Der heilige Johannes Sarkander

Quelle: Distrikt Österreich

Zwei Märtyrer des Beichtgeheimnisses: Links der hl. Johannes Nepomuk und rechts der hl. Johannes Sarkander, dargestellt in der Kirche Santa Maria dell'Anima in Rom

Der hl. Johannes Sarkander - ein Märtyrer des Beichtgeheimnisses

Die Zeit, in die der Heilige, von dessen Leben wir heute lesen, hineingeboren wurde, war geprägt von den Wirren der Religionskriege, von Reformation und Gegenreformation und schließlich vom Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges, der als Religionskrieg begann und als Konflikt zwischen den Herrscherhäusern Europas endete. Die Konflikte fanden überwiegend auf den Gebieten des Heiligen Römischen Reiches statt, die durch Seuchen und Hungersnöte verwüstet und entvölkert wurden.

Im Bistum Olmütz (Mähren und ein Teil von Schlesien) begann sich der Protestantismus um 1550 durchzusetzen und fand vor allem Anhänger im Adel und in den Städten. Die Auseinandersetzungen zu Beginn der Reformationsstreitigkeiten waren durch einen ausgesprochen rauhen Ton bestimmt und rissen eine tiefe Kluft des Misstrauens in der Bevölkerung auf. Der Adel hatte auf seinen Besitzungen meist auch das Besetzungsrecht der Pfarreien und wenn nun der Gutsherr den neuen Glauben annahm, stellte er meist auch einen Prediger seines Glaubens an. Das Volk hingegen wurde nicht gefragt. Hier überschritt der Gutsherr allerdings seine Kompetenzen, denn er war nicht Eigentümer, sondern nur Schutzherr der Kirche und ihres Besitzes. Viele katholische Geistliche wurden nicht unbedingt mit Gewalt vertrieben, aber der Entzug ihres Einkommens und somit ihrer Existenzgrundlage bewirkte zwangsläufig, dass die Pfarrer nicht mehr im Ort bleiben konnten. In der damaligen Zeit wäre es unmöglich gewesen, zu überleben, denn ein Gehalt von der Diözese – wie es heute üblich ist – gab es nicht.

So turbulent diese Zeit war, so unruhig verlief auch das Leben unseres Heiligen. Johannes Sarkander wurde am 20. Dezember 1576 in Skotschau (Skoczów), Schlesien, geboren. Sein Vater Gregor Matthias war ein verdienter Bürger der Stadt, seine Mutter Helene stammte aus einem altschlesischen Adelshaus. Johannes hatte drei Brüder und einen Stiefbruder aus der ersten Ehe seiner Mutter. Nach dem frühen Tod des Vaters zog seine Mutter mit den vier Buben nach Freiberg (Pribor) in Mähren, wo ihr nun schon erwachsener Sohn aus der ersten Ehe wohnte. Hier besuchte Johannes zunächst die Pfarrschule, nach drei Jahren wechselte er in das von Jesuiten geführte Gymnasium in Olmütz, anschließend nach Prag, wo er die philosophischen Studien ablegte. Danach studierte er in Graz Theologie und wurde 1609 in Brünn zum Priester geweiht. 

Bald danach wurde er zum Pfarrer in Jaktar bei Troppau ernannt, wo er damit zum Nachbarn seines Bruders Nikolaus, ebenfalls Priester, wurde, der seit einem Jahr Pfarrer in Troppau war. In dieser Zeit der Gegenreformation, wo es immer wieder zu einem erbitterten Ringen zwischen Katholiken und Protestanten kam, geriet auch Pfarrer Nikolaus Sarkander bald in den Strudel dieser Konflikte. Er wandte sich an den Kaiser um Hilfe, aus diesem Grund wurde er von den mährischen Ständen des Verrats beschuldigt und im Rathaus von Olmütz eingekerkert. Bei einem Verhör gab er zu, gegen die Protestanten gearbeitet zu haben, um seine Rechte als Pfarrer von Troppau zu wahren, jede Schuld an einer Verschwörung aber wies er von sich. 

Unschuldig im Gefängnis

Unmittelbar nach der Verhaftung seines Bruders übersiedelte Johannes Sarkander als Pfarrvikar nach Mährisch-Neustadt, um in der Nähe seines Bruders zu sein. Nachdem seinem Bruder ein weiteres Verhör unter Folter drohte, reisten er und seine anderen Brüder nach Prag und Wien und erreichten schließlich, dass sowohl der Kaiser als auch König Matthias sich dafür einsetzten, die Anwendung der Folter bis zu einer neuerlichen Gerichtsverhandlung zu verschieben. Johannes und seine Brüder unternahmen alles, um das Unheil von Nikolaus Sarkander abzuwenden, wiederholt reiste P. Johannes deswegen nach Wien. 

Am 26. Dezember 1609, nachdem er die Weihnachtsgottesdienste in Mährisch-Neustadt gefeiert hatte, wollte er danach sofort zu einer neuerlichen Reise nach Wien aufbrechen, wurde aber vor Olmütz verhaftet. Sein Bruder Nikolaus war aus dem Gefängnis entflohen und nun wurden seine Brüder verdächtigt, ihm bei der Flucht geholfen zu haben. In Wirklichkeit hatten diesem Kirchenangestellte von Wischau, wo er früher Pfarrer gewesen war, zur Flucht verholfen. Nikolaus Sarkander reiste nach Prag und Passau, wo er beim Bischof von Passau und Straßburg, der ein Bruder Kaiser Rudolfs war, Aufnahme fand.

Johannes Sarkander aber blieb gemeinsam mit seinen zwei Brüdern Paul und Wenzel über ein Jahr lang eingekerkert, dann wurden die drei durch Bürgschaften freigelassen. Danach wirkte er an verschiedenen Orten als Pfarrer, von einer geregelten seelsorglichen Tätigkeit konnte man in dieser Zeit jedoch nicht ausgehen, die Erfolge der Bekehrungsversuche waren gering und den Pfarrern wurde das Leben von der weitgehend protestantischen Bevölkerung äußerst schwer gemacht. Dabei war das Volk nicht zimperlich in seinen Methoden: In einer Brünner Diözese, wo Johannes Sarkander zuvor auch gewirkt hatte, wurde im Jahr 1620 sogar ein katholischer Pfarrer von der Kanzel geworfen. 

Pfarrer in Holleschau

Im April 1616 wurde Johannes Sarkander als Pfarrer für Holleschau (Holesov) berufen. Die Herrschaft von Holleschau hatte der katholische mährische Landeshauptmann Ladislaus Popel von Lobkowitz inne. Hier hatte Sarkander mehr Erfolg, er rief zwei Jesuiten zu Hilfe und die Zahl der Bekehrten stieg, nicht zuletzt auch infolge seiner offenbar sehr überzeugenden Predigten. Sein Biograph schreibt ihm eine „hinreißende Beredsamkeit“ zu. Bei den Katholiken war er sehr beliebt, von der Seite der Protestanten aber stieß er auf erbitterten Widerstand. Bald geriet Sarkander mit dem Grundherrn einiger Orte im Umkreis, Wenzel Bitovsky, in Konflikt wegen des Zehentrechtes, das ja seine Existenzgrundlage, den Erhalt des Kirchengebäudes und die Almosen für die Armen sicherte. Da sich der Landeshauptmann auf die Seite Sarkanders stellte, wurde Bitovsky zum erklärten Feind Sarkanders. 

Im Jahr 1619, im Jahr nach dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges, schloss sich Mähren dem Aufstand der protestantischen böhmischen Stände gegen die Habsburger an. Die protestantischen Adeligen enthoben den Landeshauptmann von Mähren, Ladislaus Popel von Lobkowitz, seines Amtes und nahmen ihn fest. Der Hass der Protestanten und vor allem Bitovskys brachte Sarkanders Leben in ernste Gefahr. Auf Bitten der Holleschauer Katholiken begab er sich daher auf eine Wallfahrt nach Tschenstochau in Polen, die er schon früher gelobt hatte. Dort warf er sich vor dem Gnadenbild zu Boden und flehte die Muttergottes um Hilfe für seine Pfarrkinder an, dass sie in ihrem Glauben stark bleiben und in ihm wachsen mögen und er bat für die Irregeleiteten, damit sie den rechten Weg finden mögen. Einige Wochen weilte er in Tschenstochau und täglich kam er zum Gnadenbild der Muttergottes mit seinen Bitten, dann reiste er über Krakau, wo er kurze Zeit blieb, zurück nach Holleschau, obwohl er erfahren hatte, dass dort ein protestantischer Prediger seinen Platz eingenommen hatte. 

Als im Februar 1620 ein Kosakentrupp von Polen aufbrach, um über Schlesien und Mähren unter Plünderungen und Brandlegungen nach Wien zu ziehen, näherten sich die Kosaken auch Holleschau. Als Sarkander davon Kenntnis erlangte, rief er seine Gläubigen zu einer Prozession zusammen und zog den feindlichen Truppen mit dem Allerheiligsten entgegen. Zum Erstaunen aller sprangen die Kosaken von den Pferden und knieten vor dem Allerheiligsten nieder. Holleschau blieb verschont, aber schon am 7. Februar waren sie vor Wien. 

Gefangennahme und Folter

Dass die Stadt Holleschau von den Kosaken verschont geblieben war und die Tatsache, dass sich Sarkander zuvor in Krakau aufgehalten hatte, war für seine Gegner Anlass genug, ihn zu beschuldigen, er hätte als Botschafter des Kaisers und im Auftrag von Ladislaus von Lobkowitz Truppen angeworben, die anderswo die Zerstörungen verursachten. Sarkander erkannte die drohende Gefahr und versteckte sich in Scheunen und sogar in der Totenkammer auf dem Friedhof. Mit Hunden setzte man ihm nach und schließlich wurde er aufgespürt, verhaftet und in Ketten gelegt, unter Schmähungen nach Olmütz gebracht, wo er des Landesverrates angeklagt wurde. P. Sarkander betete immer wieder: „Herr, Dein Wille geschehe“. Am 13. Februar 1620 fand das erste Verhör statt. Der Olmützer Stadtrichter Johannes Scintilla, ein Katholik, musste bei allen Verhören anwesend sein. Er schrieb einen ausführlichen Bericht über die Verhöre und Folterungen für den Kardinal von Diettrichstein, daher besitzen wir genaue Kenntnis über die Einzelheiten in diesem Prozess. 

Da P. Sarkander nichts zu gestehen hatte, wurde er ersten Folterungen unterworfen, ohne dass auf seinen geistlichen Stand Rücksicht genommen wurde. Es folgten weitere Verhöre unter der Folter, die durch brennende Kerzen verschärft wurden, welche ihm an den Körper gehalten wurden. Als auch diese Maßnahmen ergebnislos blieben, forderte man ihn auf, das Beichtgeheimnis zu brechen und Einzelheiten aus der Beichte des Herrn von Lobkowitz bekanntzugeben. P. Sarkander versicherte, dass er nichts wisse, dass ihm in der Beichte nichts anvertraut worden wäre und selbst wenn dies der Fall wäre, würde er es niemals verraten, denn bevor er das Beichtsiegel verletze, ließe er sich gerne in Stück reißen. 

Es folgten weitere Verhöre und weitere, immer grausamere und unmenschlichere Foltermethoden. Schließlich wurde P. Sarkander in das Gefängnis zurückgebracht. Aus einer Olmützer Chronik wissen wir, dass er dort von drei Kartäusern, die ebenfalls inhaftiert waren, gepflegt wurde, ebenso auch von Olmützer Katholiken, die sich durch Bestechung Zutritt zum Gefängnis verschafft hatten. Aber seine Verletzungen waren zu schwer, an den verbrannten Stellen seien die Rippen und die Eingeweide sichtbar gewesen, er konnte die Arme nicht mehr bewegen, da die Gelenke unter der Folter ausgerenkt waren und funktionslos an ihm herabhingen. P. Sarkander betete nichtsdestotrotz das Brevier, einer seiner treuen Katholiken hielt ihm dazu das Buch. Am 17. März 1620 verstarb P. Sarkander an den Folgen der Verletzungen durch die Folter. Einige seiner Getreuen bereiteten das Begräbnis mit allen Zeremonien vor, aber der Rat verbot die öffentliche Beerdigung, da er vorhersah, dass diese Beerdigung zu einer katholischen Glaubensdemonstration werden würde. Er wurde schließlich am 24. März in aller Stille in der Pfarrkirche Unserer Lieben Frau in Olmütz beigesetzt. 

Ein leuchtender Zeuge für die Wahrheit 

Johannes Sarkander starb im Alter von 43 Jahren, elf Jahre zuvor hatte er die Priesterweihe empfangen. Einer wirklichen seelsorglichen Tätigkeit konnte er wohl nicht mehr als sieben oder acht Jahre nachgehen und das in Gebieten, die dem katholischen Glauben seit langer Zeit entfremdet waren und deren Bewohner daher einen katholischen Seelsorger ablehnten. Seine Erfolge waren wohl eher bescheiden und so darf man in seinem Lebenswerk nicht den äußeren Erfolg werten, sondern seine Glaubenskraft, mit der er das Evangelium, ob gelegen oder ungelegen, wie es der hl. Apostel Paulus forderte, verkündete. Mit seinem Martyrium legte er Zeugnis für die Wahrheit ab, in einer Zeit und einer Umgebung, die diesem Glauben und dieser Wahrheit äußerst feindlich und ablehnend gegenüberstand.

Rasch verbreitete sich die Nachricht von Sarkanders Märtyrertod in ganz Europa und schon bald begann man, ihn zu verehren. Die politischen Wirren bremsten diese Verehrung, aber im Jahr 1715 wurde das Verfahren zur Seligsprechung aufgenommen. Maria Theresia schickte selbst ein Bittgesuch um die Seligsprechung nach Rom und die Verehrung im Volk nahm immer mehr zu, Statuen des Glaubenshelden wurden an vielen Orten errichtet. Am 6. Mai 1860 erfolgte schließlich die feierliche Seligsprechung im Petersdom in Rom. Der Prozess der Kanonisierung wurde auf Antrag der Bischöfe von Olmütz und Kattowitz 1981 aufgenommen.

Sein Festtag ist der 17. März.


Quellen:

- Lebens- und Leidensgeschichte des seligen Glaubenshelden Johann Sarkander von Franz Kattauer (1860) 
- Der selige Johannes Sarkander von Dr. Josef Matzke (1960)