zum Priesterseminar des Herzens Jesu und Ihres eigenen Herzens, fanden zur überlieferten Form der Hl. Messe, die wir nun heute dank Gott und auch Ihnen, lieber Johannes, wieder einmal nach vielleicht 40-50 Jahren in feierlichem Gottesdienst hier in diesem für diese Hl. Messe ja einst gebauten Gotteshaus, an diesem für dieses Messopfer errichteten und künstlerisch prächtig geschmückten Altar feiern dürfen.

St. Michael, der Kirchenpatron, wird Sie und uns dabei geleiten. Das Hochaltarbild von St. Michael, dieses Gotteshauses hier, ziert ja Ihr schönes Primizbild – und mit Recht. Ist er zwar Engel und kein Priester, so ist er doch ein ganz herrliches Vorbild, ein geradezu hinreißender himmlischer Schutzherr, hinreißend zu Gott, zum Heiland, zum Himmlischen, und als solcher ist er durchaus mit – wenn man so sagen darf – ausgesprochen vorbildlichem priesterlichem Geiste erfüllt.

Lieber Herr Primiziant, liebe Mutter unseres Neupriesters – Die Mutter eines Priesters: Das ist immer etwas ganz Besonders, Auserwähltes -, lieber Bruder unseres Primizianten mit Ihrer lieben Familie, liebe Verwandte, Freunde, liebe Festgäste und Gläubige!

„Michael – Wer ist wie Gott?“

Es ist eine ganz große Freude – sicher besonders bei Ihnen, lieber Herr Primiziant – hier in St. Michael diese Ihre erste feierliche Hl. Messe darzubringen und dies zu Ehren des hl. Michael, des Kirchenpatrons.

Zwar ist der hl. Michael ein Engel - und Sie, lieber Johannes sind es vielleicht... noch nicht so ganz... Sie sollen es aber sehr wohl werden, im übertragenen Sinne – und sogar ähnlich wie St. Michael ein Erz-, ein Oberengel für die Seelen durch Ihren priesterlichen Dienst.

Denn in der Tat, der hl. Erzengel Michael, seine Gestalt, sein Wirken, alles, was wir von ihm wissen, das hat viel, sehr viel von dem, was auch den Priester kennzeichnen soll, was priesterliche Aufgabe ausmacht und priesterlichen Dienst beinhaltet. – Da kann und soll der hl. Erzengel uns Priestern durchaus Vorbild, Leitfigur, aber auch Helfer und Schützer sein.

„Wer ist wie Gott?“ – So wird der Name im Deutschen wiedergegeben vom hebräischen „Michael“. Und er gibt in der Tat bereits die erste Wesenshaltung, Michaels hauptsächlichsten Wesenszug an, von Gott her gesehen seinen ersten Auftrag, seine erste Sendung, den Ursprung und das Ziel seines Daseins: Gott! Der Eifer für Gott und die Sache Gottes ist seine Wesensmitte.

Die erste Wesenshaltung des Priesters, sein hauptsächlichster, vornehmlichster Wesenszug, Ursprung und Ziel seines Priestertums, der erste Auftrag und die erste Sendung ist: Gott! Es ist diese Haltung, die wir übrigens auch bei der allerseligsten Jungfrau Maria finden: „Hoch preiset meine Seele den Herrn“ ...und Christus, unserem Herrn, dessen ganze Hinwendung, dessen ganzer Blick gilt – dem Vater! Vom Vater erhielt Jesus seine Sendung, seinen Auftrag. Durch den steten Blick auf Gott besiegt St. Michael den Satan, der sich gottgleich machen und anstelle Gottes treten wollte, aber: „Wer ist wie Gott?“ Maria, die Königin der Engel und Mutter der Priester, zertritt der Schlange den Kopf in ihrer unablässigen Hinwendung zu Gott. In der unentwegten Hinwendung zu Gott, der vollkommenen Ausrichtung auf den Vater vollbringt der Heiland das Erlösungswerk im Erlösungsopfer. Nur im Blick auf Gott, den Ewigen, Allmächtigen, Unendlichen, Unermesslichen besiegt deshalb der Priester das Widergöttliche, das Böse, den Satan, die Welt – insofern sie gottabgewandt ist in ihren irdischen Ideologien und Anschauungen, ihren weltlichen Idolen... Auch sich selbst besiegt er in seinen Neigungen zu den menschlich-irdischen Begierden und Wünschen, den Versuchungen, den Sinnen und den Leidenschaften Vorrang zu geben über den vom Glauben erleuchteten Verstand und Willen, im Reiz zur Selbstsucht nur im beständigen Aufblick zu Gott. Denn auch der Priester ist und bleibt Mensch, zwar in der Priesterweihe besonders erwählt, beschenkt und begnadet, aber dennoch wie jeder Mensch anfällig, manchmal schwach und mannigfachen Prüfungen ausgesetzt. Wie soll er da siegen, wenn nicht in Gott? Und bekanntlich ist ja außerdem der größte Sieg jener über sich selbst. In Gott allein wird er mannhaft, stark und treu. Und sollte er stürzen, wie wir Adamskinder immer einmal zum Falle geneigt sind – selbst St. Petrus und St. Paulus haben ja damit gerungen -, so steht er wie diese wieder auf und wird zur Stütze, zur Säule, zum Anker für Andere!

St. Michael galt im Alten Testament auch als besonderer Beschützer des auserwählten Volkes und im Neuen Testament nun ebenso als Schirmherr der hl. Kirche, also als Schützer, Streiter nicht nur für Gott, sondern auch für die Sache Gottes, und das ist vorrangig die Kirche Gottes, die Kirche Christi. Mithin steht er ebenso im Dienste Jesu Christi, des Sohnes Gottes, dessen Erlösungswerkes, dessen Opfers auf Kalvaria und auf dem Altar, wo der Herr Jesus durch den Priester seine Hingabe im Messopfer erneuert. Da vollzieht sich das größte Geschenk, das Testament des Gottmenschen, der zweiten göttlichen Person, Gott und Mensch zugleich: Sein Heilswerk, sein Erlösungswerk hat er der Kirche anvertraut, damit diese es in den Sakramenten, im Hl. Messopfer, in den Segnungen und Gebeten verwalte und alle Gnade des Erlösers ausspende. Als Schirmherr, als Schützer und Beistand, als Vorbild und Helfer der Kirche und ihrer Glieder hat Gott den hl. Erzengel beigesellt im geistig-geistlichen Kampf gegen die Sünde, das Laster, den Unglauben, gegen den Teufel und jene, die Christus und die Kirche ablehnen und verfolgen. Streiter Christi in diesem Sinne sind wir alle seit unserer Firmung, bei der uns der Bischof zu „Erwachsenen“ im Reich der Kirche geweiht hat. Mehr noch aber ist der Priester der eigentliche Diener, Dienstmann der Kirche. Er wird durch die Priesterweihe vorrangiger, speziell dazu berufener und eingesetzter Diener Christi und der Kirche, Verwalter der Geheimnisse Gottes in Lehre und Liturgie, ja sogar Freund Christi und zu mancherlei der priesterlichen Aufgaben hin sogar Stellvertreter Christi; für Christus und für die Kirche mit ihren Gliedern ist er da!

Lieber Johannes, gerade deshalb haben Sie ja den Weg zur Priesterbruderschaft St. Pius X. gesucht, gewählt und schließlich auch gefunden – von der ihr Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre, einst sagte, sie sein ein Werk der Kirche, in der Kirche und für die Kirche. Das solches in Zeiten mancherlei Umbruchs, mancherlei Verwirrung, Neuerung und sogar Krise nicht ohne Widerspruch bleibt, nicht ohne geistiges Ringen und ohne Anstrengung, Mühsal und Missverständnis abgeht, muss nicht verwundern. Dafür steht nicht zuletzt St. Michael selbst, der Streiter Gottes – und dafür stehen in dessen Nachfolge und nach dessen Leitbild auch Sie als Priester Christi und Seiner Kirche!

Die Kirche aber besteht wesentlich für und aus Menschen, aus Seelen, die zur Kirche gehören oder gehören sollen und dahin zu führen sind. So überrascht es nicht, das St. Michael auch ihr Geleiter, der Begleiter der Seelen ist, der einzelnen Menschen, Personen, Herzen. Im Auftrag des Hl. Geistes soll er sie führen, lenken, verteidigen und sie gerade im Kampf mit dem Bösen, mit den Versuchungen, den Gefahren für die Seelen in der Welt und im irdischen Leben stützen und stärken. Er ist für die ganze Kirche, aber auch ganz für den Einzelnen Patron und Helfer, wenn wir ihn einladen und darum bitten. Er ist also auch wahrhaft Seelenführer zum Himmel hin und möchte dies auch vollenden, gilt er doch namentlich als der besondere Geleiter der von dieser Welt scheidenden Seelen – hin zum Throne Gottes!

Gleichermaßen kommt diese Aufgabe dem Priester zu: Seelenfreund (mit Jesus), Seelenführer (mit dem Hl. Geist) und sogar Vater der Seelen (für die Gnade und das übernatürliche Leben – mit Gott Vater). Das gehört wesentlich zu des Priesters ureigenster Berufung, seiner Sendung als Verehrer und Diener Gottes, als Verwalter der Geheimnisse Gottes und Christi, als Freund und Vater der Seelen. In der Stellvertretung seines Herrn soll er die Herzen zu stärken, sie stützen im Glauben, im Guten, im Kreuz, sie zu verteidigen, zu leiten und zu begleiten suchen – bis zu Gott, bis zum Thron Gottes hin. Dort wird ihm dann, wenn er ein treuer Verwalter war, mit den ihm Anvertrauten das Ziel zuteil, alle Sehnsucht erfüllt: Die Ewigkeit, die Seligkeit, der Himmel – Gott! „Dann wird Gott alles in allem sein“ (1. Kor. 15,28).  --  Denn: „Wer ist wie Gott?“ Amen.

Predigt von P. Waldemar Schulz, Prior in Wien und Professor für Kirchengeschichte in Zaitzkofen