Der hl. Maximilian von Lorch

Quelle: Distrikt Österreich

Darstellung des hl. Maximilian in der Pfarrkirche Treffen, Kärnten

Über den hl. Maximilian und seine Verehrung berichten erstmals zwei Güterverzeichnisse des Salzburger Bistums, das erste mit dem Titel „Notitia“, um das Jahr 790 auf Veranlassung des Salzburger Bischofs Arno von seinem Diakon Benedikt geschrieben, das zweite ist um das Jahr 798 mit dem Titel „Breves Notitiae“ entstanden. Aus ihnen entnehmen wir, dass bald nach dem Jahr 700 im heutigen Bischofshofen im Pongau ein heiliger Maximilian an einer christlichen Kultstätte verehrt wurde. Im Einverständnis mit dem bayrischen Herzog Theodo ließ der Salzburger Bischof Rupert an dieser Stelle eine Kirche zu Ehren des hl. Maximilian erbauen, wo die Reliquien des Heiligen weiterhin verehrt werden sollen. Diese Tatsache bezeugt, dass dem Heiligen schon vor dieser Zeit eine große Verehrung zuteil wurde, was den Schluss nahelegt, dass Maximilian als Missionar im Salzburgerischen und in der ganzen Provinz Noricum tätig gewesen ist. Bald danach kam eine Mönchszelle hinzu, die von Klerikern aus dem Salzburger Kloster St. Peter besiedelt wurde. Bischof Rupert wollte dieses Kloster zu einem Stützpunkt für die Slawenmission ausbauen. Um das Jahr 725 und im Jahr 820 wurde die Kirche von den heranstürmenden Slawen niedergebrannt, in beiden Fällen aber wieder rasch aufgebaut. In den beiden erwähnten Dokumenten erfahren wir aber nichts Näheres über das Leben oder die Herkunft des Mannes namens Maximilan, der als „heilig“ bezeichnet wird.

Im Jahr 878 lesen wir in einer Urkunde des ostfränkischen Königs Karlmann, dass er die Gebeine des hl. Maximilian nach Altötting übertragen ließ, gemeinsam mit denen der hl. Felizitas, und dass er an die beiden Heiligen seinen Königshof im heutigen Treffen bei Villach verschenkte.  In dieser Urkunde wird der Heilige als „Bekenner Christi“ bezeichnet. Einige Jahre später – um 985 – wurden die Gebeine durch den Passauer Bischof Pilgrim nach Passau gebracht und im Passauer Dom bestattet. Dies mag einen kirchenpolitischen Hintergrund haben, damit stellte er eine Verbindung von Passau zu Lorch her und beanspruchte – allerdings vergeblich - das ehemalige Gebiet und die alte Würde des Lorcher Erzbistums für das Bistum Passau. In einem Missale in Freising wird Maximilian kurz vor dem Jahr 1000 als Märtyrer bezeichnet. Soweit die Angaben über den Heiligen, welche geschichtlich verbürgt sind.

Im Jahr 1289 ließ der Bischof Bernard von Prambach (1285-1313) einen prächtigen Sarkopharg für die Gebeine des hl. Maximilan (und des hl. Valentin) errichten. Im Jahr 1662 wurde bei einem Stadtbrand auch der Dom schwer beschädigt, seit dem Jahr 1687 ruhen seine Reliquien an einem Seitenaltar des Passauer Domes.

Die Vita des hl. Maximilian – Eine Legende?

Aus einer, erst am Ende des 13. Jahrhunderts verfassten Lebensbeschreibung, welche vermutlich in Passau geschrieben wurde,  erfahren wir, dass Maximilian das einzige Kind reicher, christlicher Eltern war und Anfang des 3. Jahrhunderts in Celeia (Celje im heutigen Slowenien) geboren wurde, das damals eine blühende römische Stadt im äußersten Südosten der Provinz Noricum war. Nach dem frühen Tod seiner Eltern verschenkte er sein Erbe an die Armen, schenkte seinen Sklaven die Freiheit und pilgerte nach Rom, um sich dem Papst zur Verfügung zu stellen. Papst Sixtus II. schickte ihn zu den bedrängten Christen in Pannonien. Von da unternahm er auch Missionsfahrten nach Rätien (ein Gebiet, das das heutige Bayern südlich der Donau und die angrenzenden Alpengebiete umfasste), predigte im Pongau und kam bis in das heutige Freising. Der Hauptort seines Wirkens war Lauriacum, das heutige Lorch (Oberösterreich), damals eine militärisch und wirtschaftlich sehr bedeutsame römische Stadt. Hier gründete er eine Kirche und wurde aufgrund seiner Frömmigkeit, seiner Gottesgelehrsamkeit und seiner Verdienste zum Bischof gewählt, er stand der Gemeinde von Lorch zwanzig Jahre lang vor.

Als er von einer großen Christenverfolgung in seiner Heimatstadt hörte, reiste er dorthin, um den Christen beizustehen und für sie beim Statthalter des Kaisers Numerian einzutreten. Eulasius aber - so hieß der Statthalter – ließ ihn fesseln und in den Tempel des Kriegsgottes Mars bringen, wo er ein Weihrauchopfer zu dessen Ehren darbringen sollte. Maximilian verweigerte das Opfer, er wurde unter die Berufung auf die kaiserlichen Edikte, die das christliche Bekenntnis unter Todesstrafe stellte, zum Tod verurteilt. Am 12. Oktober 282 brachte man ihn vor die Stadtmauern, wo er mit dem Schwert enthauptet wurde. 

So weit die Vita des hl. Maximilian, deren Historizität von der Geschichtswissenschaft in Zweifel gestellt wird, und zwar v.a. deswegen, weil das Dokument nachweislich unrichtige Angaben über die Geschichte Lorchs enthält.  Allerdings muss man darauf hinweisen, dass die Lebensgeschichte Maximilians völlig problemlos in die politischen Gegebenheiten der Provinz Noricum um das Jahr 300 passt. Ja mehr noch, die klassische Ausdrucksweise in den Reden des römischen Prokurators passt so gar nicht in eine angebliche Legende, die erst im 13. Jahrhundert entstanden wäre. Die individuellen Züge der Schilderung des Martyriums und der klassische Stil des Passionsberichtes legen die Annahme nahe, dass es die echten Märtyrerakte Maximilians waren, aus denen die Verfasser der Vita und vielleicht auch ein älterer Biograph im 8. Jahrhundert schöpften.

Und wie wäre der Ruhm dieses Menschen zu erklären? Er ist im 8. Jahrhundert „der bekannte Heilige“ im Pongau und in Noricum, ihm zu Ehren werden Kirchen erbaut, seine Gebeine werden hoch in Ehren gehalten. In seiner Geburtsstadt im heutigen Slowenien stehen schon seit uralter Zeit Maximilanskirchen. Noch ein halbes Jahrtausend nach seinem Tod hing das Volk mit großer Liebe an ihm. Es gibt nur eine Erklärung: Maximilian muss eine große apostolische Wirksamkeit in diesen Gegenden entfaltet haben. Diese erfolgreiche apostolische Arbeit ist andererseits nicht denkbar, ohne die bischöfliche Würde. Alle großen Missionare in dieser Zeit waren Bischöfe und verdankten ihren Erfolg zum großen Teil der Würde, die mit diesem Amt verbunden war. Die Tatsache, dass der hl. Maximilian auch im Katalog der Lorcher und Passauer Bischöfe erwähnt ist, der schon 50 Jahre vor der Vita verfasst wurde, weist darauf hin, dass es wohl eine deutlich ältere Maximilansbiographie gab, auf die beide Quellen zurückgegriffen haben und die verloren gegangen ist.

Nicht zuletzt darf daran erinnert werden, dass man auch lange Zeit an der Existenz des hl. Florian zweifelte und seine Lebensgeschichte in das Reich der Legenden verwies, bis neuentdeckte Tatsachen ihn und seine Gefährten als historische Persönlichkeit auswiesen.  Wenn die Verehrung eines Menschen über viele Jahrhunderte im Volk andauerte, so dürfen wir schon davon ausgehen, dass all diese Menschen nicht einem Trugbild nachgelaufen sind.

Die Verehrung des hl. Maximilan  

Die Verehrung des hl. Maximilian verbreitete sich im Spätmittelalter im Bistum Passau zunehmend, er wurde zum Schutzpatron des Bistums Passau erhoben. Das St. Maximilians-Fest wird seit dem Mittelalter alljährlich am 12. Oktober, dem Gedächtnistag seines Todes, gefeiert. Bis in das 19. Jahrhundert war dieser Tag ein hoher kirchlicher und weltlicher Feiertag im Bistum Passau. Zwei mittelalterliche Litaneien zu seiner Verehrung sind uns überliefert und auch die Tatsache, dass er bei drohenden feindlichen Überfällen um Hilfe angerufen wurde, ist durch Dokumente nachgewiesen.

Die Verehrung des Heiligen blieb aber mehr oder weniger auf das Bistum Passau und auf Österreich beschränkt. Der österreichische Kaiser Friedrich III. (1415-1493) ließ angesichts eines fast aussichtslosen Krieges seinen Sohn auf den Namen Maximilian taufen. Dieser Sohn wurde später zu einem der populärsten habsburgischen Kaiser, er begründete den Aufstieg der Dynastie zur Weltmacht. Durch diese Namensgebung wurde der hl. Maximilian zum bedeutendsten Patron Österreichs. Von 1783 bis 1962 war er der Patron des Linzer Bistums.

Der Heilige wird als Bischof mit Buch oder Kreuz und Schwert dargestellt, als Hinweise auf sein Amt und sein Martyrium. Szenische Darstellungen zeigen ihn entweder als betenden Bischof vor einer Stadt oder bei der Taufe von Heiden; auch Darstellungen seines Martyriums finden sich des Öfteren. Berühmt ist die Zeichnung von Albrecht Dürer im Gebetbuch von Kaiser Maximilan I., sowie Dürers Holzschnitt aus dem Jahr 1515, der die Schutzheiligen Österreichs mit dem hl. Maximilian zwischen dem hl. Quirinus von Lorch und dem hl. Florian stehend, darstellt.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               Siebzehn Jahrhunderte liegen zwischen dem Leben des hl. Maximilian und unserer Zeit. Auch wenn die historischen Angaben wenige sind, die wir über ihn haben, so hat die Kenntnis von seinem Wirken im Leben und seinem Mut im Angesicht des Todes, kurz gesagt sein Glaube, die Zeiten überdauert und kann somit auch uns Menschen des 21. Jahrhunderts beispiel- und richtunggebend sein.

 

Festtag: 12. Oktober

Gebet zur Freisinger Maximilians-Feier 1872:



Allmächtiger, ewiger Gott,

der du deinen Diener Maximilian

mit unüberwindlicher Kraft des Glaubens ausgerüstet,

durch ihn eine Menge unsterblicher Seelen für den Himmel gewonnen

und ihn der Krone der Märtyrer gewürdiget hast,

verleihe gnädig, dass wir durch sein Beispiel ermuntert

und durch seine Fürbitte unterstützt,

die göttliche Kraft des Glaubens in uns erfahren,

in derselben alle Versuchungen der Welt,

des Fleisches und des Teufels überwinden

und einst die Krone des ewigen Lebens erlangen mögen,

durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn.

Amen.



Quellen:

„Bavaria Sancta“ von Georg Schwaiger

„Heilige und Namenspatrone in Österreich“ von Schauber und Schindler

„Das große Buch der Heiligen und Seligen Österreichs“ von Reinhard Pohanka

„Der hl. Maximilian – Eine Studie über die Maximilansquellen“ von Dr. Franz Porrucker